Eine Besuchergruppe am Dienstagnachmittag bei einer Veranstaltung in der Schneeberger Sternwarte. Mit einem neuen Konzept sollen künftig wieder mehr Gäste angelockt werden.
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Sternwarte soll nicht in die Röhre gucken
Landkreis will freien Fall der Einrichtung stoppen
Schneeberg. Es ist eine geheimnisvolle Welt. Wer durch das moderne Spiegelteleskop in der Sternwarte Schneeberg, dem größten im Freistaat Sachsen, guckt, dem erschließen sich 70 Millionen Sterne. Das normale Auge muss sich mit sechs Millionen begnügen. Doch der faszinierende Ausblick auf das Universum ist die eine Seite. Auf der Erde sieht es für die Sternwarte- neben der in Drebach die einzige im Erzgebirgskreis- wesentlich düsterer aus.
Nur noch 3500 Besucher
So düster, dass jetzt der Landkreis mit seinem Kulturbetrieb als Träger den freien Fall der Einrichtung stoppen muss. Zwei Besprechungen direkt vor Ort, an denen Mitarbeiter des Landkreises und mehrere Kreisräte teilnahmen, fanden bereits statt. Im Grunde waren es Krisensitzungen: In den letzten Jahren sind die Besucherzahlen von etwa 9000 jährlich auf rund 3500 gesunken. Seit der Astronomie-Unterricht weggefallen ist, hat das Interesse der Schulen an einem Besuch in der Sternwarte stark nachgelassen. Das hatte eine fatale Folge: Die Einnahmen hauptsächlich durch Eintrittsgeld sind auf rund 12.000 Euro im Jahr abgestürzt. Dagegen haben allein die Betriebskosten pro Jahr von 100.000 Euro tatsächlich eine gewisse astronomische Dimension.
Solch ein Zuschussgeschäft passt dem Landkreis natürlich nicht ins Konzept. Ihm fehlen ohnehin noch drei bis vier Millionen Euro, um im kommenden Jahr einen ausgeglichenen Haushalt hin zu kommen. So wurde ein Konsolidierungsprogramm für 2012 aufgestellt, von dem direkt und indirekt auch die Sternwarte Schneeberg betroffen sein wird: Der Landkreis will seinem Kulturbetrieb 60.000 Euro streichen. Das Personal in der Sternwarte soll nur noch halbtags arbeiten.
Teleskop selber repariert
"Die Sternwarte soll erhalten bleiben", sagt Andreas Stark, zuständiger Beigeordneter im Landratsamt. Ein weiterer Schritt würde darin bestehen, geplante Kosten für notwendige Investitionen, rund eine halbe Million Euro, zu senken oder hinauszuzögern. So haben die Mitarbeiter der Sternwarte ein Steuerungsteil des großen Teleskopes selbst repariert. Ein neues Ersatzteil hätte 100.000 Euro gekostet - mehr als das gesamte Teleskop.
Die Kultur-Manager des Landkreises denken endlich auch darüber nach, die Sternwarte in das Programm von Reiseveranstaltern aufnehmen und somit Reisebusse herankutschieren zu lassen. In Drebach ist das längst der Fall. Dort ist die kleine Gemeinde Träger der Sternwarte. Die Besucherzahl ist in den letzten Jahren bei 20.000 konstant geblieben. Auch das ist eine astronomische Zahl - zumindest gemessen an der von Schneeberg.


