Ein Stück Wald im Bockautal nach dem Holzeinschlag. Maschinen haben tiefe Rillen hinterlassen, Äste und Reisig liegen auf dem Weg. Für Spaziergänger eine Tortur, auch ästhetisch.
Foto: Lars Rosenkranz
Holzernte hinterlässt Wunden im Forst des Erzgebirges
Grüne Aktion Westerzgebirge will Holzeinschlag regulieren
Eibenstock. Tiefe Rillen wie von Panzerketten, zermahlener Boden und totes Reisig, das wie eine Barrikade wirkt: Sind Holzerntemaschinen mit einem Stück Wald fertig, haben Spaziergänger oft Grund zum Schimpfen. In letzter Zeit häufiger, findet Christoph Irmisch aus Eibenstock. "Es kommt uns so vor, als sei das Erzgebirge die Holzernteplantage des Freistaats Sachsen geworden."
Naturschützer: Boden schonen
Irmisch ist Mitglied der Grünen Aktion Westerzgebirge (GAW) mit Sitz in Eibenstock, einem lokalen Umweltverein unter dem Dach der Grünen Liga Sachsen. So sehr die GAW den Waldumbau unterstützt, so wenig kann sie sich mit den Wunden anfreunden, die bei der Holzernte geschlagen werden. Sie will erreichen, dass der Staatsbetrieb Sachsenforst als größter Waldbewirtschafter der Region verstärkt auf schonende Techniken setzt: Seilkräne, die Stämme aus dem Wald hieven, ohne dass der Boden von Kettenfahrzeugen zerfurcht wird und speziell ausgebildete Pferde. Diese schleifen die Stämme zwar, hinterlassen aber weniger tiefe Spuren als schwere Holzrückemaschinen.
Ein Vorschlag, für den sich Sachsenforst offen zeigt. Stephan Schusser, Leiter des Forstbezirks Eibenstock, verweist darauf, dass Pferde in jeder Ausschreibung gefordert würden: "Wer bei uns Holz rücken will, muss ein Pferd vorhalten." In der Praxis spielen die Vierbeiner aber eine untergeordnete Rolle. Die Arbeit ist schwer, das Verletzungsrisiko für Mann und Tier hoch. Immer weniger Unternehmer leisten sich ein ausgebildetes Pferd. Im Westerzgebirge gibt es sie noch in Rittersgrün, Eibenstock und Schneeberg.
Auch Seilkräne sind selten in Aktion. 130.000 Kubikmeter Holz wurden im Vorjahr im Forstbezirk geschlagen und nur 9000 Kubikmeter per Kran aus dem Wald geholt. Vornehmlich dort, wo ein Hang steil oder der Boden nass war. Weil der Einsatz eines Krans in der Regel teurer ist als eine Holzrückemaschine, soll er die Ausnahme bleiben.
Einem anderen Vorschlag der GAW hat Sachsenforst eine glatte Absage erteilt. GAW-Vorsitzender Jörg Richter: "Ein großes Problem ist der ganzjährige Holzeinschlag. Die Singvögel werden beim Brüten gestört - durch Kettensägen und Harvesterlärm." Seine Idee: Im Mai und Juni soll die Holzernte ruhen. Um die Industrie mit Nachschub zu versorgen, könne Sachsenforst in den Monaten davor mehr Bäume fällen, die Stämme lagern und bei Bedarf abtransportieren. "Nicht machbar", erklärte dazu ein Sprecher des Forstbetriebs. "Gerade im Frühjahr besteht die Wahrscheinlichkeit, dass das gelagerte Holz von Borkenkäfern befallen wird." Auch könne man die privaten Forstdienstleister nicht zwei Monate ohne Aufträge lassen. 70 Prozent der Holzernte bei Sachsenforst würden durch Private geleistet. Sie müssten ihre Kredite abzahlen und seien auf kontinuierliche Arbeit angewiesen.
Sachsenforst: Der Wald wächst
GAW-Chef Richter sieht Sachsenforst unter dem Druck, mit Holzverkäufen Geld in die Kassen des Freistaats schaufeln zu müssen. "Wir haben das Empfinden, dass noch nie so viel Holz geschlagen worden ist wie heutzutage", sagt er.
Die von Sachsenforst veröffentlichten Zahlen stützen diesen Anschein aber nur bedingt. Die Holzernte pendelt seit Jahren um eine Million Kubikmeter. "Dass wir die Wälder leerholzen ist eine gefühlte Realität", sagt Forstamtsleiter Schusser. "In unserem Revier haben wir pro Jahr und Hektar einen Holzzuwachs von 11,4 Kubikmetern. Wir entnehmen aber nur 6,3 Festmeter. Der Waldbestand wächst also."


