Eigentümer überrascht von Blaue-Tonnen-Flut

2012 wächst im Landkreis eine einheitliche Müllgebühren-Landschaft

Aue/Schwarzenberg. Volker Krauß glaubte seinen Augen nicht zu trauen. Der 65-Jährige wohnt auf dem Balkon des Erzgebirges - wie Bernsbach landläufig genannt wird. Doch mit schöner Aussicht dort oben war es dieser Tage nicht weit her. Sage und schreibe 15 blaue Tonnen zierten den Platz allein vor dem Haus mit der Nummer 31 am Lindenring. Solche Behälter werden durch die Entsorgungsfirma Sita ausgeliefert. An jeden Grundstückseigentümer, der beim Zweckverband Abfallwirtschaft Südwestsachsen (ZAS) als Gebührenpflichtiger registriert ist. Die blauen Tonnen sollen künftig die bisher an zentralen Stellplätzen vorhandenen Altpapiercontainer ersetzen.

Um beim Beispiel zu bleiben: Im Haus 31 am Lindenring gibt es 18 Eigentumswohnungen, 15 sind belegt. Die Besitzer werden in den ZAS-Computern jeweils einzeln als Gebührenzahler geführt. Also: Jedem seine Tonne. Macht 15 - und das nur für ein Haus. Volker Krauß ärgert sich: "Jetzt wird der Balkon des Erzgebirges mit Tonnen zugemüllt." Birgit Baumann, die zuständige Bereichsleiterin beim ZAS, weiß um die Seltsamkeiten, die bei den begonnenen Umrüst-Aktionen von der zentralen auf eine haushaltnahe Altpapier-Entsorgung zu beobachten sind. Diese passieren - wie im Bernsbacher Lindenring-Fall - jedesmal dort, wo Eigentümergemeinschaften für die Abfallentsorgung nicht gemeinsam "veranlagt" sind, wie es sonst gängige Praxis sei. Die Wohnungsbesitzer umgehen damit den Zwang, die jährlichen Gebührenbescheide auseinanderklamüsern zu müssen, um sich über die eigenen Anteile einig zu werden, sagt Baumann. Freilich sei es einfacher, wenn jeder eine ausschließlich für ihn geltende Rechnung erhält. "Aber solche Kundenwünsche fallen uns jetzt sozusagen auf die Füße."

Der ZAS reagiert: Die gewissermaßen von einer blauen Tonnen-Flut betroffenen Grundstückseigentümer können die nicht benötigten Behälter wieder abholen oder austauschen lassen. Zur Verfügung stehen Tonnen mit 120 und 240 Litern Fassungsvermögen. Möglich ist auch das Aufstellen von 1,3 Kubikmeter-Containern. "Wir vollziehen den Tausch kostenlos", verspricht Birgit Baumann.

Im Bernsbacher Lindenring ist die Flut jedenfalls erstmal gestoppt worden, bestätigt Volker Krauß. "Die Sita hat die Dinger wieder abgeholt." Eine Frage bleibt: "Das muss mir mal einer erklären, warum es nötig war, die zentralen Entsorgungsstellen abzuschaffen." Birgit Baumann begründet das mit dem künftig einheitlichen Müllentsorgungs-Konzept im Großkreis. In den Altgebieten Mittleres Erzgebirge und Stollberg sei die haushaltnahe Altpapierentsorgung längst gang und gäbe. Aue-Schwarzenberg und Annaberg folgen jetzt. Die Bereichsleiterin erwähnt freilich auch finanzielle Aspekte. Für Altpapier werden derzeit gute Preise erzielt, immerhin zweistellige Euro-Beträge je Tonne. "Diese Erlöse fließen in unsere Kalkulation ein, stützen die Abfallgebühren", erklärt Baumann. Deshalb sei das Interesse groß, an das Papier aus den Haushalten zu kommen. Die blauen Tonnen sind mit lesbaren Chips ausgestattet. Nicht etwa, um die Entsorgung dereinst kostenpflichtig zu machen, sondern allein zu Kontroll-Zwecken. Baumann: "Wir erfahren dadurch, wieviel Papier von woher kommt. Damit ist ein Abgleich mit den durch die Entsorgungsbetriebe tatsächlich abgerechneten Mengen möglich." Zudem könne man ungenutzte Tonnen auch zurückholen. Ein Behälter koste immerhin rund 80 Euro.

