Hotelpächterin Yvette Preiß an der Baustelle in Hohndorf. Die Zufahrt zum Fleischerberg (rechts im Bild) ist derzeit nicht über die Alte Oelsnitzer Straße möglich. Dass es eine Umleitung gibt - sie führt hinter dem Schild zum Hotel "Walderholung" entlang - weiß offenbar nicht jeder.  
Hotelpächterin Yvette Preiß an der Baustelle in Hohndorf. Die Zufahrt zum Fleischerberg (rechts im Bild) ist derzeit nicht über die Alte Oelsnitzer Straße möglich. Dass es eine Umleitung gibt - sie führt hinter dem Schild zum Hotel "Walderholung" entlang - weiß offenbar nicht jeder.

Foto: Andreas Tannert

Kleine Schilder mit fataler Wirkung für Hohndorfer Hotel

Hotel "Walderholung" beklagt enorme Umsatzeinbußen - weil viele Gäste offenbar ein Baustellen-Schild missverstehen

Hohndorf. Das Hotel "Walderholung" in Hohndorf liegt idyllisch auf einer Kuppe, umgeben von Wäldern. Wer Ruhe und Erholung sucht, findet sie auf dem Fleischerberg. Für Pächterin Yvette Preiß ist es dort oben jedoch seit einigen Monaten zu ruhig. Die Zufahrt über die Alte Oelsnitzer Straße zu der Herberge mit neun Zimmern und Restaurant ist beidseitig aufgerissen. Wer zum Hotel will, muss den Weg über die Puschmannstraße nehmen - und stößt, wenn er der Ausschilderung folgt, auf ein kombiniertes Verkehrsschild: ein weißer Linksabbiegerpfeil auf rundem Blau, darunter ein Rechteck mit der Aufschrift "Baustellenfahrzeuge frei".

Offenbar interpretieren insbesondere auswärtige Autofahrer diese Hinweise falsch: Sie kehren um - zumal auch die Piste links ab auf den ersten Blick nur für Offroad-Boliden oder Bagger befahrbar scheint. Wer sich traut, stößt 30 Meter weiter aufs nächste Hindernis: eine schmale Überfahrt vorbei an einem tiefen Erdkrater, ausgehoben für den Austausch eines Wassersammlers.

Pächterin Preiß ist erzürnt, empfindet ihr Hotel seit Monaten durch Baustellen mehr oder weniger komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Sie beklagt im Vergleich zum Vorjahr Umsatzeinbußen von rund 40.000 Euro und sieht die Existenz des Familienbetriebs gefährdet. "Durch diese Baustelle kommt man nur mit viel Mut durch", sagt sie. "Unseren Lieferanten müssen wir inzwischen schon entgegenkommen, selbst Tiefkühlprodukte in ein kleineres Auto umladen und die Kühlkette unterbrechen, weil die Lieferanten nicht durch das Nadelöhr beim Wassersammler kommen. Auswärtige Gäste beschweren sich, dass sie uns nicht finden können."

Diese beiden Schilder versteht offenbar mancher Hotel-Gast falsch.

Foto: Andreas Tannert

"Uns will niemand zuhören"

In seiner Not hat kürzlich ein Lieferant einen Waldweg genutzt, der parallel hoch zum Hotel führt. Doch die Polizei stoppte ihn und drohte mit einem Ordnungsgeld. Pächterin Preiß fühlt sich von der Gemeinde im Stich gelassen. In Kürze beginnen die Enduro-Cross-Meisterschaften in der Region. "Das belgische Nationalteam wohnt bei uns." Es will mit einem Caravan anreisen, aber der werde wohl auch nicht durch die Baustelle kommen. Preiß: "Wir wollen keinen Streit und haben es im Guten versucht, doch bei der Gemeinde will uns niemand zuhören."

Bürgermeister Matthias Groschwitz (CDU) habe von den Problemen indes durch die "Freie Presse" zum ersten Mal gehört. "Ich verstehe nicht, dass das Hotel nicht schon längst direkt auf mich zugekommen ist. Wir hätten sicher für die Anlieferung eine Lösung gefunden." Der Baustellenleiter sei sehr kooperativ. "Für Lkw hätte der sicherlich zusätzliche Stahlschwellen über das Erdloch gelegt, wenn uns die Termine gemeldet worden wären." Grundsätzlich widerspricht Groschwitz allerdings der Pächterin. "Natürlich kommen da zurzeit keine Busse durch, aber für Pkw und Kleintransporter war und ist der Fleischerberg jederzeit erreichbar. Dafür haben wir ja extra eine Einbahnstraßen-Regelung gewählt." Der Linksabbiegerpfeil leite den Verkehr nach links durch die Baustelle, das Zusatzschild "Baustellenfahrzeuge frei" regele, dass Baustellenfahrzeuge auch geradeaus fahren dürften. "Auf diese Beschilderung haben wir als Gemeinde keinen Einfluss. Die wird von der Verkehrsbehörde so vorgegeben."

Rat zu "Zufahrt frei"-Zeichen

Verkehrsexperte Markus Löffler vom ADAC Sachsen bestätigt das: "Eigentlich ist an dieser Beschilderung nichts falsch zu verstehen." Um Missverständnisse zu vermeiden, rate er der Pächterin aber, die Verkehrsbehörde und die Gemeinde zu bitten, einen "Zufahrt zum Hotel frei"-Hinweis aufstellen zu dürfen.

Die Bauarbeiten an dem Wassersammler sollen laut Bürgermeister heute beendet werden. Bis Ende Oktober soll auch der Verkehr auf der Alten Oelsnitzer Straße wieder fließen. Der Bürgermeister und die Pächterin haben inzwischen miteinander geredet. Groschwitz verspricht: "Wir helfen dem Hotel. Die Schwarzdecke werden wir zum Beispiel an den Ruhetagen der Walderholung aufbringen, weil wir die Straße dafür voll sperren müssen."

 
erschienen am 10.09.2012 ( Von Jürgen Becker )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
2
(Anmeldung erforderlich)
  • 13.09.2012
    12:39 Uhr

    shanie: Hallo Frau Preiß,
    wenn ich an Ihrer Stelle waere, würde ich versuchen den Verdienstausfall einzuklagen.

    0 0
     
  • 11.09.2012
    19:32 Uhr

    ankatus: Liebe Frau Preiß, wir leben in Deutschland mit seinen sturen, rechthaberichen Beamten.

    0 0
     

 
 
 
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