Ehrenbürger Ehrenbürger Heinrich Georgi kennt die wechselvolle Geschichte der Bergstadt.

Foto: Lars Rosenkranz

Ehrenbürger bittet: Der Name Johanngeorgenstadt muss bleiben

Heinrich Georgi hat sein gesamtes Leben in Johanngeorgenstadt verbracht

Johanngeorgenstadt. Es sollen 100 Familien gewesen sein, die heute vor 358 Jahren am Fastenberg die Stadt Johanngeorgenstadt gegründet haben. 300 Exulanten, die aus dem katholischen Böhmen ins protestantische Sachsen geflohen waren. "Es war ein bitterkalter Winter, und es gab es nur wenige Häuser in Wittigsthal und in Jugel. Die Leute müssen abwechselnd geschlafen haben", erzählt Heinrich Georgi, der eine Broschüre zur Stadtgeschichte veröffentlicht hat, über das harte erste Jahr der Menschen in seiner Heimatstadt. Sachsens Kurfürst Johann Georg I. erlaubte, dass sich die Flüchtlinge hier ansiedelten.

Das Ende ist schon 60 Jahre her

In Johanngeorgenstadt, das seither des Fürsten Namen trägt, wird der Stadtgründung häufiger als in jedem anderen Ort gedacht. Hier werden nicht nur die runden Jubiläen gefeiert. Der Stadtgründungstag wird in jedem Jahr begangen, aber der 358. ist vermutlich der letzte, den die Bergstädter in Eigenständigkeit erleben. Denn Johanngeorgenstadt muss sich aufgrund seiner schlechten finanziellen Lage mit einer Nachbarkommune vereinigen.

Für Heinrich Georgi ist der 23. Februar immer ein ganz besonderer Tag. Das historische Geburtsdatum seiner Stadt ist gleichzeitig auch sein eigener Geburtstag. Heute wird Georgi, den seit langem alle nur Heiner nennen, sodass dieser Vorname sogar auf offiziellen Urkunden steht, 89 Jahre alt. Heiner Georgi war Lehrer und stellvertretender Bürgermeister in Johanngeorgenstadt, bei den ersten freien Wahlen nach der Wende bekam er von allen Kandidaten die meisten Stimmen.

Als ehrenamtlicher Kampfrichter im Wintersport erwarb er sich hohes Ansehen, und für die Sanierung der Altstadtkirche und ihres Gemeindehauses warb er mehr als 100.000 Euro an Spendengeldern bei ehemaligen Johann'städtern ein. Seit acht Jahren ist er Ehrenbürger. Keine Frage, sein Herz schlägt für Johanngeorgenstadt. Trotzdem sieht er im bevorstehenden Ende der Eigenständigkeit eine Notwendigkeit: "Wir müssen den Realitäten ins Auge sehen. Als Stadt mit weniger als 4000 Einwohnern können wir nicht mehr alleine wirtschaften." Aber ist diese Kommunalehe - voraussichtlich mit Breitenbrunn - nicht auch das Ende der einst so stolzen Bergstadt?

"Nein", meint Heiner Georgi. "Das Ende kam bereits mit der Wismut nach dem Zweiten Weltkrieg." Damals wurde ein Großteil der historischen Stadt abgerissen. Auch Heiner Georgis Eltern, die ein Ladengeschäft am Markt besaßen, verloren alles. So wie ihnen ging es fast allen Handwerkern und Gewerbetreibenden. "Die Stadt büßte ihren Mittelstand ein. Nach der Wende fehlten uns diese Leute, um etwas Neues aufzubauen", sagt der 89-Jährige.

Eine Geste an die Stadt

Einer der großen Streitpunkte bei der vermutlich unabwendbaren Vereinigung mit der Nachbargemeinde Breitenbrunn ist der Name der künftigen Einheitskommune. Die Bergstädter sind mit der Forderung in die Verhandlungen gegangen, dass die neue Stadt natürlich Johanngeorgenstadt heißen müsse. Das ist bei ihren Nachbarn nicht gut angekommen. "Ich möchte die Breitenbrunner darum bitten, dass sie in der Frage mit sich reden lassen", sagt Heiner Georgi. "Johanngeorgenstadt trägt den Namen eines sächsischen Kurfürsten. Der Name muss erhalten bleiben. Hier ist doch schon so viel anderes kaputtgegangen."

Am Samstag, wenn die Stadt ihren Gründungstag begeht, feiert Heiner Georgi seinen Geburtstag. Einer der Gäste ist sein Schwiegersohn Matthias Rößler, der Präsident des sächsischen Landtages. Er hat sich bereiterklärt, die Feier im Hause Georgi für eine Stunde zu verlassen und beim Berggottesdienst in der Altstadtkirche ein Grußwort zu sprechen. Es ist kein rundes Jubiläum, das einen solchen Auftritt nahelegen würde. Aber es ist eine Geste an die Stadt und ihre Bewohner.

Das Programm zum Stadtgründungstag am Samstag beginnt um 15.45 Uhr mit einer Bergparade vom Stadthaus an der Exulantenstraße zur Altstadtkirche. Um 16 Uhr folgt ein Berggottesdienst in der Kirche. Dort wird auch ein Ehrenpreis an einen verdienstvollen Bürger der Stadt vergeben.

 
erschienen am 22.02.2012 ( Von Mario Ulbrich )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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