Lokführer Uwe Arnold, Lehr-Lokführer bei der Erzgebirgsbahn, musste Däumchen drehen. Das kam nicht von ungefähr: Laut Drehbuch war die Tür seines Führerstandes verklemmt. Er musste warten, bis er befreit wurde.

Foto: Lars Rosenkranz

Einsatzkräfte simulieren Zugunglück

Alter Güterbahnhof in Aue wurde zum Trainingsplatz für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst

Aue. Aue. Detlef Pietracz hatte etwas krachen gehört. Irgendwo da drüben auf den Abstellgleisen. "Ich gehe also gucken, und da liegt dieses Auto quer vor der Lok", berichtete er später der Polizei. So, wie es seine Rolle von ihm verlangte. Eigentlich ist Pietracz Beamter der Bundespolizeiinspektion Klingenthal, am Mittwoch aber spielte er den Zeugen, der einen Unfall als erster entdeckt. Eine Gruppe Halbstarker lieferte sich ein Wettrennen am Bahnhof. Ein Fahrer verlor die Kontrolle, geriet mit seinem Auto auf die Gleise. Ein Zug der Erzgebirgsbahn knallte trotz Vollbremsung in den Wagen. Resultat: Drei Schwerverletzte, ein Zugführer unter Schock und zwei junge Leute auf der Flucht in einem schwarzem Golf ...

Kein unrealistisches Szenario, wie Matthias Heinz, der Leiter der Bundespolizeiinspektion, findet. "Bundesweit erleben wir eine Häufung von Bahnbetriebsunfällen. Dieses Training soll uns helfen, vorbereitet zu sein." Eine ähnliche Übung vor zirka einem Jahr im Vogtland verlief seinen Worten nach zufrieden stellend, aber keineswegs optimal. Das Ganze also nochmal von vorn.

Das Problem der Einsatzkräfte besteht vor allem in ihrer Masse. Nach einem Unglück erscheinen in rascher Folge Feuerwehr, Rettungsdienst, Landespolizei und Bundespolizei an der Unfallstelle - jeweils mit mehreren Fahrzeugen. Alles wuselt durcheinander. Aber wer sorgt in dieser so genannten Chaosphase für Ordnung? "Da es sich um eine Bahnanlage handelt, sind wir zuständig", erklärt Angela Bräutigam, Präventionsbeauftragte der Bundespolizeiinspektion Klingenthal. "Normalerweise treffen aber die Kollegen von der Landespolizei als erste ein. Sie dürfen nicht sagen, das geht uns nichts an, sondern müssen handeln. Wer zuerst da ist, übernimmt die Leitung." Für Feuerwehr und Rettungsdienst gilt freilich etwas anderes: An erster Stelle steht die Rettung von Leben. Egal, ob es schon einen Leiter gibt.

Unterstützt wurde die Übung vom Ortsverband des Technischen Hilfswerks, der die Unfallstelle präparierte. Mitarbeiter des DRK-Kreisverbandes sorgten dafür, dass die Opfer echt aussahen, denn die eintreffenden Sanitäter sollten selbstständig Diagnosen stellen. Wunden aus Plastik, Schminke, Theaterblut und Hautglanzgelee anstelle von kaltem Schweiß - es ging fast wie beim Film zu. Außerdem erklärten die DRK-Mitarbeiter den Opfer-Darstellern, wie sie ihre Verletzungen korrekt simulieren müssen.

Die beiden Jungs, die im Golf von der Unfallstelle geflohen waren, wurden von einer Streife des Reviers Aue gestellt. Sie hatten sich in Nähe des Bahnhofs versteckt - raffiniert, aber nicht raffiniert genug.

 
erschienen am 15.09.2010 ( Von Mario Ulbrich )
 
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