Matthias Preiß (links) und Günther Bialek brachten am Samstag beim 3. Tafeltag in Schneeberg heiße Kartoffelsupper unters Volk. 
Matthias Preiß (links) und Günther Bialek brachten am Samstag beim 3. Tafeltag in Schneeberg heiße Kartoffelsupper unters Volk.

Foto: Anna Neef

Tafel-Team hält Tabu-Thema mit Kartoffelschmaus am Kochen

Eine einfache Mahlzeit hat in Schneeberg auf Armut im Wohlstandsland aufmerksam gemacht

Schneeberg/Aue/Schwarzenberg . Sechs Tage pro Woche geben die Mitstreiter der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Schneeberg tonnenweise Lebensmittel an Menschen aus, die jeden Euro vorm Ausgeben umdrehen. "Darunter Hartz-IV-Empfänger, Rentner, Lehrlinge, Studenten und ,Aufstocker', die arbeiten, aber so wenig verdienen, dass sie staatliche Hilfe benötigen", sagt Martina Stutzig, Leiterin der Awo-Begegnungsstätte am Keilbergring, die mit ihrem Team am Samstag auf dem Markt zum 3. Tafeltag geladen hat.

Heiße Kartoffelsuppe zum Nulltarif - das war auch ein Wink mit dem berühmten Zaunpfahl: "Selbst in unserem Wohlstandsland gibt es arme Menschen." Noch dazu nicht wenige. Allein in Schneeberg zählt die Awo regelmäßig 800 Frauen und Männer, die an der Ausgabestelle ihre Beutel füllen. Anfangs teils voller Scham. "Das Gute bei uns: Die Leute müssen nicht auf der Straße anstehen", so Stutzig. Vielmehr kommen sie in den Räumen der Begegnungsstätte mit anderen Betroffenen ins Gespräch. Bei einem Kaffee, ganz in Ruhe. "Sie fühlen sich nach kurzer Zeit sehr aufgehoben. Das ist uns wichtig. Keiner soll sich grämen."

"Sind für jede Hilfe dankbar"

Geldnot ist keine Schande, findet Stutzig. "In allen Bereichen steigen die Preise. Ich denke, dass künftig sogar noch viel mehr auf Hilfe angewiesen sind." Dabei kommen die Schneeberger Tafelgäste nicht nur aus der Bergstadt, sondern auch aus Bad Schlema, Aue und Schönheide. "Wir schicken keinen weg. Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt. Wir versuchen, jedem Einzelnen in seiner Lebenslage zu helfen." Eine "tolle Mannschaft" weiß Stutzig hinter sich. Allein um die Organisation der Tafel kümmern sich zehn Mitstreiter. Die Lebensmittel stammen von der Zentrale aus Dresden, Supermärkten, Fleischern, Bäckern sowie Privatpersonen, die einkaufen und den Warenkorb abgeben. Für den Suppenschmaus am Samstag stellte erneut Bauer Roland Puschbeck aus Griesbach vier Zentner Kartoffeln bereit. Stutzig: "Wir sind für jede Hilfe dankbar. Das Thema ist in Schneeberg im Bewusstsein der Menschen angekommen. Es darf auch kein Tabu sein." Armut sei bittere Realität.

"Älteren fällt der Gang schwer"

Das weiß auch Kathrin Barth von der Auer Tafel. Einmal pro Woche stocken rund 100 Familien, Ehepaare und Alleinstehende ihre Vorräte an der Anlaufstelle auf. "Butter oder Margarine gibt es nicht immer für jeden. Aber sonst haben wir viel da." Dafür sorgen vier Helfer.

Allein rund 4400 Hartz-IV-Empfänger, die an Tafeln bezugsberechtigt sind, gibt es aktuell im Altkreis Aue-Schwarzenberg. Das schockt Stephan Drath nicht. In Schwarzenberg kommen zweimal pro Woche je 130 Bedürftige zur Tafel, in der Ausgabestelle Johanngeorgenstadt sind es einmal pro Woche 90. Darunter immer mehr Senioren, deren Rente nicht reicht. "Den älteren Leuten fällt der Gang zu uns oft sehr schwer. Sie verstehen nicht, warum sie nach einem langen Arbeitsleben diese Hilfe benötigen", sagt Drath, der auch aus Supermärkten Waren bezieht. "Leider nicht mehr so viel wie früher. Denn die Märkte bestellen nur noch das nach, was tatsächlich verkauft wurde. Früher war das anders - da blieb mehr für uns."

 
erschienen am 23.09.2012 ( Von Anna Neef )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
0
(Anmeldung erforderlich)

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern  
 
Wetteraussichten für Aue
Mi

12 °C
Do

13 °C
Fr

10 °C
Sa

12 °C
So

14 °C
präsentiert von
Ärztliche Notdienste

Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiter lesen
 
Neu

Nachrichten aus dem Erzgebirge bei Facebook

Die "Freie Presse" Erzgebirge ist nun auch auf Facebook mit einer eigenen Seite vertreten. Dort finden Sie Neuigkeiten aus den "Freie Presse"-Lokalredakionen Annaberg-Buchholz, Aue, Schwarzenberg, Stollberg, Marienberg und Zschopau und sind somit stets auf dem Laufenden.

>> Zum Facebook-Auftritt

 
Wählen Sie den Erzistar 2013!
 
 
Freie Presse vor Ort

08280 Aue
Schwarzenberger Straße 3
Telefon: 03771 594-0


Öffnungszeiten:
Mo. bis Do. 9.00 - 17.30 Uhr, Fr. 9.00 - 13.00 Uhr

weiter lesen
 
Freien Presse Immobilien

Immobilienangebote für Aue und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Aue

Immobilienportal

► Mietangebote

► Kaufangebote

 
Unsere Partner
aok
chursächsische
 
 
 
 
 
 
 
Blumen versenden

Traumhafte Frühlingszeit

Machen Sie einem lieben Menschen eine Freude und überraschen Sie ihn mit schönen Frühlingsblumen.

weiter lesen