Von Kennern geschätzt: der besondere Klang der 23 Glocken von St. Johannis.Foto: Marcel Weidlich
Glockenspieler "sitzt" mit im Kirchenraum
Beim Konzert zum 70. Geburtstag des Lößnitzer Bronzespiels wird Geschehen im Turm auf Videowand gezeigt
Lößnitz. Der Verein Lößnitzer Bronze-Glockenspiel und die Kirchgemeinde fiebern dem Wochenende entgegen. Dann nämlich kommt es in der Stadt zu einer Uraufführung.
Alles dreht sich um den 70. Geburtstag des Bronze-Glockenspiels in der Turmlaterne der St. Johanniskirche. 70 Jahre - ein stattliches Alter. Aber dem Spiel da oben in rund 50 Metern Höhe ist dies kaum anzusehen. Da es von den Mitgliedern des Vereins gehegt und gepflegt wird, und die Stadt für das bronzene Wunder auch in die Kasse greift, ist es in den Jahren immer jünger, moderner geworden. Doch das Moderne hat das Alte nicht abgelöst. Beides existiert nebeneinander. "Und gerade das macht die Einmaligkeit aus", sagt Günter Schwarze von der Dresdener Musikhochschule "Carl Maria von Weber". Und fügt hinzu: "Das dürfte einmalig auf der Welt sein."
Günter Schwarze ist schon seit Jahren eng mit den Lößnitzern verbunden. Er hat für das Glockenspiel verschiedene Musikstücke bearbeitet. Und so wundert es kaum, dass er am Wochenende das große Festkonzert in der Kirche mit gestaltet. Er sorgt dabei für eine Uraufführung. Die Choralfantasie "Nun danket alle Gott" für Glockenspiel, Orgel und Bläser, stammt von ihm. Das Besondere bei der Aufführung: Das Glockenspiel wird vom Turm auf eine Videowand in den Kirchenraum übertragen. So ist der Glockenspieler direkt in die Vorführungen in der Kirche eingebunden.
Die musikalischen Organisations-Fäden laufen bei Kantor Jens Staude zusammen. Aber nicht nur das. Auch er wird zwei Stücke zu Gehör bringen: ein eigenes und eines von Frau Christina. Weiteres Novum: Im Kirchenraum ertönt ein kleines Glockenspiel. Das wird von Christina Staude zum Klingen gebracht. "Wir haben jetzt jeden Tag fleißig geübt", betont Staude. Allerdings, die Sache mit der Videowand, die ist nicht zu üben. Für sie schlägt die Stunde der Wahrheit erst am Tag des Konzertes. "Aber ich bin zuversichtlich, dass alles gut geht", sagt Kantor Staude. Wohlwissend, dass er sich auf alle Mitwirkenden verlassen kann.
Die Lößnitzer verbinden den 70.Geburtstag ihres Glockenspiels gleich mit dem Tag des offenen Denkmals. "Schon traditionell können Neugierige die Glocken ganz aus der Nähe betrachten", versichert Vereinsvorsitzender Peter Oesterreich. Eine gewisse Mühe braucht es dazu allerdings: 201 Stufen müssen überwunden werden. Oesterreich schmunzelt. Das muss ich jetzt nicht mehr, wenn ich das Geläut zum Klingen bringen will", meint der Mann etwas geheimnisvoll und zaubert ein kleines schwarzes Kästchen aus seiner Tasche hervor: eine Fernbedienung! "Ja, zumindest den computergesteuerten Teil kann ich damit in Gang setzen."Zum Festprogramm gehört auch eine Ausstellung unter anderem mit Zeichnungen und Gemälden, die das Glockenspiel im Allgemeinen zum Thema haben. "Und wir werden die neue Glockenspiel-CD vorstellen. Die ist dann auch käuflich zu erwerben", betont Vereinsvorsitzender Peter Oesterreich.
Programmausschnitte
Samstag: 10.30 Uhr Glockenspielkonzert (Marktplatz); 14.30 bis 16 Uhr Musikalischer Rundgang durch Lößnitz (Treff: Markt); 17 Uhr Festkonzert in der St. Johanniskirche mit Übertragung des Glockenspiels vom Turm auf eine Videowand. Sonntag: 10 Uhr Festgottesdienst (Videowand); 13 bis 18 Uhr Tag des offenen Denkmals. Für alle Veranstaltungen ist der Eintritt frei.


