Links: Antje Henkel-Ludwig: Ihr Puppenspieler-Bild war im Jahr 2005 Grundlage für ein Plakat. Rechts: Bärbel Bitterlich: Ihr Werk "Abendliches Puppenspiel" war bis Anfang der Woche Teil ihrer Sonderschau in Lauter.Foto: Publicpix
Kunst oder Kopie? Künstlerin aus Schwarzenberg soll Ideen geklaut haben
Sonderschau 2012 der Galerie in Lauter wurde vorzeitig abgebrochen
Lauter/Schwarzenberg. Inhaberin Jana Peschke ist aufgewühlt. Das gab es in der Lauterer Galerie an der Rathausstraße noch nie: Ausstellerin Bärbel Bitterlich aus Schwarzenberg nahm ihre Bilder vorzeitig von den Wänden der Kunstkneipe ab.
"Ihr Mann Jens holte die Werke ab, nachdem mir Bärbel Bitterlich ihren Entschluss am Montagabend in einer E-Mail mitgeteilt hat", sagt Jana Peschke. "Als Grund gab sie 'die aktuelle Situation' an", so die Galeristin. Damit bezog sich Bärbel Bitterlich wohl auf Diskussionen und Kritik, die teils schon vor und auch nach der Eröffnung ihrer Schau am 6. Januar öffentlich wie hinter den Kulissen rumorten. Tenor: Ihre Motive erinnern stark an Malereien von Antje Henkel-Ludwig.
Stilistisch ist das so, da Bitterlich - wie sie bestätigt - mehrere Kurse bei Henkel-Ludwig absolvierte. "Damit habe ich kein Problem. Es steht jedem frei, wie er malt", sagt Henkel-Ludwig. Aber die Wahl der Motive brachte die Freischaffende aus der Fassung, besonders mit Blick auf Bitterlichs "Abendliches Puppenspiel". Henkel-Ludwig: "Das sieht einem meiner Bilder, das ich 2005 gemalt habe, zum Verwechseln ähnlich: die Türme, der Torbogen, der Mond und der Puppenspielerwagen ..." Zudem habe sie Parallelen in anderen Arbeiten entdeckt. Der Schock darüber saß so tief, dass Henkel-Ludwig zu einem außergewöhnlichen Mittel griff: Die Frau aus Lauter legte in der Kunstkneipe Kärtchen mit der Aufschrift "Alles nur geklaut?!" aus.
Provokation? "Nein, es sollte ein kleiner Anstoß sein. Und nun stehe ich als die Böse da. Dabei bin ich selbst traurig darüber, welches Ausmaß die Diskussion angenommen hat. Ich wollte keine öffentliche Schlammschlacht oder Bärbel Bitterlich gar denunzieren", sagt Henkel-Ludwig. Sie habe nur darauf hinweisen wollen, dass ihr teils frappierende Ähnlichkeiten auffielen. "Es hätte mir gereicht, wenn Bärbel Bitterlich - etwa in ihrem Lebenslauf - unsere früheren Kontakte erwähnt hätte. Das tat sie leider nicht." Henkel-Ludwigs Markenzeichen sind seit 2003 Malereien in Holzkästen. "Sogar das macht Bärbel Bitterlich nach." Die Parallelen gingen so weit, dass Leute sie darauf ansprachen.
Eine Erfahrung, die auch Galeristin Jana Peschke gemacht hat. "Manche Leute verwechselten das auf den ersten Blick und dachten noch vor der Eröffnung, als die Bilder schon hingen, dass Antje Henkel-Ludwig bei mir ausstellt", sagt sie.


