Der Ersatzneubau des Behindertenwohnheims endete durch die Vorfälle als Investruine.
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Linke will Entschuldigung bei Erziehern
Landrat Frank Vogel soll offene Fragen beantworten
Johanngeorgenstadt. Mehr als zwei Jahre lang mussten die ehemaligen Erzieher des Behindertenwohnheimes Haus Silberbogen mit dem Makel leben, mutmaßliche Straftäter zu sein. Gegen 13 von ihnen hat die Staatsanwaltschaft Chemnitz wegen des Verdachts auf Körperverletzung, Misshandlung Schutzbefohlener und Freiheitsberaubung ermitteln lassen.
Am Ende ist von den strafrechtlichen Vorwürfen nichts übriggeblieben. Zwei Erzieherinnen erhielten am Amtsgericht Aue einen Freispruch erster Klasse, alle anderen Verfahren sind eingestellt worden. Der Schaden freilich war angerichtet: 16 Mitarbeiter verloren damals ihren Job, das Heim bekam einen neuen Träger und muss Ende 2012 geschlossen werden. Der geplante Ersatzneubau steht als Investruine in der Gegend herum.
Verdacht auf Überreaktion
Die Kreistagsfraktion der Linken will verhindern, dass der Fall in Vergessenheit gerät und hat Landrat Frank Vogel (CDU) sieben Fragen zur Beantwortung aufgegeben. Ein zentraler Punkt in dem Katalog: Wird es eine offizielle Entschuldigung durch politische Entscheidungsträger bei den Betroffenen geben? "Was damals geschehen ist, könnte man als Rufmord bezeichnen", sagt Fraktionsvorsitzender Frank Dahms. "Nach den Freisprüchen muss man den Erziehern nun helfen, ihre Würde wiederherzustellen. Eine Entschuldigung ist aus unserer Sicht das Mindeste."
Die Linke geht davon aus, dass die Behörden überreagiert haben und will wissen, wie groß der Anteil des Landratsamtes an der Fehleinschätzung war. Die Entscheidung, dem damaligen Träger, der Erzgebirgischen Krankenhaus- und Hospitalgesellschaft, die Betriebserlaubnis zu entziehen, war vom Landesjugendamt Chemnitz getroffen worden. Dort und im sächsischen Sozialministerium glaubt man auch heute an die Richtigkeit dieser Handlungsweise. Mildere und weniger einschneidende Maßnahmen seien nicht in Betracht gekommen, erklärte ein Sprecher des Ministeriums auf Anfrage der Freien Presse.
Anlass für die Sanktionen war ein sogenannter Auszeitraum im Haus Silberbogen gewesen, in dem verhaltensauffällige Heimbewohner vorübergehend untergebracht worden sind, wenn sie Tobsuchtsanfälle hatten. Die Tür hatte innen keine Klinke, sodass der Behinderte praktisch eingesperrt war, sobald er in dem Zimmer saß. Damit wurde gegen seine Rechte verstoßen.
Den Raum hatte es offenbar seit Jahrzehnten gegeben, aber erst bei einer Kontrolle durch das Landesjugendamt im September 2009 will er den Prüfern aufgefallen sein. Danach ließ die Behörde dem Heimbetreiber keine Chance, den Missstand zu ändern, sondern reagierte mit dem Entzug der Betriebserlaubnis. Die Mitarbeiter, die nur ihre Dienstanweisungen befolgt hatten, gerieten in den Strudel der Ereignisse.
Mitarbeiter haben wieder Jobs
Stephan Pöhler, der Behindertenbeauftragte des Freistaats Sachsen, hat die Reaktion des Landesjugendamtes inzwischen gutgeheißen. Er erwarte auch in Zukunft, dass die Behörden kompromisslos einschreiten, wenn die Rechte von Behinderten beeinträchtigt werden, erklärte er. Linke-Fraktionschef Dahms findet es hingegen seltsam, dass das Jugendamt ein mögliches Vergehen erst jahrelang übersehen und dann derart drastisch reagiert hat. Bezogen auf die Erzieher habe man mit Kanonen auf Spatzen geschossen.
Die Linksfraktion wollte anregen, dass der Landkreis die früheren Silberbogen-Mitarbeiter bei der Rückkehr ins Arbeitsleben unterstützt. Das ist aber nicht mehr nötig. Mittlerweile haben alle neue Arbeit gefunden. Einige werden von ihrem alten Arbeitgeber an anderer Stelle weiterbeschäftigt, andere kamen in den Kliniken Erlabrunn unter, einige wechselten in die Altenpflege, einer macht eine Umschulung.


