Bauzaun Gerd Kohlmüller, Direktor Invest bei der Blema Kircheis, zeigt den Tagebruch an der Schlemaer Straße in Aue. Gut möglich, dass bei steigenden Temperaturen das Loch noch etwas größer wird.

Foto: Publicpix

Im Auer Untergrund klafft ein acht Meter tiefer Schlund

Am einstigen Russenmagazin hat sich die Erde aufgetan

Aue. Aue. Es ist schon ein paar Tage her, dass sich am Auer Stadtrand die Erde auftat. Das Loch hat bemerkenswerte Ausmaße, auch für eine vom Bergbau geprägte Gegend. Dreieinhalb Meter misst es im Durchmesser. In die Tiefe geht es gleich acht Meter. Damit niemand hineinfällt, wurden Metallgitter um das Loch aufgestellt. Mehr ist vor Ort nicht passiert. Und das bleibt vorläufig auch so.

Dabei besteht Handlungsbedarf, sagt Martin Herrmann, für Altbergbau zuständiger Abteilungsleiter im Sächsischen Oberbergamt Freiberg. Anfang Januar war der Tagebruch aufgefallen. Der Ort: Ein Hang unterhalb der Schlemaer Straße. Unweit befand sich der im Volksmund als Russenmagazin bekannte Laden, der die Offiziere der Roten Armee sowie die sowjetischen Bergbauingenieure der Wismut und deren Familien versorgte. Das Gebäude wurde im Vorjahr abgerissen. Zunächst waren die Krisenmanager in der Stadtverwaltung davon ausgegangen, dass der nahe Hang heute der Stadt gehört. Dann stellte sich heraus, das die Gebrüder Leonhardt GmbH & Co. KG Blema Kircheis die Eigentümerin der fraglichen Stelle ist.

Einen "typischen Tagebruch" diagnostiziert Experte Herrmann. Die enorme Menge an Material, die so mir nichts dir nichts in die Tiefe verschwand, spricht für einen großen Hohlraum. Experte Herrmann hält es für möglich, dass dieser Hohlraum noch nicht verfüllt ist. Und ebenso gut könne noch Material hinterherrutschen, wenn der aufkeimende Frühling den Frost weiter aus dem Boden treibt. Über die Ursache kann der Fachmann bisher nur Vermutungen anstellen. Hinweise auf alte Luftschutzkeller hätten sich nicht bestätigt. Also käme Altbergbau infrage. Doch in den entsprechenden Archiven oder Karten fand sich kein Hinweis. "Es müsste also eine sehr alte Grube sein", schließt Herrmann daraus, "200 Jahre oder älter".

Das ist noch heute relevant, denn auch bei Bergschäden gilt zunächst das Verursacher-Prinzip: Wer die Schuld trägt, der zahlt. Bei Altbergbau lässt sich ein Verursacher freilich nicht mehr ermitteln. Also bleiben die Kosten beim Freistaat und dessen Oberbergamt hängen. Und diese Kosten sind immens.

Es gilt zunächst, in die Tiefe bis zu einem festen Horizont vorzudringen. Dort ist zu prüfen, ob nicht noch anderswo die Erde nachgeben und Gefahren heraufbeschwören kann. Lockere Gesteinsmassen müssen abgetragen, das Loch schließlich verplombt werden. Eine Aufgabe für Spezialisten, die gut und gern 300.000 Euro kostet, schätzt Herrmann. Seine Behörde kann diese Summe im Moment nicht lockermachen. Die 2011 für Bergschäden bereitstehenden Gelder sind längst verplant. "Wir haben für rund 20 zusätzlich aufgetretene Fälle extra Finanzbedarf angemeldet", sagt Herrmann. Doch angesichts des Sparkurses, auf dem der Freistaat unterwegs ist, wagt er keine Prognose, wann ein positiver Bescheid aus Dresden in Freiberg eintrudeln könnte.

 
erschienen am 04.03.2011 ( Von Frank Hommel )
 
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