In guten wie in schlechten Zeiten: Christel Schön hält zu ihrem Ehemann Lothar. Seit einem Schlaganfall sitzt er im Rollstuhl.
Foto: Katja Lippmann-Wagner
Schöner Lebensabend tritt für Ehepaar aus Bad Schlema mit Verzögerung ein
Christel Schön musste nach dem Schlaganfall ihres Mannes über sich hinauswachsen
Bad Schlema. Eigentlich hatten Christel und Lothar Schön um die Jahrtausendwende feste Zukunftspläne. Nach jahrelanger Arbeit und viel Verzicht wollten sie ihr Suzuki-Autohaus mit dem Herzstück einer Kfz-Werkstatt aufgeben und sich einen schönen Lebensabend machen. Doch es sollte anders kommen.
Ende 2004 erlitt Lothar Schön einen Schlaganfall. Dieser Schicksalsschlag stellte von einem Augenblick auf den anderen das Leben der beiden völlig auf den Kopf. Der heute 72-jährige Lothar Schön sitzt seither im Rollstuhl und kann nicht mehr sprechen. Eine verzweifelte Situation. Aber Christel Schön verzweifelte nicht. "Ich hatte gar keine Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken", sagt sie im Rückblick und ergänzt: "Es musste ja weiter gehen." Also traf sie Entscheidungen, die bis daher immer ihr Mann getroffen hatte und verkaufte das Autohaus, wie es sich beide vorgenommen hatten. Doch dann änderte sie die Marschrichtung. "Lothar wollte nie ein Eigenheim." Doch seine Frau erkannte die Vorteile, die ein Neubau mit sich bringen würde. "Wir waren zur Reha-Kur in Pulsnitz. Ich habe von dort aus alles geregelt", erinnert sie sich. Ein Grundstück in Bad Schlema war vorhanden. Aufgrund der Behinderung ihres Mannes kam nur ein Flachbau infrage. "Dafür haben wir eine Sondergenehmigung benötigt, die wir aber bekommen haben."
Als sie ihre Baupläne Freunden und Verwandten mitteilte, schüttelten diese nur den Kopf. Aber den mutigen Schritt bereut sie bis heute nicht. "Ich war eigentlich immer ein ängstlicher und vorsichtiger Typ", sagt sie. Das Häuschen, das sich in unmittelbarer Nähe des Musikbrunnens befindet, ist wunderschön, hat große Türen, die es ermöglichen, ohne Probleme mit dem Rollstuhl durchzukommen, und es ist mit viel Liebe zum Detail eingerichtet.
"Mein Mann war immer sparsam, aber nicht geizig", betont Christel Schön. Die kleine Kfz-Werkstatt sei schon zu DDR-Zeiten sein Leben gewesen. "Seine Liebe gehörte dem Motorsport", erzählt die Ehefrau, die zunächst nicht nur ihren Mann pflegt, sondern auch ihre Mutter bis zu deren Tod. "Unsere Nachbarn waren zu jeder Zeit hilfsbereit. Im ersten Winter in unserem neuen Haus haben sie bei uns den Schnee geschippt", so die Bad Schlemaerin.
Seit es sich mit der "neuen" Situation arrangiert hat, nimmt das Ehepaar wieder am kulturellen Leben teil. So sind Schöns in der Goethe-Gesellschaft aktiv, besuchen Konzerte und das Blasmusikfestival. "Lothar gefällt es, unter Menschen zu sein." Die Frage nach dem Warum, stellt Christel Schön nicht. Sie hadert nicht mit ihrem Schicksal, sondern geht mit ihrem Mann sowie der Unterstützung von Physiotherapeuten, Logopäden, einer Haushaltshilfe und eines Pflegediensts ihren Weg. Sie fährt einen Transporter, in den der Rollstuhl passt. Sie organisiert Urlaube und steckt mit ihrer aufgeschlossenen Art ihre Umwelt im positiven Sinne an. Auf diese Weise verbringt Christel Schön mit ihrem Mann doch noch einen schönen Lebensabend.

