Nils Leonhardt aus der Klasse 5b der evangelischen Mittelschule "Emil" in Schneeberg hat wie seine Freunde Spaß am Sport. Neuerdings paukt er dabei auch noch Englischvokabeln. Denn der Junge macht bei einer Studie mit, die den Zusammenhang von Bewegung und Lernen zeigen soll.
Foto: Katja Lippmann-Wagner
Wissenschaftler bringt Fünftklässler in Schwung
Studie soll klären, ob körperliche Bewegung auch Konzentration und Lernen fördert
Schneeberg/Aue. Auf den ersten Blick unterscheiden sich die beiden fünften Klassen der evangelischen Mittelschule "Emil" in Schneeberg kaum. In der 5a lernen 20 Mädchen und Jungen, in der 5b sind es 21 Kinder. Doch während Erstere ganz normal ihren Unterricht absolviert und als Kontrollgruppe dient, wird in der anderen mehr Sport getrieben. Hat dies eine Auswirkung auf die Konzentrations- und Lernfähigkeit der Schüler? Das soll geklärt werden.
"Zu den Maßnahmen gehören eine Wochenstunde für Rückenschule und eine bilinguale Sportstunde", sagt Sportwissenschaftler Horst Josef Koch, der Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Helios-Klinikum Aue ist. Bei der zweisprachigen Sportstunde handelt es sich um eine Englischeinheit in der Turnhalle. Während sich die Kinder bewegen, pauken sie Vokabeln. Etwa bei Staffelspielen.
Über die Studie will man herausfinden, ob und wie sich körperliche Ertüchtigungen auf schulische Leistungen auswirken. Bewusst wurden Fünftklässler als "Versuchskaninchen" ausgewählt. Sie haben einen besonders großen Bewegungsdrang. Zudem stecken sie mitten im teils kniffligen Übergang von Grund- auf die Mittelschule. An der evangelischen Einrichtung in Schneeberg wird das vielfältig berücksichtigt. Es gibt zum Beispiel einen Bolzplatz. "Und bezüglich der Studie waren die Eltern sofort einverstanden, ihre Kinder daran teilhaben zu lassen", sagt Schulleiterin Antje Böhm.
Mütter und Väter von Knirpsen aus Klasse 5a bedauerten sogar, dass ihre Kinder zur Kontroll- statt zur Versuchsgruppe gehören. "Auch ihnen geht nichts verloren. Wir wissen ja nicht, zu welchem Ergebnis die Studie kommt", so Böhm. Die Mitarbeit am wissenschaftlichen Test passe ins Konzept von "Emil". Pfarrer Frank Meinel vom Vorstand des evangelischen Schulvereins: "Wir haben einen ganzheitlichen Ansatz. Alles geschieht vor dem Werthintergrund des christlichen Glaubens." Mit der Studie könnte sich die Schule entwickeln. "Eltern fragen verstärkt nach Inhalten. Und der Abschluss soll ja auf das Berufsleben oder auf eine weiterführende Schule vorbereiten", so Meinel.
Bewegungsstudie und Lernpensum stünden dabei keineswegs im Widerspruch. Im Gegenteil: "Immerhin soll die Wissensvermittlung bestmöglich gelingen." Der Versuch basiert auf drei Säulen: die Kinder absolvieren den Münchner Fitness-, einen Aufmerksamkeits- und einen Konzentrationstest. Dazu füllen sie jeweils einen Fragebogen zu ihrem Freizeitverhalten aus. "Wir haben innerhalb eines Jahres vier Untersuchungszeitpunkte gesetzt", so Studienleiter Koch.
Die erste Kontrolle gab es vor den Herbstferien - als Auftakt. Die zweite Untersuchung folgt vor den Winterferien. Die Ergebnisse der ersten Etappe überraschten Koch positiv. "Die Kinder sind fit. Auch ihr Konzentrationsvermögen ist gut." Ausreißer nach oben und unten fänden sich logischerweise ebenfalls - sowohl in Test- als auch in Kontrollgruppe. "Dabei geschieht alles anonym", sagt der Sportwissenschaftler.
Nebeneffekt: Die Fünftklässler gewinnen der wissenschaftlichen Arbeit viel ab, haben spürbar Spaß dabei. Anfang des nächsten Schuljahrs soll die Pilotstudie vorläufig abgeschlossen werden. Laut Koch schließt sich dann mit dem Auswerten der gesammelten Daten die eigentliche Herausforderung an.


