Plauen im Erzgebirge? Die kurzfristige Umbenennung ist mehr als ein Lausbubenstreich. Die Polizei ermittelt.
Foto: Nils Bergauer
Schmierfinken benennen Große Kreisstadt um
An acht Ortseingangsschildern in Aue prangt Name der Vogtlandmetropole Plauen - Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung
Aue. Aue. Mit einer Spraydose bewaffnet hat ein Schmierfink die Große Kreisstadt Aue in einer Nacht-und-Nebel-Aktion kurzerhand umbenannt. Auf dem Ortseingangsschild in Höhe des Fastfoodrestaurants an der Staatsstraße 255 in Aue prangte am Montagmorgen der Ortsname Plauen - sowie an sieben weiteren.
Kurzerhand hatte der Täter den Namen der Stadt um ein paar Buchstaben erweitert und die Vogtlandmetropole ins Erzgebirge versetzt. Als Jungenstreich eines Scherzboldes kann die Polizei die Tat nicht gelten lassen. "Wir werden eine Anzeige wegen Sachbeschädigung aufnehmen", reagierte Klaus-Peter Guhr, Leiter der Führungsgruppe im Auer Polizeirevier, auf die Anfrage der "Freien Presse".
Zuvor war die Tat noch nicht bemerkt worden. Eine in die Spur geschickte Streife fuhr alle 13 Ortseingangsschilder ab und entdeckte, dass die meisten davon beschmiert waren. Eines war zudem mit dem Zusatz VFC verunziert. "Es könnte sich daher um einen Fußballfan handeln", vermutete Guhr. Die Polizei will in der Sache weiter ermitteln.
Auch die Stadtverwaltung verschaffte sich einen Überblick. "Das sind ja sogar clevere Burschen gewesen", meinte Wolfgang Pult, Leiter des Ordnungsamtes in Aue, nicht ohne Unterton. In anderen Fällen seien Schilder stets durchgestrichen oder beklebt gewesen. Diesmal aber wurden die Buchstaben geschickt um drei weitere ergänzt - und das achtmal. Die Gründlichkeit im Vorgehen beeindruckte selbst den Ordnungsamtschef. "In solch einer massiven Form habe ich so etwas noch nicht gesehen", sagte Pult. "Es ist schlicht eine Sauerei."
Die meisten der beschmierten Schilder fallen jedoch in den Zuständigkeitsbereich des Plauener Straßenbauamts, da sie an Bundesstraßen stehen. Die Straßenmeisterei in Aue machte sich bereits am Nachmittag ans Werk, Aue von den zusätzlichen Buchstaben im Namen zu befreien. "Schmierereien sind nichts Besonderes, aber so geballt kam es noch nicht vor", sagte Christina Roder, Sachgebietsleiterin für Straßenbetriebsdienst und Straßenmeistereien im Landratsamt des Erzgebirgskreises. "Sollten die Graffiti nicht abgehen, werden wir die Schilder ersetzen lassen müssen."
Jana Hecker, Pressesprecherin der Stadt Aue, gab indes Entwarnung: Mit Graffiti-Entferner gehe der Schriftzug ab. Die Einsatztruppe aus dem Ordnungsamt putzte die Schilder, für die die Stadt zuständig ist, noch am Montag wieder blank. Die Stadt sei Sprayern, die an öffentlichen Flächen ihre Spuren hinterlassen, stets auf den Fersen. Etwa 200 Euro hätte jedes neue Schild gekostet.
"Es geht ja nicht nur um die Kosten", meinte die Pressesprecherin. "So etwas gilt zurecht als ein massiver Eingriff in den Straßenverkehr, denn es führt zu Irritationen bei den Autofahrern." Zwar löse eine solche Aktion noch kein Verkehrschaos aus. "Aber der Täter setzt sich auch einer enormen Eigengefährdung aus, wenn er an der Bundesstraße rumturnt."


