Foto: dapd

Sonntags-Einkauf im Advent: Beugt sich Aue Druck der Kirche?

Kürzlich beschlossenes Ladenöffnungs-Regelwerk steht auf der Kippe

Aue. Ende April erst hatten die Bürgervertreter im Auer Stadtrat sozusagen das Schleifchen um die Sonntags-Einkaufs-Verordnung gebunden. Nach dieser sollten die Läden in der Stadt künftig am Palmsonntag, zum Stadtfest am dritten Sonntag im Juli sowie am zweiten und vierten Adventssonntag öffnen dürfen. Einrichtungen in der Innenstadt zudem auch am ersten Advent zum Raachermannelmarkt. Jener Tag war bereits im März als ein nach dem sächsischen Ladenöffnungsgesetz zusätzlich möglicher, anlass- und gebietsbezogener verkaufsoffener Sonntag beschlossen worden.

Die Einigung auf diese Ladenöffnungs-Verordnung wurde eben wegen jener drei Sonntage im Advent, an denen die Geschäfte offen sein können, zu einer überaus schweren Geburt. Noch im März ließ der Stadtrat diese Regelung durchfallen. Erfolg brachte erst eine erneute Abstimmung einen Monat später. Dieses zweite Votum war möglich geworden, weil Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU) in jenem ersten, abweisenden Ratsbeschluss eine Entscheidung zum Nachteil der städtischen Einwohner- und Händlerschaft erkannte und sein Veto einlegte.

Wirklich einig waren sich die Bürgervertreter aber auch da nicht geworden. Vor allem die Freien Wähler und die Vertreter der Linkspartei ließen sich von ihrer ablehnenden Haltung nicht abbringen. Hatten ihre Argumente im April jedoch noch nicht gefruchtet, kommen die Gegner jetzt mit besseren Chancen durch die Hintertür, gewissermaßen "mit Gottes Hilfe". Denn die evangelisch-lutherische Landeskirche droht über eine Anwaltskanzlei mit sofortiger Klage beim Oberverwaltungsgericht, sollte Aue seine Ladenöffnungs-Verordnung nicht ändern. Die Landeskirche ist der Meinung, "dass unsere Regelungen nicht mit geltendem Recht vereinbar sind", sagte Stadtoberhaupt Kohl.

So ganz von ungefähr kommen diese Bedenken freilich nicht. Auf diese Gefahr hatte bereits Beatrice Meichßner im Stadtrat mehrfach hingewiesen. Dort berief sich die Frontfrau der Fraktion der Freien Wählervereinigung auf Regelungen im Ladenöffnungsgesetz, wonach bei zwei aufeinander folgenden frei gegebenen Sonntagen die Öffnung an den sowohl vorangehenden als auch nachfolgenden zwei Sonntagen unzulässig ist. "Der Sonntag ist ein schützenswertes Gut. Davon geht der Gesetzgeber aus", verdeutlichte Meichßner im Stadtrat ihre Auffassung.

"Wir wollen der Stadt rechtliche Konsequenzen ersparen", sagte sie und forderte damals, den zweiten Advent aus der Verordnung zu streichen. Vergeblich. Zumal der Oberbürgermeister Kohl interpretiert das Sachsen-Gesetz in dieser Frage anders. Der anlassbezogene Sonntag sei dort eben bewusst in der Voraussicht als zusätzlich formuliert worden, um im Advent im Erzgebirge auch drei offene Sonntage zu ermöglichen.

