Günter Domas vertraute 2010 in BadSchlema auf die lindernde Wirkung des Radonbads, das ihm Mitarbeiterin Martina Weiß einlässt. Günter Domas vertraute 2010 in BadSchlema auf die lindernde Wirkung des Radonbads, das ihm Mitarbeiterin Martina Weiß einlässt.

Foto: Publicpix (Archiv)

Erzgebirge und Vogtland streiten um Radon-Kompetenzzentrum

Sächsische Staatsbäder GmbH will Sachverstand für das radioaktive Edelgas in Bad Schlema bündeln

Bad Schlema. Konrad Barth, ehemaliger Bürgermeister von Bad Schlema, ist mächtig zornig. "Das ist eine große Sauerei", sagte er am Dienstag zu den Plänen, im vogtländischen Kurort Bad Brambach ein Kompetenzzentrum für Radon-Therapien einzurichten. Staatsbäder-Geschäftsführer Gernot Ressler hatte dies am Wochenende beim Festakt zu 100 Jahre Gesundheitsbetrieb in Bad Brambach mitgeteilt. Hansjörg König (CDU), Staatssekretär im sächsischen Finanzministerium, kündigte außerdem weitere Investitionen in den Standort an.

Konrad Barth hatte als Bürgermeister nach der Wende den Umbau des durch den Wismut-Uranbergbau schwer geschädigten Orts zu einem Heilbad in die Wege geleitet. Er und seine Mitstreiter setzten damals auf Radon als besonderes Herausstellungsmerkmal. Mittlerweile gilt der erzgebirgische Kurort als eine der ersten Adressen in Europa für Kuren mit dem radioaktiven Edelgas. Deshalb, so seine Schlussfolgerung, müsse Bad Schlema in jedem Fall die erste Wahl für das Kompetenzzentrum sein. "Dazu kommt, dass wir uns jeden Euro selbst verdienen mussten", so Barth." Bad Brambach wurde dagegen als Staatsbad vom Freistaat gefördert. Das hat nichts mit fairem Wettbewerb zu tun."

In dieselbe Kerbe haut Steffen Matthias, Geschäftsführer der Kurgesellschaft Schlema mbH. "Seit der Wende haben Bad Elster und Bad Brambach rund 150Millionen Euro vom Freistaat erhalten", sagt Matthias. "Wir mussten unsere Kompetenz ohne öffentliche Gelder entwickeln." Beim Sachverstand sieht er Bad Schlema dennoch vor BadBrambach. Aus diesem Grund sei der erzgebirgische Kurort als Sitz eines Kompetenzzentrums vorzuziehen. "Allerdings gäbe es da weitere gute Kandidaten wie Bad Gastein oder andere", schränkt er ein. Den Anspruch der Staatsbäder auf das Kompetenzentrum hält er dagegen für "überheblich".

Auch Bürgermeister Jens Müller (Freie Wähler) ist über den vogtländischen Vorstoß wenig erfreut. "Klar wäre Bad Brambach als Staatsbad geeignet", gesteht er ein. Und schiebt gleich nach: "Bad Schlema ist dafür aber ebenfalls gut positioniert. Aber was ist eigentlich genau mit Kompetenzzentrum gemeint?"

Auf diese Frage hat selbst Staatsbäder-Geschäftsführer Gernot Ressler keine rechte Antwort. "Der Begriff ist schwer festzumachen", räumt er ein. "Wir wollen aber in jedem Fall wissenschaftliche Impulse setzen und zu einem der Top-Standorte in Deutschland werden." Den Vorwurf, BadBrambach sei als Staatsbad finanziell gegenüber Bad Schlema privilegiert, weist er zurück. "Wir müssen uns wirtschaftlich selber tragen. Es gibt keine Quersubventionierung." Der Geschäftsführer hofft, dass sich durch das Projekt "Kompetenzzentrum" das Klima zwischen beiden Kurorten nicht verschlechtert. "Wir sollten nicht versuchen, uns gegenseitig die Butter vom Brot zu nehmen", so Ressler. "Der Kuchen ist groß genug für beide."

 
erschienen am 31.07.2012 ( Von Gunter Niehus )
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