Schmalspur-Variante kommt nicht in die Tüte
Bad Schlema erlebt 13. Europäisches Blasmusikfestival - Gastgebendes Orchester lässt trotz finanziellem Balanceakt keine Einschnitte zu
Bad Schlema. Bad Schlema. Was Tradition ist, soll Tradition bleiben - und zwar in voller Schönheit. "Ganz oder gar nicht", sagt Stefan Richter als Cheforganisator des Europäischen Blasmusikfestivals, das am dritten Septemberwochenende seine 13. Auflage erlebt. Trotz knapper Kassen sei ein Abspecken oder zeitweises Aussetzen keine Alternative. Nachdem schon im vergangenen Jahr Gerüchte kursierten, dass das Spektakel für den kleinen Kurort eine Nummer zu groß ist, beweisen die rührigen Mitglieder des Bergmannsblasorchesters der Gemeinde wieder das Gegenteil. Bad Schlema befindet sich vom 17. bis 19. September erneut im Ausnahmezustand. Mit Pauken und Trompeten.
Modus und Qualität bleiben
300.000 Euro - eine enorme finanzielle Hausnummer. Denn so viel kostet der Spaß samt Unterkunft und Verpflegung für die Orchester aus aller Welt, Zelt-Miete, mobile Sanitäranlagen und vieles mehr. "Wir ziehen das durch, ohne Wenn und Aber", sagt Richter. Nach dem Festival ist für ihn vor dem Festival. "Klinken putzen" bei Sponsoren geht er das ganze Jahr über. 27.000 Euro des sechsstelligen Betrags fließen als Fördermittel von der Kulturstiftung des Freistaats und dem Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen. Den Rest müssen Förderer und Einnahmen bringen. Ein Nullsummen-Spiel - wenn alles gut läuft. "Es ist jedes Jahr ein Kraftakt. Aber wir halten an unserem jährlichen Modus fest, weil sich viele Stammgäste - gerade mit weiter Anreise - langfristig darauf einstellen. Das beginnt mit dem frühen Reservieren der Unterkunft. Wir können nicht einfach aussetzen", sagt Richter. Einsparungen zulasten der Qualität des Programms kommen für ihn ebenfalls nicht infrage. "Das hohe Niveau hat uns bekannt gemacht. Die Warteliste von Orchestern, die bei uns spielen wollen, ist ellenlang. Dieses Pfund dürfen wir nicht leichtfertig hergeben."
Großereignis als Werbeträger
Trotz knapper Kasse soll das Festival für Menschen mit kleinem Geldbeutel erschwinglich bleiben. Seit drei Jahren sind die Eintrittspreise konstant: je zehn Euro für den Freitag und Sonntag sowie zwölf Euro am Samstag. "Wir müssten das Doppelte verlangen. Aber wir sind eine finanzschwache Region. Und wenn es sich keiner mehr leisten kann, haben wir auch nichts gekonnt", so Richter. 150 ehrenamtliche Helfer im mehrtägigen Dauereinsatz sind Garant dafür, dass sich das Ganze überhaupt irgendwie rechnet. "Das beginnt mit dem Zeltaufbau am Montag und erstreckt sich bis zu den Nacharbeiten in der Folgewoche", so Richter.
Dass sich aus dem vergleichsweise kleinen Fest zum 25-jährigen Bestehen des gastgebenden Bergmannsblasorchesters Kurbad Schlema - das war 1992 - ein solches Großereignis entwickeln würde, nötigt Bürgermeister Jens Müller Respekt ab. "Das Festival ist in unserer Gemeinde der größte kulturelle Höhepunkt im Jahr und liegt seit Beginn an in der Hand eines Vereins, der trotz schwerer Zeiten die finanzielle Absicherung hinbekommt. Das macht mich stolz", so Müller, der um die Bedeutung dieses September-Wochenendes weiß. "Das Festival ist Werbeträger für unseren jungen Kurort und weit mehr als nur ein bisschen Ufftata. Namhafte Orchester spielen bei uns, locken Besucher jeden Alters an."
Auch diesmal vollzieht Ministerpräsident Stanislaw Tillich am Freitag die Eröffnung. Davon profitiere die Gemeinde als Ganzes. "Wir versuchen, das bestmöglich zu unterstützen, wissen aber auch, dass die Hauptlast auf den Schultern des Bergmannsblasorchesters liegt", sagt Müller und appelliert an "positiv Verrückte", die sich fürs Großereignis stark machen. "Denn ohne Enthusiasten am Ruder funktioniert es nicht."
Zwei Nationen erstmals vertreten
Längst hat die heiße Vorbereitungsphase für das 19. Internationale und zugleich 13. Europäische Blasmusikfestival am 17., 18. und 19. September begonnen. 17 Ensembles aus zwölf Nationen wollen an der Marktpassage die Stimmung im Festzelt mit 4000 Sitzplätzen und zwei Bühnen zum Kochen bringen. Allein der große Umzug am Freitagnachmittag zählt knapp 800 Beteiligte. Acht Orchester geben in Bad Schlema ihr Debüt. Hinzu kommen zwei Ensembles, die erstmals die Nationen Finnland und Irland vertreten.


