Eibenstocks Museumsleiter Matthias Schürer, Karin Vulturius und Ralf Otto (von links) bauen derzeit die Trumpold'sche Sammlung "Buntes Holz" auf. Dazu gehören rund 15.000 Exponate. Das Einräumen kostet Zeit und Mühe - und verlangt vor allem bei den kleinen Figuren viel Fingerspitzengefühl.  
Eibenstocks Museumsleiter Matthias Schürer, Karin Vulturius und Ralf Otto (von links) bauen derzeit die Trumpold'sche Sammlung "Buntes Holz" auf. Dazu gehören rund 15.000 Exponate. Das Einräumen kostet Zeit und Mühe - und verlangt vor allem bei den kleinen Figuren viel Fingerspitzengefühl.

Foto: Publicpix

Erzgebirge bekommt Ost-Pakete zurück

15.000 Exponate ziehen jetzt in das Stickereimuseum in Eibenstock ein

Eibenstock. Über den materiellen Wert seiner Sammlung verliert Karl Trumpold kein Wort. "Es gibt Dinge, über die redet man nicht", sagt der 81-Jährige und lächelt. Es wäre wohl auch schwer zu schätzen. Denn hinter dem simplen Titel "Buntes Holz" steckt ein beeindruckender Fundus von etwa 15.000 Exponaten erzgebirgischer Volkskunst, die derzeit in das Eibenstocker Stickereimuseum einziehen. Eine große Herausforderung. "Aber wir bekommen das hin."

Für die Unterbringung des Trumpold'schen Lebenswerks investierte die Stadt rund 50.000 Euro: Im Museum entstanden neue Räume, in denen die Kostbarkeiten künftig die Blicke auf sich ziehen. "Ich habe ein gutes Gefühl mit Eibenstock. Alle stehen hinter der Sammlung. Das beflügelt mich", sagt Trumpold. Er stützt sich auf einen Stock und trägt meist Sonnenbrille - die Augen haben arg nachgelassen. "Manches erkenne ich kaum noch. Das ist aber nicht schlimm. In meiner Erinnerung weiß ich genau, wie jede einzelne Figur aussieht." Eibenstock erhielt den Zuschlag für seine Sammlung auf den letzten Drücker. Seit 1994 stand das "Bunte Holz" im Postgut in Hohenstein-Ernstthal. Nach dem Verkauf des Gebäudes begann die Suche nach einem neuen Standort. Heiß gehandelter Anwärter war das Daetz-Centrum in Lichtenstein.

Trumpold entschied sich anders. "Ich habe meinem Instinkt vertraut. Anders kann ich es nicht beschreiben", so der 81-Jährige, der sich als Zwickauer Urgestein bezeichnet. "Ich wuchs dort auf." 1953 ging er in den Westen. In seiner Wahl-Heimat Göppingen erreichten ihn und seine Frau bald erste Ost-Päckchen von Verwandten aus der DDR. "Mit Räuchermännern und Engelfiguren. Ich blieb dem Erzgebirge im Herzen immer verbunden." Das löste eine Leidenschaft aus, die sich heute in 15.000 Exponaten teils sehr seltener Volkskunst widerspiegelt. "Als ich die DDR einige Jahre später besuchen konnte, stellte ich fest, dass es sich bei den Figuren um Bückware handelt, an die schwer ranzukommen war. Zumindest in der DDR." Doch es sei viel exportiert worden. "Ich knüpfte Kontakte zu westdeutschen Großhändlern."

Und er scheute kein Risiko. "Eine Bergparade, die auf der Leipziger Messe ausgestellt war, kaufte ich unbesehen - dafür nahm ich sogar einen Kredit auf." Zu den Raritäten gehört eine Schneeberger Bergparade, die nur viermal existiert. 69 Teile hat sie. "Ich habe sie auf 84 Figuren aufgestockt, kaufte zum Beispiel Musiker und Schmied dazu", sagt Trumpold und gesteht schmunzelnd: "Ich habe so manchen Leuten etwas aus dem Kreuz geleiert."

In der Wohnung stand bald jeder Quadratzentimeter mit Figuren, Kisten und Kartons voll. Nach der Wende wurde das Sammeln gar grenzenlos. "Da ging mir das Herz auf." Auf Karteikarten hat er akribisch vermerkt, von wem, wann und für wie viel Geld er welches Stück erwarb. Die Bandbreite reicht von Paraden über Engel von Wendt & Kühn aus Grünhainichen bis zu eigentümlichen Nussknackern. "Das ist das Besondere: Ich beschränkte mich nie auf eine einzige Erzgebirgsregion, sondern sammelte einfach alles."

Das Bergbauliche mag er besonders. Doch ein Lieblingsstück hat er nicht. "Es sind sogar Figuren dabei, die mir nicht gefallen." Wohl aber hegt der gelernte Werkzeugmacher, der als Kaufmann und im Außendienst arbeitete, noch einen großen Wunsch: "Es gibt ein Muster von der Kutsche August des Starken mit Gräfin Cosel darin und prächtigen Pferden davor. Das müsste aber noch gefertigt werden", so Trumpold, der seit 1998 wieder in Zwickau lebt.

Museumsleiter Matthias Schürer, Karin Vulturius und Ralf Otto geben sich für den Aufbau der Figuren bis 1. Advent Zeit. "Ihnen vertraue ich voll", sagt Trumpold. Es könnten sogar noch neue Exponate hinzukommen. Denn der 81-Jährige kauft nach wie vor. "Einmal Sammler, immer Sammler: Schönen Dingen kann ich nicht widerstehen."

 
erschienen am 15.07.2012 ( Von Anna Neef )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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