 
erschienen am 02.12.2011 ( Von Andreas Tröger )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
2
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  • 16.12.2011
    10:52 Uhr

    wundesknie: wenn die ganze angelegenheit entgeldlos bleiben soll, reicht doch in so einem falle ein kleiner conti zu, aber ich erahne für die zukunft schlimmeres. man braucht doch geld, und dieses hat ja der hauseigentümer. aber das die zentralplätze abgeschafft werden denke ich liegt an deren nutzer in erster linie. es gigt ja zeitgenossen die dieöffnungen der behälter nicht finden, und dann ihren ganzen (müll) daneben oder schlimmer ablagern. weiterhin wem gefällt es wenn die plätze mit glasscherben oder umherliegenden papier belegt sind. und aufregen tun sich dann die selben ,die den misthaufen so anrichten. denn zu hause macht es keiner, da sorgt doch jeder für ordnung.weiterhin wurden in anderen gemeinden wo es mittlerweile schon nach neuen muster geht ,die wertstoff behälter teilweise von gewerbetreibenden und privatfirmen genutzt um der zahlung zu entgehen, und wenn dann der kleinverbraucher sein zeug entsorgen wollte, waren die tonnen voll. und was passierte dann ?? das zeug lag daneben.

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  • 04.12.2011
    14:22 Uhr

    klausschlosser: Aufruf an die Bürger von Aue!
    Stellt die mitlerweile erhaltenen Mülltonnen (Abfall-, Grüne-,Gelbe-,Blauetonne) alle samt auf die Straßen unter dem Motte: "Schöner unser Städte und Gemeinden".
    Diese "optische Sauerei" betrifft doch nicht nur den "Balkon". Es ist ja schon so geworden, dass einige Straßenzüge ihre Abfalltonnen vor dem Haus deponieren, weil kein Platz mehr ist, diese im oder hinter dem Haus aufzustellen. Außerdem, warum soll der Eigentümer Mülltonnen durch die Gegend fahren, bloß weil der Verband immer fauler wird seinen Aufgaben nachzukommen und zentrale Plätze aufgibt. Es ist doch nur noch eine Frage der Zeit, wann wir Glasbehälter vor jede Tür bekommen! Da diese Entsorgung öffentliche Aufgaben betrifft, müßten doch die entsprechend not- wenigen Stellplätze dann logischer Weise von den Grundsteuern abgezogen werden?!
    Es einfach eine absolute Frechheit diese "Arbeitsverweigerung" von Seiten des ZAS (Frau Baumann s.Artikel) als "bürgenahe Entsorgung" darzustellen. Dieses hirnlose Gefasel von "wieviel Papier woher kommt", "Abgleich mit abgerechneten Mengen", zeigt doch nur, dass in diesem Verein keiner weiß was Fakt ist. Außerdem, nur weil in Bernsbach die Eigentümergemeinschaft nicht in der Lage ist auszurechnen wer was zu bezahlen hat, bekommt jeder seinen Kübel.
    Gehts noch dümmer!? Auf welchem geistigen Niveau sind wir mitlerweile angekommen (und da meine ich nicht die Bernsbacher). Wir haben seit über 100 Jahren ein Mehrfamilienhaus und haben in dieser Zeit immer die Gemeinkosten zur Zufriedenheit aller Mieter aufgeteilt. Also Frau Baumann, wir haben zwei Tonnen, die können Sie wieder abholen und wenn ich keinen Container mehr finde, werfe ich das Papier vor Ihre Tür; natürlich mit Adresse, damit Sie wissen in welchem Haushalt es Altpapier gibt.

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