Um die Nutzung des ehemaligen Wismut-Grubengeländes in Niederschlag beispielsweise für die Bewetterung des geplanten Bergwerks zu prüfen, wurde bereits der verfüllte Stollen 215 wieder geöffnet. Hier erklärt der Technische Leiter Martin Zimmermann (rechts) Fachbesuchern das weitere Vorgehen.
Foto: Wolfgang Schmidt/Archiv
Ein Bergwerk zum 375-Jährigen
Nickelhütte Aue will bald Flussspat aus der Tiefe holen
Aue/Niederschlag. Aue/Niederschlag. Zum 375-jährigen Firmenjubiläum gönnt sich die Nickelhütte Aue ein Bergwerk. Noch steht es nicht, aber das neue "Berggeschrey" ist im Bärensteiner Ortsteil Niederschlag schon deutlich zu vernehmen. Der Erzgebirgischen Fluss- und Schwerspatcompagnie (EFS) Geos GmbH liegt bereits die Erkundungsgenehmigung für das unter der Erde schlummernde Mineral vor. Und die Nickelhütte ist bei der Firma jetzt als Gesellschafter eingestiegen. Mit 51 Prozent der Anteile ist sie Haupteigentümer.
"Damit kehren wir zurück zu den Wurzeln", sagt Geschäftsführer Volker Carluß. Denn der heutige Entsorgungsspezialist, der aus Rückständen der Metallverarbeitung sowie Katalysatoren aus der chemischen Industrie Nichteisen-Metallkonzentrate und Chemikalien herstellt, habe schon in früheren Jahrhunderten Bergwerke betrieben, etwa in Norwegen.
Die EFS Geos hat am Donnerstag den Grundstückskauf per Notarvertrag besiegelt. Carluß war in der vergangenen Woche selbst nach Bamberg gefahren, um mit dem Eigentümer, dem Deutschen Erwachsenen-Bildungswerk, über das Brachland in Niederschlag zu verhandeln. Mehr als zwei Millionen Tonnen Flussspat sollen in etwa 200 bis 600 Metern Tiefe lagern, wie erste Untersuchungen der EFS Geos zu Tage gefördert haben. Der in unterschiedlichen Farben schillernde Kristall erleichtert etwa als Flussmittel den Schmelzvorgang in der Metallverarbeitung. Auch die Nickelhütte kauft den Stoff zu, will ihn aber nicht nur für den Eigenbedarf fördern, sondern auf dem Weltmarkt anbieten. Für eine Tonne werden bis zu 300 Euro gezahlt, erklärt Carluß: "Das ist eine Menge Geld. Und das muss man einfach aus der Erde holen."
Ganz so einfach ist es aber dann doch nicht. Über eine Rampe soll in spätestens drei Jahren das erste Erz gefördert werden. Schlussendlich könnten etwa 40 Bergleute Arbeit finden. "Wir haben das Ziel, noch in diesem Jahr mit dem Bergbau zu beginnen", sagt der 59-Jährige. "Aber wir müssen natürlich schauen, wie's im Berg aussieht." In die Errichtung des Bergwerks und der Aufbereitungsanlage investiert EFS Geos nach Angaben des Geschäftsführers André Baumann rund 15 Millionen Euro.
Die Aufbereitung schwebt Carluß nach Möglichkeit in Aue vor. Auf dem fast 36 Hektar großen Firmengelände finde sich genügend Platz und Fachkenntnis für eine entsprechende Anlage, in der der Spat gesiebt und gereinigt wird, um später Flusssäure für die chemische Industrie zu gewinnen. Die Säure wird unter anderem für Kältemittel, in Hochleistungskunststoff wie dem von der Pfannenbeschichtung bekannten Teflon oder für Siliziumscheiben für die Solarindustrie benötigt. Aufgrund der großen Nachfrage seien die Flussspatpreise selbst in der Krise noch gestiegen, betont Carluß und verweist auf die vergleichsweise wenigen Gruben in Europa, etwa im Schwarzwald. "Es gibt bereits Anfragen", sagt der 59-Jährige. Er ist zuversichtlich, das neue Geschäftsfeld gut in den Absatz einbinden zu können. Viele Nickelhütte-Kunden, etwa der Chemieriese BASF, bräuchten auch Flussspat, der bislang hauptsächlich aus China komme.


