Das ist Leopardin Lila, die ehemalige Lebensgefährtin des im vorigen Jahr verstorbenen Chang.
Foto: Publicpix
Unsterblichkeit braucht Zeit
Nach Beziehungskrise und Testosteron-Affäre gibt es Neuigkeiten von der Leoparden-Familie im Tierpark
Aue/Bottrop. Er war ein Bomber und unwahrscheinlich verfressen. Bis zu drei Kilogramm Fleisch stopfte Chang jeden Tag in sich hinein. Wenn er zum Sprung ansetzte, krachte er mit 50 Sachen gegen das Gitter des Zwingers. Für die Besucher des Auer Tierparks war Chang eine Attraktion. Jetzt besteht der Star aus ungefähr 270 Einzelteilen, die in sechs Baumwollsäcken in einem Warmwasserbecken schwimmen, und einem abgezogenen Fell, das bei irgendeinem Gerber liegt. Chang wird in einer gewissen Art unsterblich gemacht, von Experten präpariert - um schließlich in einem Museum zu landen. In welchem, das ist noch ein Rätsel.
Die unendliche Geschichte der "verrückten" Auer Leoparden-Familie. Zuerst wurde Chang der älteste Leopard der Welt. Er war 23, als er im Sommer vorigen Jahres an Altersschwäche starb und seine Lebensgefährtin Lila traurig und allein zurückließ. Mit ihrem neuen Partner Taipan klappte es lange nicht, der wollte ständig Sex und bedrängte Lila so lange, bis es krachte und sich die beiden gegenseitig Verletzungen zufügten. Die Geschichte erreichte ihren Gipfel, als Taipan Anti-Testosteron-Spritzen bekam, die nicht anschlugen, und er schließlich kastriert wurde. Jetzt geht die bewegte Geschichte der Familie Leo in die nächste Runde.
Schädel eines Leoparden.
Foto: Privat
In Bottrop im Ruhrgebiet hat Dominik Janouschkowetz, ein Tierpräparator mit tschechischen Vorfahren, sein Zuhause und seine Werkstatt samt aller notwendigen Anlagen. Der 42-Jährige hat schon die Skelette von toten Elefanten und Nashörnern wieder auf die Beine gestellt. Die Meisterwerke sind zum Beispiel im Nationalmuseum in Dublin zu bestaunen. Bei dem Präparator aus Nordrhein-Westfalen gibt es zum Beispiel auch echte, wieder auf Vordermann gebrachte Penisknochen von Waschbären, Iltissen oder Dachsen zu kaufen. Jetzt hat Dominik Janouschkowetz den ehemals ältesten Leoparden der Welt, Chang aus dem Auer Tierpark, in seinen Anlagen liegen.
Ein Museum aus Niedersachsen meldete bereits Interesse an, die präparierten Überreste des berühmten Leoparden zu kaufen (Preis etwa 2000 Euro) und auszustellen.
"Aber das wird dauern", sagt Janouschkowetz. Unsterblichkeit braucht seine Zeit. Er steht an einem Becken, das mit 2000 Litern Wasser gefüllt ist. Die Temperatur der Flüssigkeit beträgt 55 Grad. Die Wärme soll das Fett von Chang lösen, von seinen Knochen besser gesagt. Denn der Präparator hat das Raubtier, nachdem es bei ihm tiefgefroren und von den Fleischpartien befreit gelandet war, mit Skalpell und Säge in 270 Teile zerlegt und systematisch in sechs nummerierte Baumwollbeutel verteilt. "Drei Tage müssen sie in dem Becken verbringen", erklärt er. Bis das Fett ab ist und es die Knochen nicht zersetzen kann. Sind sie aus dem Wasser, werden die Teile sechs Wochen getrocknet und gebleicht. Dann hat Chang nach menschlichem Ermessen das ewige Leben. Nach Informationen der "Freien Presse" arbeitet ein zweiter Tierpräparator daran, dass Fell auszustopfen. "Es ist gut, dass Chang der Nachwelt erhalten bleibt", sagt die Auer Tierpark-Mitarbeiterin Bärbel Schroller.


13:19 Uhr
Nixe: Hoffentlich wird auch mit konserviert, wie sehr das Tier im Tierpark gelitten hat! Man sollte wirklich diese vielen unzureichend ausgestatteten Tierparke und Zoos abschaffen, die es zu etlichen überall gibt, und durch wenige aber dafür besser ausgestattete ersetzen, in Bezug auf Gehegegröße und natürlicher abwechslungsreicher Gestaltung. Die Amtstierärzte haben wohl zu DDR Zeiten alles genehmigt, und oft sitzen eben diese Leute auch heute noch im Amt und tun nichts dagegen, leider. Bürgermeister etc. kümmern sich auch nicht um "sowas", eigentlich juckt es keinen, wundern sich nur, warum das Geld in der Tierparkkasse immer knapp ist, weil "sowas" keiner mehr sehen will!??! Es sind einfach keine "Sehenswürdigkeiten" eines Ortes, wenn die Bedingungen nicht stimmen!
12:41 Uhr
habicht: Wenn man diesen Text liest, wird es einem übel, in Bezug auf die Tierhaltung in zoologischen Anlagen! Leoparden sind zum laufen gemacht!, diese auf ein paar begrenzten Metern zu halten, verstößt nicht nur meiner Ansicht nach, gegen das Tierschutzgesetz, es ist einfache keine artgerechte Haltung!!!
Dass die Tiere sich dann unnormal verhalten ist ja klar! Würde er sonst mit 50km/h gegen die Gitter gedonnert sein!??! Er hat es deutlich gezeigt, viele andere zeugen es nicht ganz so deutlich, aber trotzdem sichtbar! Das dürften wir eigentlich nicht mehr unterstützen!!! Es müsste weniger Zoos und Tierparke geben, dafür aber mit viel größeren Gehegen!
Das ganze ist keine Sehenswürdigkeit, sondern erbärmlich, traurig!