Gemeindefusion: Drei Partner - drei Meinungen
Bärenstein, Jöhstadt und Königswalde führen Gespräche
Die Gemeinden Bärenstein und Jöhstadt wären die Wunschpartner für die Gemeinderäte von Königswalde, das wurde in einer der jüngsten Beratungen zum Thema Gemeindefusion deutlich. Wenn-gleich sich der reichlich 2300 Einwohner zählende Ort auch andere Optionen noch offen hält, wie der stellvertretende Bürgermeister Ronny Wähner sagt.
Doch derer gibt es nicht allzu viele: Ein Blick ins benachbarte Sehmatal ist aus Sicht der Königswalder wenig aussichtsreich, da es die Gemeinde mit ihren vier großen Ortsteilen schon allein auf mehr als 7000 Einwohner bringt - 2000 mehr als die gesetzlich geforderten 5000. Auch ein Anschluss an die Kreisstadt Annaberg-Buchholz spielt in den derzeitigen Überlegungen eher eine untergeordnete Rolle. Bei annähernd 2000 Einwohnern im Vergleich zu rund 20.000 Einwohnern bleibe vermutlich nicht mehr viel Eigenständigkeit von Königswalde erhalten, befürchtet auch Bürgermeister Wolfgang Hotze (parteilos). Im Gegensatz dazu könne mit Jöhstadt und Bärenstein eine starke ländliche Einheit mit etwa 8000 Einwohnern geschaffen werden, die zukunftsträchtig sei und auch einen Gegenpart zum starken Mittelzentrum Annaberg-Buchholz bilden könnte.
Unterschiedliche Standpunkte
Doch während das Königswalder Gemeindeoberhaupt angesichts der demografischen Entwicklung in den drei Gemeinden dringenden Handlungsbedarf sieht, kommen aus der gegenwärtig reichlich 2400 Einwohner zählenden Kommune Bärenstein keinerlei derartigen Signale. Obwohl mit dem Nachbarn eine Verwaltungsgemeinschaft existiert. Momentan werde dort kein Gesprächsbedarf gesehen, berichtet Ronny Wähner. Eine Haltung, die in Königswalde zum Teil Unverständnis hervorruft. Doch Bärensteins Bürgermeister Bernd Schlegel (Wählervereinigung Bärensteiner Liste) vertritt dazu einen klaren Standpunkt: "Der Gemeinderat hat entschieden, die Verwaltungsgemeinschaft mit Bärenstein zu erhalten. Er hat sich aber auch klar dazu positioniert, die Eigenständigkeit des Ortes so lange wie möglich zu erhalten. Deshalb sehe ich im Moment keinen Grund für entsprechende Verhandlungen." Zudem werde die seit 1996 bestehende Kooperation als sehr gut funktionierend eingeschätzt.
Neue Wege
Generell fordert der Bärensteiner ganz neue Wege, um dem demografischen Wandel und seinen Folgen zu begegnen. Allein von Gemeindezusammenschlüssen würde es nicht mehr Einwohner in den ländlichen Regionen geben. "Das führt nicht zu grundlegenden Veränderungen", ist der überzeugt. Als Beispiel für solche neuen Wege führt er Finnland an, wo Teile der Zentralverwaltung bewusst in die Provinz verlagert würden, um diese zu stabilisieren. Trotz allem sieht er für einen möglichen Gemeindezusammenschluss in Königswalde den bevorzugten Partner. Schließlich sei auch die Verwaltungsgemeinschaft nicht so ohne Weiteres auflösbar.
Klare Richtung
Für Jöhstadt ist und bleibt Königswalde erster Ansprechpartner in Sachen Gemeindereform, verweist Jöhstadts Bürgermeister Holger Hanzlik auf einen entsprechenden Beschluss des Stadtrates. Einen Termin für ein Zusammengehen kann Hauptamtsleiter Jan Schreiter momentan aber noch nicht nennen. Mit Sicherheit passiere es dieses Jahr aber nicht mehr, sodass beide Kommunen auch nicht in den Genuss der sogenannten Hochzeitsprämie kommen, die der Freistaat Sachsen in voller Höhe nur noch bis 31. Dezember zahlt. Verhandlungen mit der anderen Nachbarkommune Mildenau gebe es im Moment keine. Dort ist man zwar auch weiterhin auf Brautschau, sieht aber bis zur Landtagswahl 2014 keinen dringenden Handlungsbedarf. Wenn überhaupt, erwartet Bürgermeister Konrad Vogel (CDU) erst danach restriktivere gesetzliche Regelungen. (mit met)


