Das Wohngebiet Hohes Gebirge in Schneeberg ist längst von allen Mietern verlassen. Nun soll es abgerissen werden.
Foto: Lars Rosenkranz
Schneeberg bereitet den Abrissbaggern den Weg
Stadtrat beschließt Fördergebietskonzept für Plattenbausiedlung
Schneeberg. Geht es nach dem Willen der Schneeberger Stadträte, wird das Wohngebiet Hohes Gebirge platt gemacht. Auf ihrer jüngsten Sitzung haben die Bürgervertreter ein Fördergebietskonzept beschlossen. Mit diesem könnte ein Eigentümer Fördermittel aus dem Programm Stadtumbau Ost für den Abriss der Plattenbausiedlung beantragen. Ob im Ortsteil Wolfgangmaßen allerdings tatsächlich demnächst die Bagger anrollen, steht noch völlig in den Sternen. Denn nach wie vor heißt der Eigentümer Frank König. Und der will die Wohnblöcke gar nicht abreißen. "Ich habe andere Pläne mit dem Gebiet", sagte er am Montag. Was ihm genau verschwebt, wollte er allerdings nicht sagen.
König hatte das Hohe Gebirge 2001 gekauft. Es folgte ein jahrelanger Streit zwischen ihm und vielen seiner Mieter. Themen waren Nebenkostenanbrechungen, angebliche Schikanen beim Auszug und vieles mehr. Anfang 2010 fielen ein ums andere Male Heizung und warmes Wasser aus, da die Öltanks leer waren. Die Schuld dafür schoben sich König und seine Hausbank - die Sparkasse Muldental - gegenseitig in die Schuhe. Als 2011 Strom und Wasser abgestellt wurden, verließen die letzten Mieter das Hohe Gebirge.
Angepeilter Preis: 1 Euro
Wie Bürgermeister Frieder Stimpel (CDU) mitteilte, will die Stadt die Plattenbausiedlung kaufen, um sie anschließend abzureißen. "Die Wohnungen werden einfach nicht mehr gebraucht", so Stimpel. Wenn das Hohe Gebirge zwangsversteigert wird, wird wohl auch die Kommune ihren Hut in den Ring werfen. Allerdings schwebt Stimpel ein symbolischer Kaufpreis von einem Euro vor. Ob sich Königs Hauptgläubiger, die Sparkasse Muldental, darauf einlässt, bleibt abzuwarten.
Und auch König selbst hat wohl ein Wörtchen mitzureden. Immerhin war es ihm gelungen, den ersten Versteigerungstermin am 22. November 2011 faktisch platzen zu lassen. Er hatte moniert, dass der Verkehrswert von 150.000Euro für die beiden bis zum Spätsommer bewohnten Blocks zu niedrig angesetzt war. Das Amtsgericht Chemnitz stimmte ihm zu und gab ein neues Gutachten in Auftrag. "Anfang Februar soll es veröffentlich werden", kündigte am Montag Gerichtssprecher Marcus Gnad an. Zurzeit läuft noch die Einspruchsfrist. Wie Frank König sagte, prüft sein Anwalt zurzeit die neuen Zahlen.
Bleibt die Frage, was mit der Fläche passiert, sollten die Blöcke tatsächlich abgerissen werden. "Der Bebauungsplan weist eine grüne Wiese auf", sagte der Bürgermeister. Genau diese soll dort auch entstehen. "Neue Häuser sind im Moment nicht geplant", so Stimpel. "Es gibt keine Nachfrage."


