Auf der Skaterbahn in Aue war Kenny verunglückt.
Foto: Publicpix
Aue: Darf ein FC-Bayern-Wappen auf das Grab eines toten Kindes?
Kirche prüft Ansinnen - Bis dahin hat der verstorbene Junge keinen Grabstein
Aue. Der Junge wurde nur 13 Jahre alt. Fotos erinnern an ihn, ein Steppke mit langen, blonden Haaren. Es gibt auch Bilder, die ihn mit lachendem Gesicht und rot-weißem Fußball-Schal zeigen. Kenny, der in die Mittelschule Aue-Zelle ging, war begeisterter Anhänger des FC Bayern München. Bis er letzten Sommer ums Leben kam. Jetzt will seine Mutter Doreen, dass das Wappen seines Lieblingsvereins auf den Grabstein kommt. Doch geht das überhaupt?
Am 17. Juli 2012 war Kenny auf der Skater-Bahn auf dem Anton-Günther-Platz in Aue gestürzt, er zog sich Verletzungen zu. Zwei Wochen später starb er an Herzversagen. Einen Zusammenhang zwischen dem Sturz und dem Tod des Jungen gab es aber offenbar nicht. "Der FC Bayern war seine große Leidenschaft. Kenny hätte sich gewünscht, dass das Vereinswappen auf den Grabstein kommt", sagt Mutter Doreen. Doch laut ihrer Aussage hat sich die Begeisterung der zuständigen evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde St. Nicolai Aue in Grenzen gehalten. Tatsächlich handelt es sich um einen schwierigen Fall. Denn es gibt klare und auch strenge Richtlinien. So dürfen an die Grabsteine dieses Friedhofes zum Beispiel auch keine Bilder der Verstorbenen angebracht werden. Pfarrer Jörgen Schubert räumt aber ein: "Wenn uns ein konkreter Entwurf vorliegt, werden wir den Fall prüfen." Bis dahin hat Kenny keinen Grabstein.
Im Ruhrgebiet gab es unlängst einen ähnlichen Fall. Eine Kirchgemeinde verwehrte den Eltern eines verstorbenen Jungen einen Borussia-Dortmund-Grabstein. Laut dortiger Friedhofsordnung muss ein Grabstein in Verbindung zum christlichen Glauben stehen. Diesen Zusammenhang sah die Gemeinde nicht und verweigerte den BVB-Grabstein - bis nach einem Sturm der Entrüstung in der Öffentlichkeit die Kirche einlenkte. "Das macht mir Mut", sagt die 34-Jährige.
Doch der Mutter drückt auch noch an einer anderen Stelle der Schuh. Die gelernte Bürokauffrau ist allein erziehend, zieht zwei weitere Kinder groß. Der Grabstein ist teuer. Deshalb sucht die Frau Menschen, die helfen, ihrem Sohn den Wunsch zu erfüllen.


06:31 Uhr
ernstel1973: @finnas: Wie sind Sie denn drauf? Wenn der Junge nun mal ein Fußballfan war, dann darf der Grabstein entsprechend kreativ gestaltet sein. Hier wird doch keine Ideologie verherrlicht. Wo bitte schön steht, dass ein Friedhof dunkel, koniferenbewachsen und ansonsten trostlos aussehen muss?
Ein Kreuz ist auch ein Symbol der Folter und eine Ideologie, die das Blut von Millionen Menschen an den Händen kleben lässt. So rein waschen kann sich keiner. Umsonst hat uns - wenn Sie so wollen - der liebe Gott (ich bin ja eher für die Natur) nicht individuell gestaltet und genau so kann ein Friedhof aussehen. Nicht jeder will einen Schrein mit Erinnerungen zu Hause ständig vor Augen haben oder ein leeres Kinderzimmer. Jeder trauert und verarbeitet anders. Ist das so schwer zu akzeptieren - gibt es keine wirklichen Probleme, um die wir uns zu kümmern haben?
Die Bevormundung der Kirche geht hier eindeutig zu weit. Sogar nach dem Tod leben die Scheinheiligen ihre Machspielchen aus. Was gibt es denn da noch zu überlegen? Muss Hochwürden erst seinen obersten Boss fragen, dauert die Datenübertragung so lang oder was soll der Schwachsinn? Die Würde des Friehofs geht wegen dem FC Bayern-Logo ganz bestimmt nicht verloren, eher durch die unzähligen Folterinstrumente die dort schlummern bzw. durch so einen Artikel.
Die Mutter soll sich ein Hilfskonto bei der Bank einrichten lassen und einen Spendenaufruf über die Presse starten. Ich werde meinen Beitrag leisten.
15:15 Uhr
hkremss: @finnas: "... wo soll das hinführen ?"
Was ist das denn für eine beschränkte Begründung, den Wunsch abzulehnen? Diese Aussage allein zeugt von einem ganz erheblichen Mangel an Toleranz Ihrerseits.
14:14 Uhr
finnas: Vielleicht klingt das herzlos, aber ich würde die Mutter , für die ich viel Mitgefühl habe, bitten, sich das alles nochmal zu überlegen. Jeder Mensch hat ein andere hobbys, Interessen, Neigungen, Idole usw. Wenn jeder seine Symbole auf dem Friedhof darstellen oder dargestellt haben will, wo soll das hinführen ? Das hat nichts mit mangelnder Toleranz zu tun, aber am Ende muß der Friedhof für alle ein Ort der Andacht und Würde bleiben. Es bleibt doch jedem vorbehalten, seine ganz spezifische Erinnerung zu Hause zu pflegen. Ein Bild mit einem Gegenstand, der dem Verstorbenen lieb war - es gibt doch viele Möglichkeiten der Trauer und Erinnerung.
09:56 Uhr
Hansiflo: Ein Grab mit seinem Grabstein ist ein Ort der Trauer und der Stein darf auch den Wunsch eines Verstorbenen zum Ausdruck bringen. So z.B. einen Spruch der ihm wichtig war, oder ein passendes Symbol. Natürlich sollte das alles ins Werteverständnis unseres Volkes passen. Bestimmten Zeichen und Symbolen, die ich hier nicht näher benennen möchte, würde ich auch nicht zustimmen. Auch den Wunsch, dass kein Name genannt wird, sollte man respektieren. Bestimmt möchte die Mutter überhaupt nicht, dass der gesamte Grabstein ein einziges FC-Bayern Wappen wird. Vielleicht gelingt es allen Beteiligten einen Kompromiss zu finden. Ich jedenfalls wünsche Pfarrer Schubert und seinem Kirchenvorstand eine Entscheidung, die beiden gerecht wird. Eine Entscheidung, die der Welt zeigt, dass wir Christen im Hier und Heute leben und dass wir unseren Nächsten lieb haben. Ein angemessen großes (kleines) Symbol des Lieblingsvereines des verstorbenen Jungen wird weder dazu führen, dass der FC-Bayern von Gott künftig bevorzugt wird und wird auch nicht dazu führen, dass wir unsere kirchlichen Ordnungen nicht ernst nehmen. Wir dürfen hier als evangelische Christen unseren Staub genau so entfernen, wie wir es immerzu von unseren katholischen Geschwistern verlangen. Wir sollten stets darüber nachdenken, wie es geht und nicht zu allererst darüber nachdenken wie es nicht geht. Toleranz ist keine Beliebigkeit und hat noch nie geschadet, wenn sie auf Augenhöhe gelebt wird.