Heinz Mehlhorn trainierte mit Rauschgift-Hund Jack am Donnerstag im Rathaus-Keller.
Foto: Katja-Lippmann-Wagner
Jack und Scooter trainieren im Auer Rathaus für den Ernstfall
Diensthundeführer nutzten die Stadtverwaltung als Übungsgelände
Aue. Ein Kilogramm Sprengstoff (TNT) sind im Erdgeschoss des Auer Rathauses versteckt. Damit kann man fast eine gesamte Etage in die Luft jagen. Im Keller des altehrwürdigen Gebäudes befinden sich ungefähr 100 Gramm Rauschgift - Haschisch, Kokain und Crystal. Scooter und Jack, die beiden Schäferhunde, haben Training ...
Am Donnerstagnachmittag nutzte die Polizeidirektion Südwestsachsen, in deren Zuständigkeit auch die Region Aue-Schwarzenberg gehört, das Auer Rathaus gewissermaßen als Übungsgelände. Scooter und Jack gehören zur Diensthundestaffel der Polizeidirektion. "In einer öffentlichen Einrichtung gehen die Menschen aus und ein. Hier gibt es unzählige Gerüche", erzählt Polizeiobermeister Uwe Puschmann, Scooters Hundeführer. Deshalb bietet sich das Rathaus als günstiger Trainingsplatz an. Der Besucherverkehr war durch die etwa zweistündige Übung nicht beeinträchtigt.
Aus den vielen Gerüchen in dem Gebäude, hervorgerufen durch Menschen und Materialien unterschiedlichster Art, müssen die Hunde den Sprengstoff und das Rauschgift herausfiltern. "Im Ernstfall wie zum Beispiel bei Bombendrohungen ist die Fähigkeit der Vierbeiner unter Umständen überlebensnotwendig", berichtet Polizeiobermeister Heinz Mehlhorn, der Hundeführer von Jack. Im Vergleich zum Menschen sind die Hunde klar im Vorteil: Ein Mensch hat ungefähr fünf Millionen Riechzellen, ein Schäferhund 225 Millionen. Dazu kann das Tier etwa 25.000 verschiedene Gerüche wahrnehmen, die dem Menschen verborgen bleiben. Es gibt auch kein technisches Hilfsmittel, dass die Diensthunde ersetzen kann. "Trotzdem müssen sie mindestens zweimal in der Woche trainieren", sagen die beiden Polizisten und fügen hinzu. "Im Grunde genommen wie ein Leistungssportler. Schafft er die Norm nicht mehr, muss er weiter trainieren und sich verbessern oder in den Ruhestand gehen."
In der Gäste-Information des Rathauses im Erdgeschoss war der Sprengstoff in einem Schrank versteckt. Es dauerte eine Weile, bis ihn Scooter entdeckte und sich als Zeichen dafür davor auf den Bauch legte. Uwe Puschmann war nicht zufrieden. "Das muss schneller gehen", sagte er. Im Keller trainierte Jack unterdessen mit dem Rauschgift. In seinem Fall ging es nicht darum, das Heroin oder Kokain zu finden. Er hat große Probleme, besonnen und ruhig zu reagieren, wenn er das Rauschgift gefunden hat. Heinz Mehlhorn: "Neulich hat er den Stoff, der in der Erde verbuddelt war, problemlos gefunden. Aber er hat wie wild den Boden aufgescharrt, statt den Fund nur anzuzeigen. Das darf er nicht." Deshalb muss Jack die Reaktion nach dem Fund üben.
Über 3000 Mal im Jahr sind die 15 Diensthunde der Polizeidirektion mit ihren Hunderführern im Einsatz. Über 50 Prozent der Fälle, an denen sie beteiligt sind, werden mit ihrer Hilfe aufgeklärt.

