Volker Beckmeier sammelt alles, was mit Bernsbach und Lauter in Zusammenhang steht. Einen Teil aus seinem großen Schatz, der längst weit mehr als 20.000 Einzelteile zählt, präsentierte er jetzt öffentlich.
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Erzgebirger bewahrt Ortsgeschichte(n)
Volker Beckmeier hält das Geschehen in Bernsbach und Lauter für die Nachwelt fest - Fundus hat er öffentlich vorgestellt
Bernsbach. Das Hier und Jetzt für nachfolgende Generationen festhalten: Für Volker Beckmeier ist das eine Art Passion. Der 54-Jährige, der in Lauter geboren wurde und später in Bernsbach eingeheiratet hat, besitzt weit mehr als 20.000 Einzelbelege aus dem alltäglichen Geschehen der beiden Nachbarorte, die per Fusion bald zu einer Stadt werden sollen. Einen kleinen Teil seiner beachtlichen Sammlung stellte er am Samstag im Gesellschaftsraum des Bernsbacher Erzgebirgszweigvereins zur Schau.
Der Museumsnachmittag geriet zum vollen Erfolg. Immer wieder stöberten die Gäste auf den vollen Tischen, die gänzlich bedeckt waren mit Sachzeugen. Darunter etliche Fotos, Hefter mit Zeitungsausschnitten, Bücher und Schmuckteller.
Sogar ein Wäschefach ist belegt
"Gesammelt habe ich immer gern", so Beckmeier. Extrem wurde es nach der Wende. "Da bekam es System", sagt der Mann, der auf dem Bau arbeitet. Seine Freizeit widmet er der Geschichte, geht akribisch wie ein Chronist vor. Sein Augenmerk legt er aufs Erzgebirge und insbesondere auf das tägliche Geschehen in Bernsbach und Lauter. "Vom Schneeberger Heimatfreund Werner Unger habe ich die Motivation. Er erklärte mir, worauf es beim Sammeln ankommt und wie man alles ordnet", sagt Beckmeier. Der Vater zweier erwachsener Kinder benötigte 14 Tage, um das Material für den Museumsnachmittag zusammenzustellen. "Genauso lange dauert es auch, alles wieder einzuordnen."
Auf dem Dachboden, im Keller, in der Wohnstube, im Arbeitszimmer: Überall verstaut er Teile seiner Sammlung. "Sogar ein Wäschefach in der Schlafkammer ist belegt", sagt der 54-Jährige und schmunzelt. Das Thema Ortsgeschichte gliedert er nach Gebieten wie Schule, Wahlen, Kirche, Vereinsleben, Industrie und Handwerk sowie Kommunalpolitik. "Ich trage jeden Zeitungsschnipsel über Bernsbach und Lauter zusammen. Das macht einen Großteil der Sammlung aus." Keine noch so kleine Unfallmeldung entgeht ihm.
"Der Rest sind alte Bücher und Dokumente sowie Fotos von der Landschaft, für die ich teils vor den Hühnern aufstehe." Hinzu kommen etliche Meter Film, die Beckmeier zu verschiedenen Anlässen selbst gedreht hat. "Ich habe das Zählen bei 10.000 Einzelteilen eingestellt. Das ist nicht einmal die Hälfte." Fast jede freie Minute investiert der Bernsbacher in sein Hobby. Woher die Liebe zur Heimat kommt? "Ich weiß es nicht, vielleicht von meinen Eltern. Ich finde es wichtig, Zeitgeschehen für die Nachwelt festzuhalten."
Alltagsgeschehen und Raritäten
Ausrufe des Erstaunens gab es am Samstag im Gesellschaftsraum des EZV oft. "Die Leute erkennen sich oder andere wieder, erinnern sich an Begebenheiten, die in Vergessenheit geraten oder lange her sind." Wie die Dorfplatz- und Kirchglockenweihe oder der Neubau des König-Albert-Turms. Bei Letzterem war Volker Beckmeier täglich zugegen, hat den Werdegang detailliert mit der Kamera dokumentiert. Die Fotos und Beiträge füllen einen ganzen Hefter.
Zu jedem Stück kann der Erzgebirger etwas erzählen, kennt sich auf vielen Gebieten gut aus. Zum Beispiel in der Wappenkunde. Der 54-Jährige nennt auch Raritäten sein eigen. Dazu gehören ein Foto, das die Bernsbacher Kirchenuhr ohne Zeiger zeigt, ein handgefertigtes Liederbuch von Edwin Bauersachs, Fotos von Anton Günther mit Familie sowie die Festschrift zur 400-Jahr-Feier in Annaberg, die nur in kleiner Auflage erschien. Zu den Fleißarbeiten zählt eine ausführliche Chronik über die bisher 16 Vogelbeerfeste in Lauter. "Ich glaube, es gibt nichts, was ich nicht habe", sagt Beckmeier und lacht. Lange Sammelpausen vermeidet er. "Ich lasse das nicht schleifen. Sonst komme ich irgendwann nicht mehr hinterher."