Sich allerdings darauf verlassen, dass im drohenden Klagefall die Verwaltungsrichter sich dieser Auffassung anschließen, will Kohl dann doch nicht. Womöglich heble das Gericht die Auer Regelungen bis zu einer endgültigen Entscheidung aus. Konsequenz: In der Stadt könnte in diesem Jahr an keinem Adventssonntag ein Laden öffnen. Dieses Risiko will auch die Auer Industrie- und Gewerbevereinigung als Interessenvertreter der Händlerschaft nicht eingehen und lieber die zwei möglichen Sonntage nutzen, also den ersten und vierten Advent. Eine entsprechend geänderte Verordnung liegt dem Stadtrat am Mittwoch zur Entscheidung vor.

 
erschienen am 21.11.2011 ( Von Andreas Tröger )
 
Kommentare
6
(Anmeldung erforderlich)
  • 01.12.2011
    14:12 Uhr

    robert48: ....ja in Großbritannien....da haben sie auch einen MINDESTLOHN....den aber wollen auch die deutschen Einzelhändler nicht....sie wollen, dass ihre Angestellten für Hungerlohn arbeiten.... möglichst 12 Stunden von Montag bis Sonntag.... und frei?? ja frei haben sie zwischen Silvester und Neujahr....

    0 0
     
  • 29.11.2011
    19:53 Uhr

    wundesknie: @suppi ja, du hast ja recht, aber ich schau doch über den tellerrand und denke hier an die endlosen diskussionen über die öffnungstage und zeiten. ich sage ja nur das z.b. in GB. das etwas lockerer gesehen wird , eben das der jeweilige händler selbst entscheidet. und warum gibt immer die kirche ihren senf dazu ? oder der staat. ist das demokratie ??

    0 0
     
  • 29.11.2011
    13:26 Uhr

    suppi: England...was soll schon wieder der vergleich...ging es nicht um Aue in der Überschrift ?! Sind wir doch mal ehrlich, die Leute die nach längeren Öffnungszeiten schrein ist es oftmals langweilig zu hause. Wer berufstätig ist und dazu noch Familie hat freut sich auf den Sonntag und verbringt diesen dann auch dementsprechend! Intakte Familien haben keine Lust auf Shopping am Sonntag! Die Geschäfte haben Montag bis Sonnabend geöffnet! Es arbeitet doch keiner von Montag bis Sonnabend..ununterbrochen..Woche für Woche! Lasst doch einfach den Sonntag ein Sonntag sein!

    0 0
     
  • 28.11.2011
    22:19 Uhr

    ders: Tja, ja, da sieht man es mal wieder. Das Problem ist ja, eben, dass der Händler leider nicht alleine entscheidet! Es geht auch nicht um kleinbürgerliches Denken ... sondern um den Blick über den Tellerrand hinaus! Und wer mit der Meinung "die kirche zieht den leuten den taler aus der tasche" hausieren geht ... oh ha, kurz nochmal drüber nachdenken wäre mein Vorschlag! Also, bevor man hier was postet, erstmal nachdenken ob man sich bei diesem Thema auch auskennt ;-)

    2 0
     
  • 28.11.2011
    10:04 Uhr

    wundesknie: warum herrscht hier so ein kleinbürgerliches denken ??? der staat und die kirche sollen sich mal etwas zurückhalten !!!! siehe england ,das ist doch jedem händler sei risiko, soll doch jeder aufmachen der will. die leute geben ihr geld eh nur einmal aus. aber diese ständige bevormundung vom staat und kirche ist langsam nicht mehr lustig. die kirche hat auch am sonntag geöffnet, und zieht den leuten den taler aus der tasche, was ist damit ???

    2 0
     

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern  
 
Wetteraussichten für Aue
Mo

25 °C
Di

25 °C
Mi

26 °C
Do

23 °C
Fr

17 °C
Ärztliche Notdienste

Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiter lesen
 
 
Freie Presse vor Ort

08280 Aue
Schwarzenberger Straße 3
Telefon: 03771 594-0


Öffnungszeiten:
Mo. bis Do. 9.00 - 17.30 Uhr, Fr. 9.00 - 13.00 Uhr

weiter lesen
 
Freien Presse Immobilien

Immobilienangebote für Aue und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Aue

Immobilienportal

► Mietangebote

► Kaufangebote

 
Unsere Partner
vms
aok
chursächsische
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 


Der Partner für Ihren Kredit - Maxxkredit