Die Schneeberger Mode mutet fast schwerelos an. Inspiration für die Design-Studenten war das Meer. Foto: Jens Gyarmaty
Mode und Meer: Modestudenten aus Schneeberg zeigen Kreationen bei der Fashion Week
Fazit: Die Jeans ist tot - es lebe die Jeans
Berlin/Schneeberg . Die Modewelt hat ihre eigenen Regeln. Eine davon: Es zählt nicht nur, was du auf dem Leib trägst, sondern vor allem das Drumherum. Dass "cool" auch von Kulisse kommt, ist ein offenes Geheimnis.
Im Lichthof des Museums für Kommunikation muss man sich um die Kulisse keine Sorgen machen. In altehrwürdigem Ambiente läuft die Generalprobe für eine Modenschau der besonderen Art. Unter dem Motto "7 Farben Blau: Das Denim-Experiment" zeigen Hochschulen aus Deutschland und der Schweiz, wie sie sich die Zukunft der Jeans vorstellen. Asymmetrische Schnitte und Stoffe, die nur entfernt an die Mutter aller Beinkleider erinnern, wird es an diesem Abend zu sehen geben. Dazu endlose Beine und viel nackte Haut. 110 Models sind im Einsatz, doch diesmal ist mehr gefragt als schnödes Auf- und Ablaufen - einen klassischen Catwalk gibt es nicht, stattdessen müssen die Modelle mal tanzen, mal sekundenlang in schweißtreibenden Positionen verharren. Jede Hochschule soll mit Musik und Bewegung die Outfits und die Idee dahinter ins richtige Licht rücken. Noch klappt nicht alles reibungslos. Zwei junge Frauen posen jenseits des Scheinwerferlichtes, drei junge Männer laufen nicht im Gleichschritt. Heiser bellt die Choreografin Anweisungen ins Mikrofon. Noch eine halbe Stunde bis zu Beginn der Show.
Dorette Bárdos hat sich in eine Ecke des Museumscafés zurückgezogen. Die zierliche Frau mit einer Vorliebe für Schwarz bestellt eine Cola, um die Müdigkeit zu vertreiben. Bárdos ist Professorin an der Fakultät für Angewandte Kunst in Schneeberg und Leiterin der Studienrichtung Modedesign. Mit elf Studentinnen ist sie aus dem Erzgebirge ins Herz der Hauptstadt gereist, um Stücke zu präsentieren, die im Sommersemester entstanden sind. Auch die Schneeberger haben sich dabei ganz auf Jeans konzentriert. Obwohl Bárdos Wolle lieber mag. "Ich liebe es, wenn ein Kleidungsstück mit der Zeit wellig wird, sich hier und da abnutzt, sodass man sieht, dass damit gelebt wurde", sagt sie.
Das Thema Denim geht auf eine Idee von Bitten Stetter zurück, Professorin an der Zürcher Hochschule der Künste. Sie regte an, dass mehrere Hochschulen an einem gemeinsamen Projekt arbeiten und die Ergebnisse zur Fashion Week präsentieren könnten. "Sie hat auch uns angeschrieben", sagt Dorette Bárdos. "Und wir sind dankbar, dass wir vor internationalem Publikum zeigen können, was wir können."
Nur dürfte eine knapp einstündige Performance dafür kaum ausreichend sein. Im Freistaat ist die Außenstelle der Westsächsischen Hochschule Zwickau längst bekannt für ausgefallene Designs, Textildrucke und Funktionskleidung, die auch optisch überzeugen kann. Nur zehn U-Bahn-Minuten vom Fashion-Week-Zirkus entfernt zieren einige Schneeberger Modelle das Schaufenster des Bekleidungsgeschäfts "Cumulus": Die Stadionjacke für den leicht fröstelnden Rock'n Roller zum Beispiel - eine wasserabweisende Jeansjacke mit integrierten Gitarrensaiten. Oder der Schneeanzug, der sich mit Skistöcken zu einem Unterstand umbauen lässt.


