Der Dauerfrost beeindruckt ihn wenig: Schwimmmeister Jürgen Loth nimmt ein kühles Bad im Schwarzen Teich zwischen Gelenau und Auerbach.
Foto: Fabian Mattern
Kältewelle lässt nicht alle Erzgebirger kalt
Hochdruckgebiete Cooper und Dieter bringen seit Tagen sibirische Kälte nach Deutschland
Sehmatal/Annaberg-Buchholz . Nächtliche Temperaturen deutlich unter der Minus-Zwanzig-Grad-Marke und auch tagsüber kommt das Quecksilber nur zaghaft aus den unteren Regionen des Thermometers heraus - die aktuelle Kältewelle wird zunehmend zur Herausforderung für Mensch und Technik. Auch wenn sich manche Erzgebirger, wie beispielsweise Eisbader Jürgen Loth von den anhaltend eisigen Temperaturen nicht beeindruckt zeigen.
Feuerwehr im Einsatz
Zu einem außergewöhnlichen Einsatz wurden am Donnerstagabend die freiwilligen Feuerwehren aus Neudorf und Kretscham gerufen: Auf der zugefrorenen Sehma am Kohlweg in Neudorf drohten die Eismassen zu wachsen und der Wasserspiegel zu steigen. Eine Gefahr für die angrenzenden Grundstücke, die überflutet werden könnten. Aufgabe für die Einsatzkräfte: Die teils mehrere Zentimeter dicke Eisdecke auf der Wasseroberfläche aufbrechen und so den normalen Fluss der Sehma wieder gewährleisten. "Insgesamt waren wir mit etwa 20 Kameraden vor Ort," erläutert Einsatzleiter Andreas Koch. Das Eis wurde mit sogenannten Einreißhaken aufgebrochen. Als Ursache für das ungewöhnlich schnelle Zufrieren des Gewässers wird vermutet, dass Schnee in die Sehma geschippt wurde - obwohl das strikt verboten ist. Spuren von Schneeschippen ließen am Donnerstagabend diese Schlussfolgerung jedenfalls zu.
Bahn trifft Vorkehrungen
"Die Temperaturen sind zwar zum Zittern, aber wir zittern noch nicht", kommentiert Wolfgang Leibiger von der Erzgebirgsbahn die momentane Kältewelle. Dennoch hat das Unternehmen bereits reagiert und erste Vorkehrungen getroffen: "Unter anderem haben wir Umläufe und Dienstpläne verändert", erläutert Leibiger. Beispielsweise würden Fahrzeuge über Nacht auf Bahnhöfe geholt, wo sie warm gehalten werden können. Durch die umgestellten Dienstpläne werde zudem ständige Kontrolle gewährleistet, um zum Beispiel bei einem plötzlichen Stromausfall umgehend reagieren zu können.
ADAC-Truppe im Dauereinsatz
Deutlich dramatischer bekommt das Team von Joachim Martin vom gleichnamigen Autoservice in Annaberg-Buchholz die Auswirkungen der eisigen Kälte zu spüren. Als Partner des ADAC helfen er und seine Mannschaft unter anderem, wenn das Auto nicht anspringen will. "Seit Donnerstag herrscht Ausnahmezustand", konstatiert Mitarbeiterin Anja Clauß und spricht von Wartezeiten von zwei bis drei Stunden. Dabei war das fünfköpfige Team allein am Freitag seit um drei am Morgen rund um die Uhr im Einsatz - drei Abschleppwagen und zwei Pannenhelfer.
Wasserversorger noch entspannt
Noch entspannt wird bei der Erzgebirgischen Trinkwasser GmbH (ETW) in Annaberg-Buchholz die Lage bewertet. Dabei zeichnet das Unternehmen täglich für die Versorgung von annähernd 168.000 Einwohnern im Erzgebirgskreis und in kleinen Teilen des Nachbarlandkreises Mittelsachsen mit Trinkwasser verantwortlich. "Bei den Havarien gibt es bisher noch nichts Außergewöhnliches", konstatiert Fachbereichsleiterin Jana Kempe. Allerdings meldeten die Kunden seit gestern zunehmend Frostschäden, wie zum Beispiel eingefrorene Wasserzähler.
Technik hält noch durch
Entgegen anders lautenden Gerüchten gibt es bei den hiesigen Tankstellen noch keine Beeinträchtigungen durch den Dauerfrost. "Es gibt keine Engpässe. Auch die Technik hält gut durch", sagt Michael Weber, der unter anderem die Annaberger Aral-Tankstelle betreibt. "Viel kälter darf es aber nicht mehr werden", sagt er.


