Die 6000 Quadratmeter große Felswand an der Brethausstraße in Lauter. Rechts rauscht die Erzgebirgsbahn vorbei.
Foto: Katja Lippmann-Wagner
Felsen wird zeitiger als geplant gesichert
Bröckelnde Felsböschung am Ortsrand stellt große Gefahr dar
Lauter. Es rauscht gerade eine Bahn vorbei. Ein beeindruckendes Panorama: Der Abstand vom Gleis zur hochaufschießenden, imposanten Felswand beträgt nur ein paar Meter. Doch hier lauert auch die Gefahr. Denn Berechnungen haben ergeben, dass Steine, die von der oberen Hälfte des Felsens herunterpurzeln, genau auf den Schienen landen. Oder auf der Bahn, die gerade vorbeirauscht. Wir befinden uns am Stadtrand von Lauter, an einer 6000 Quadratmeter großen, mit Büschen, Sträuchern und Bäumen bewachsenen Felsböschung. Der Zug, der diese Stelle passiert, ist die Erzgebirgsbahn, die tagtäglich Hunderte von Personen von Zwickau nach Johanngeorgenstadt transportiert.
In den vergangenen Jahren ereigneten sich hier immer wieder Felsabbrüche, zuletzt vermehrt im zurückliegenden Winter. Zum Glück gab es keine Verletzten oder Sachbeschädigungen. Jetzt war die gefährliche Situation auch Thema im Lauterer Stadtrat. "Wir als Kommune sind für die Sicherheit an dieser Stelle verantwortlich - und müssen so schnell wie möglich etwas tun. Ich möchte mir später einmal keine Vorwürfe machen", erläuterte Bürgermeister Thomas Kunzmann (Freie Wähler).
Auch Autos, Fahrradfahrer oder Fußgänger könnten von Steinen, die aus dem unteren Teil des Felsens herausbrechen, getroffen werden. Unzählige helle Stellen markieren inzwischen die Felswand: von ihnen sind bereits Gesteinsbrocken unterschiedlichster Größen abgebrochen. Notdürftige Sicherungsmaßnahmen fanden bereits statt, für nächstes Jahr ist eine große geplant, die ein aufgespanntes Stahlnetz über der Straße vorsieht. Doch das ist dem Bürgermeister zu spät. Denn ein Gutachten sagt aus, dass mit zunehmender Zeit das Risiko immer größer wird. Deshalb legte er seinen Stadträten auf der jüngsten Sitzung einen Beschluss zur Abstimmung auf den Tisch, der zum Inhalt hatte, für eine weitere Maßnahme noch in diesem Sommer zusätzliches Geld locker zu machen, ungefähr 20.000 Euro. Mit dem Geld sollen alpine Kletterer bezahlt werden, die lose Steine aus dem Felsen entfernen würden.
Einige Stadträte verzogen das Gesicht, als sie von der außerplanmäßigen Ausgabe hörten, über die sie abstimmen sollten. Doch Bürgermeister Kunzmann blieb hartnäckig: "Was ist uns wichtiger: ein bedingungsloser Sparkurs oder ein Menschenleben?" Er ließ diesmal jeden Stadtrat einzeln abstimmen. Am Ende waren alle für den Beschlussvorschlag des Bürgermeisters.

