Cornelia Kriegsmann erläutert den Schülern des Beruflichen Schulzentrums für Wirtschaft und Sozialwesen aus Schwarzenberg die Ausstellung "Irrgarten". In dieser geht es um sexuellen Missbrauch von Kindern.
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Wanderausstellung "Irrgarten" thematisiert sexuellen Missbrauch von Kindern
Schau geht an die Nieren
Bad Schlema. Augen. Immer und immer wieder Augen. Augen im Inneren einer Flamme, Augen an der Wand, Augen an den Ästen eines Baums. "Es soll endlich mal jemand hinschauen und etwas dagegen tun - dies wollten die Frauen mit ihren Bildern ausdrücken", erläutert Cornelia Kriegsmann ihren Zuhörern die Werke im "Irrgarten". Die Wanderausstellung des Verein "Teddybär" aus Rodewisch über den sexuellen Missbrauch von Kindern ist noch bis zum 10. Juni in der Turnhalle an der BadSchlemaer Rathausstraße aufgebaut.
Einige Bilder sind von einer bestürzenden Eindeutigkeit. So wie jenes eines schwarzen Schattenmanns, der sich mit erigiertem Penis der entblößten Scham eines kleinen Mädchens nähert. Ein Hund sieht zu und erhöht die Demütigung des Opfers. Andere - wie jenes des gefesselten schwarzen Engels - sind subtiler. Allen gemeinsam ist die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, die sie verströmen. Die düsteren Botschaften spiegeln sich auf den Gesichtern der 18 Schüler des BSZ für Wirtschaft und Sozialwesen aus Schwarzenberg wider, die an diesem Tag durch die Ausstellung geführt werden. Die Schau ist nichts, um einfach hindurch zu schlendern, deshalb kann man sie nur in sachkundiger Begleitung besuchen. "Die Ausstellung macht etwas mit einem", diese Erfahrung hat Cornelia Kriegsmann oft gemacht.
Wie viele Fälle von sexuellem Missbrauch im Kreis aktenkundig sind, ist nicht bekannt. Das Jugendamt hat nach eigenen Angaben keine Zahlen dazu. In Deutschland wurden geschätzt zehn Prozent der Frauen und zwei Prozent der Männer als Kinder sexuell missbraucht. "Sollte ein Kind beispielsweise regelmäßig Bauchschmerzen bekommen, wenn der Besuch bei einem Onkel ansteht, sollte dies schon zu denken geben", sagt Cornelia Kriegsmann. Andere Indizien können Magersucht, extreme Anhänglichkeit an die Mutter oder Waschzwang sein. Das Mädchen oder der Junge fühlt sich durch die Geschehnisse beschmutzt und versucht, dies abzuwaschen.
Augen, die sehen - doch die Münder schweigen. Das Martyrium geht jahrelang weiter. Auch diese Erfahrungen haben die Frauen in ihren Bildern festgehalten. Die Zeichnungen rütteln auf, nicht wegzuschauen, sondern zu handeln. "Manchmal ahnen beispielsweise Nachbarn, dass etwas nicht stimmt", sagt Cornelia Kriegsmann. "Die Polizei zu verständigen ist dann der falsche Weg. Wenn Beamte - am Ende noch ein Mann - das Kind einfach mal so befragen - erzählt es nie etwas. Dazu ist es zu traumatisiert." Besser sei es, sich an das Jugendamt oder an Vereine wie "Teddybär" zu wenden.
Service:
Der Verein "Teddybär" aus Rodewisch ist jeweils dienstags bis donnerstags von 11 bis 18 Uhr unter der Rufnummer 03744 48314 erreichbar.

