Ufer Beate Fahle genießt die herrliche Aussicht an der Auer Hakenkrümme. Das Areal wurde renaturiert und dient sowohl als Überschwemmungsfläche als auch als Naherholungsgebiet.

Foto: Publicpix

Eine Stadt entdeckt ihre Flüsse

Dichte Uferbebauung von Mulde und Schwarzwasser gehört bald Vergangenheit an

Aue. Vor knapp einem Jahr hätte Thomas Müller hier noch nasse Füße bekommen. Der Mitarbeiter der Landestalsperrenverwaltung steht auf der neu geschaffenen Uferpromenade zwischen Schulbrücke und Schillerbrücke. Vor rund zwei Wochen wurde an der Zwickauer Mulde eine Stufenterrasse eröffnet. Seit dem haben die Menschen Zugang zu ihrem Gewässer. Erwachsene kommen hierher und schauen den Enten zu. Kinder plantschen am Ufer. "Wir wollten den Fluss in den Lebensraum Stadt integrieren", sagt Müller. "Deshalb hat die Landestalsperrenverwaltung - nachdem Hochwasserschutzmauern für die Dürerschule gebaut waren - das ,Terrassenufer Muldengarten' gestaltet."

Wasser sucht die Menschen heim

Bislang haben die Auer ihre beiden Flüsse, die Mulde und das Schwarzwasser, hauptsächlich als Gefahr wahrgenommen. Immer dann nämlich, wenn diese bei einem Hochwasser ihr Bett verließen und in den Lebensraum des Menschen eindrangen. Die dichte Uferbebauung trennt sonst Bevölkerung und Gewässer. Doch allmählich ändert sich dies. Bis August 2009 wurde das Gebiet an der Hakenkrümme in ein Naherholungsgebiet umgewandelt - und damit gleichzeitig Überschwemmungsflächen für den Hochwasserschutz geschaffen. Dieses Projekt wurde am Dienstag sogar mit dem sächsischen Staatspreis für Baukultur ausgezeichnet. Nun gibt es das Terrassenufer. Weitere Zugänge sollen folgen.

Terrasse Über die neuen Terrassen am Muldeufer haben die Auer seit kurzem einen direkten Zugang zum Wasser.

Foto: Publicpix

"Am Zusammenfluss von Mulde und Schwarzwasser wollen wir ab 2013 im Zusammenhang mit Hochwasserschutzmaßnahmen einen Uferweg bis zum Hotel ,Blauer Engel' bauen", kündigt Thomas Müller an. Er soll auf einem Regenüberlaufkanal direkt neben der Mulde verlaufen. Beginn wäre der Parkplatz der Firma Weichhold. In Sack und Tüten ist das Projekt noch nicht. "Da der Weg teilweise über Privatgelände führt, müssen wir mit den Grundstückseigentümern natürlich noch Gespräche führen."

In der Nähe des Weichhold-Parkplatzes möchte die Landestalsperrenverwaltung außerdem einen direkten Zugang in den Fluss schaffen. "Das ist auch für Feuerwehr oder Stadtverwaltung nötig, falls Boote oder Maschinen zu Wasser gelassen werden müssen", so Müller. Etwas ähnliches existiert bereits südlich des Simmelparkplatzes auf dem Gelände der ehemaligen Gießerei. Von diesem renaturierten Gelände können die Auer ebenfalls bis an die Mulde gelangen. Oder gar in die Mulde hinein. "Ob jemand barfuß oder in Gummistiefeln im Fluss herumläuft, ist schließlich Privatsache", so der Mitarbeiter der Landestalsperrenverwaltung.

"Unser Ziel ist es ebenfalls, Mulde und Schwarzwasser erlebbar zu machen", ergänzt Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU). "Das steht sogar als Leitziel in unserem Stadtentwicklungskonzept." Doch Papier ist bekanntlich geduldig. Das Problem: Die Grundstücke an Ufernähe sind meist in Privatbesitz. "Deshalb ist es wahrscheinlich kaum möglich, im Stadtgebiet größere Abschnitte am Gewässerrand für die Öffentlichkeit frei zu geben", so der Rathaus-Chef.

Das Ziel: Landesgartenschau

Womöglich kommt Aue - bezeichnenderweise als Stadt der Brücken bekannt - mit seinen Flüssen aber nochmal groß raus. Immerhin erwägt die Kommune eine Bewerbung für die Landesgartenschau 2018. Stadtrat Ulf Breitfeld (CDU/FDP) hat auch schon das passende Motto für das Bewerbungskonzept bereit: "Stadt - Brücken - Fluss."

 
erschienen am 13.10.2011 ( Von Gunter Niehus )
 
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