Friedhelm Schelter, Jesko Lange, Robby Schubert, Tobias Michael und Paul Brockhage (von links) von der Künstlergruppe Exponart mit ihren Figuren für die Ortspyramide Lauter.
Foto: Katja Lippmann-Wagner
Hitzige Debatte um Pyramiden-Fußballer in Lauter
Ein geschnitzter Kicker auf einer Ortspyramide - Die Idee eines Lauterers sorgt in der Stadt für heftige Empörung
Lauter. Die Idee schlug ein wie ein Freistoß aus 30 Metern. Auf die Ortspyramide, für die gegenwärtig die ersten Figuren entstehen, gehöre auch ein geschnitzter Fußballer. So lautete jedenfalls der Vorschlag eines Lauterer Bürgers.
Lauter sei früher eine großartige Fußball-Stadt, die Zwangsdelegierung der einheimischen Oberliga-Mannschaft 1954 ein dramatischer Einschnitt in die Sport-Geschichte gewesen. Deshalb müsse dies auf der neuen Ortspyramide Berücksichtigung finden. Der Mann, der die Idee hatte, setzte sich mit Bürgermeister Thomas Kunzmann (Freie Wähler) in Verbindung. Schnell sprach sich der Vorschlag herum - und stürmische Proteste setzten ein.
Eine Grundsatzfrage
Im August 2011 war bei einem Großbrand die alte Orts-Pyramide in Schutt und Asche gelegt worden. Die Polizei geht von fahrlässiger Brandstiftung aus, hat noch keinen Täter. Seither tüfteln die Lauterer am Bau einer neuen Orts-Pyramide. Es gab sogar eine Bürgerbefragung, bei der sich die Einwohner unter vier Entwürfen entscheiden konnten. Knapp 20.000 Euro Spendengelder gingen bis jetzt ein. Mitglieder der Künstlergruppe Exponart übergaben am Mittwoch nach dem knapp einwöchigen Symposium auf dem Markt die ersten zehn, rund 80 Zentimeter großen Schnitzfiguren. Sie kommen auf den untersten Drehteller der Pyramide und erzählen die Weihnachtsgeschichte.
Inmitten dieser Arbeiten nun die Idee von dem Fußballer. Für viele ist das eine Grundsatzfrage: Darf auf eine erzgebirgische Weihnachtspyramide eine Fußballer-Figur? Der ehemalige Bürgermeister und heutige Stadtrat Karl-Heinz Richter (CDU) lehnt sie scharf ab. "Wie verträgt sich denn die Weihnachtsgeschichte mit einem Fußballer? Überhaupt nicht", sagt er. Sollte diese Idee noch einmal Thema im Stadtrat werden, würde sie bereits im Verwaltungsausschuss scheitern, prophezeit der frühere Stadtchef.
Idee findet auch Befürworter
Auch Bürgervertreter Herbert Kragl (Die Linke) und der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Lauterer Geschichte, Volker Zimmer, sind gegen den Fußballer. In einer eher traditionalistischen Region habe ein Kicker nichts auf einer Weihnachtspyramide zu suchen. Aber es gibt auch Stimmen, die der Idee offen gegenüberstehen. Dazu gehören ausgerechnet Personen, die nicht aus Lauter stammen. Aues Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU) sagt: "Sportler oder Sportarten, die eine Region verkörpern und typisch für sie sind - warum nicht?" Auch Landesbergmusikdirektor Jens Bret- schneider sieht das eher locker.


16:09 Uhr
finnas: Die Tradition, das ist die Pyramide mit der Weihnachtsgeschichte und die erzgebirgischen Figuren reihen sich ein in den Zug der heiligen 3 Könige zur Anbetung des neugeborenen Heilands.
Dann ließ man nach und nach die Krippe weg und es marschierten nur noch die Erzgebirgsfiguren auf. Schließlich standen LPG-Bauern, Wismutkumpel, Kosmonauten und Traktoren auf den Drehtellern. Nun soll es mal ein Fußballer sein. Ich hätte da für Lauter noch manche originelle Idee, wenn ich z.B. an die Spirituosentradition denke. Aber Spaß beiseite: Die Geschichte des Lauterer Fußballes sollte wirklich nicht der Vergessenheit anheim fallen. Vielleicht gibt es eine andere würdige Form der Erinnerung. Zerstört aber nicht die Tradition. Wo das hin führt, zeigt doch am besten der Schwippbogen. Den gibt es inzwischen schon mit Motiven von Hundeköpfen.
09:48 Uhr
fpOnlineLeser: Was hat eine Pyramide mit Weihnachten zu tun? In der Bibel finde ich jedenfalls nichts dazu. Warum also nicht mal ein Fußballer, wenn der die Region verkörpert.