Rückt Nahversorgung bald in die Ferne?
Freie Wähler in Aue wollen Lebensqualität auf dem Eichert verbessern
Aue. An dem Vorschlag, für einen Teil des Eicherts ein Entwicklungskonzept aus der Taufe zu heben, hatten die Stadträte nichts zu kritteln. Schließlich weiß man seit langem um die Probleme in dem Auer Stadtteil, in dem nicht nur die Zahl der Einwohner vergleichsweise rapide abnimmt, sondern die Bewohner auch durchschnittlich am ältesten sind. Abriss von Wohnungen und Neugestaltung frei werdender Flächen sind einige der Ziele, von denen sich die Auer eine Anpassung des Umfeldes vor allem an die Bedürfnisse der Älteren versprechen.
Doch damit allein ist es nach Auffassung der Fraktion der Freien Wähler nicht getan, um die Lebens- und Wohnqualität auf dem Eichert auf Dauer hochzuhalten. Deshalb drängte man mit Erfolg darauf, in dem künftigen Städtebau-Konzept für diesen Ortsteil auch eine Versorgungsfunktion zu verankern. Fraktionsmitglied André Harzer sieht bereits die Gefahr, dass das Wohngebiet in absehbarer Zeit neben Alberoda, Auerhammer und Neudörfel zu jenen Stadtteilen gehört, in denen es an einer vernünftigen Nahversorgung mit Waren des täglichen Bedarfs mangelt. Freilich sei klar, dass dieses Problem nicht schnell zu lösen ist. "Aber wir müssen dranbleiben." Auf dem Zeller Berg habe es dafür auch Stehvermögen gebraucht, spielt Harzer auf den "Discounter-Tausch" Lidl gegen Penny an der Lößnitzer Straße an.
Möglichkeiten ausloten
Ganz so optimistisch blicken Harzers Stadtrats-Kollegen offensichtlich nicht in die Eichert-Zukunft. Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU) etwa reagiert pragmatisch. "Wenn sich niemand mit einem vernünftigen Nahversorgungskonzept findet, dann kann man in dieser Gesellschaftsordnung auch keinen zwingen, so etwas zu tun", sagt er. Und nach Meinung von Heide-Marie Bamler (Die Linke) fehlt schlichtweg eine ausreichende Zahl von potenziellen Kunden, die eine große Handelseinrichtung auf dem Eichert zum Bleiben bewegen könnte.
Drastischer sagt das Bernhard Mögling (Auer Unabhängige): "Da müssten wir ja Geld hinschaffen, damit sich dort jemand ansiedelt." Er hält es für unmöglich, dass sich die Stadt darum kümmert. Christian Heydel (Freies Bürgerforum) verweist dagegen auf das Beispiel Bad Schlema. "Dort hat man doch gezeigt, wie es funktionieren kann - mit einer Genossenschaft zum Beispiel." Auch André Harzer lässt sich nicht beirren: "Lassen Sie uns erstmal ausloten, was möglich ist. Kann ja sein, dass die Sache irgendwann scheitert. Aber wir sollten nicht gleich sagen: 'Das geht nicht'. Die Bürger wollen, dass wir wenigstens versuchen, Probleme zu klären."
"Hier muss keiner verhungern"
Die Versorgung ist offenbar nur eines davon. Ulrike Peuser, die den einzig verbliebenen Lebensmittel-Laden auf dem Eichert betreibt, sagt es unumwunden: "Hier fehlt ein Arzt, auch einen Geldautomaten gibt es nicht. Die Leute müssen in die Stadt. Und dort kaufen sie dann auch ein." Sie selbst denkt aber nicht ans Aufhören. "Mindestens bis 2019 bleibt mein Laden offen."
Längst aufgegeben dagegen hat Simmel seine nach dem Edeka-Aus sozusagen als Einkaufs-Hilfe initiierten Kleinbus-Touren einmal die Woche zwischen Eichert und dem Markt in der Innenstadt. Die Resonanz sei nicht wie erhofft gewesen, so Center-Managerin Heike Vogel.
Eine von zwei Verkaufsrunden durch das Wohngebiet wird auch Fleischermeister Ralf Bauer aus Albernau wieder streichen. "Der Freitag bleibt im Programm, der Dienstag dagegen rechnet sich nicht", berichtet er. Seine Erfahrung: "Ich glaube, der Stadtrat braucht sich keine Sorgen machen. Auf dem Eichert muss niemand verhungern."


