Kompromiss für Güllebecken in Sicht

Agrargenossenschaft ist bereit, den geplanten Standort um rund 80 Meter zu verlegen

Haselbach. Das Verfahren, das aus Sicht der Erzgebirgischen Agrargenossenschaft Forchheim in den Bau eines Gärrestesammelbehälters bei Haselbach münden soll, ist ins Stocken geraten. Auf Antrag der Genossenschaft ruht derzeit das Bauantragsverfahren beim zuständigen Landratsamt in Freiberg. Wie weit die Behörde mit ihrer Arbeit bisher ist, dazu wollte sich André Kaiser, Sprecher des Landratsamtes Mittelsachsen, nicht äußern. Nur so viel: "Das Verfahren ist weit fortgeschritten."

Gunar Lantzsch vom Vorstand der Genossenschaft begründet den Schritt mit einem Kompromiss, der mit Bewohnern von Neuhaselbach getroffen worden sei. Zwar liegt der geplante Standort im Flurbereich von Niedersaida und somit im Kreis Mittelsachsen. Doch gegen das Becken waren vor allem die Bewohner aus dem Pfaffrodaer Ortsteil Sturm gelaufen, deren Häuser nicht weit entfernt stehen. Ursprünglich wollte die Agrargenossenschaft den Behälter mit einem Durchmesser von 35 Metern an der B101 am Abzweig Haselbach errichten. "Nun ist geplant, 80 bis maximal 100 Meter weiter in Richtung Pockau zu gehen", erläutert Lantzsch. Weil das Becken damit aber näher am Wald errichtet werden würde, müsse der Ausbreitungsbereich insbesondere von Ammoniak untersucht werden. "Es gibt Regeln für den Abstand vom Wald. Dafür sind neue Berechnungen und Zeichnungen nötig."

Laut Agrargenossenschaft würde das Becken damit dann an der Grundstücksgrenze stehen. "Weiter geht's nicht", sagt Lantzsch. "Aber so ist das Becken aus der Sichtachse der Bewohner raus und das Gefälle führt nicht zum Dorf, sondern Richtung Bundesstraße." Anwohner wie Annelie Gläßer fürchten neben dem Anblick und möglicher Geruchsbelästigung vor allem, dass der Inhalt des Beckens in ihr Dorf laufen könnte, sollte es einmal bersten. Die 62-Jährige bestätigt die Vereinbarung mit der Agrargenossenschaft, die bisher nur mündlich getroffen worden sei. "Wir sind nicht stur. Deshalb sind wir bereit, bei einer Baugenehmigung auf einen Widerspruch zu verzichten, wenn gewisse Forderungen eingehalten werden."

Dazu zählt nicht nur die Verlegung des Standortes, wobei Annelie Gläßer hofft, dass es am Ende 150 Meter sein werden. Sie verlangt zudem, dass die Fläche um das Becken bepflanzt und keine Rohgülle in dem Behälter gelagert wird. "Das können wir zusichern. Daran soll es nicht scheitern", sagt Lantzsch. "Wir werden den Behälter auch soweit es geht versenken und mit Erde anschütten." Je nach Bodenverhältnissen hofft er, dass von dem sechs Meter hohen Becken letztlich nur zwei Meter sichtbar bleiben. Gunar Lantzsch lobt die Zusammenarbeit mit Anwohnern und Gemeinde. "Wir wollen ja nichts gegen die Anwohner unternehmen."

Mit dem Verzicht auf Widerspruch kann Annelie Gläßer zunächst nur für sich sprechen. Grund seien auch die geringe Aussicht auf Erfolg und die vermutlich hohen Kosten. Ein Weg, den nach eigenen Worten Hans-Peter Thieme mittragen kann. Der Neuhaselbacher hat wenig Hoffnung, dass sich der Bau noch verhindern lässt. "Wir haben so gekämpft. Aber am Ende wird das Becken wohl gebaut werden."

Bis Mitte, Ende Juli hat die Agrargenossenschaft nun Zeit, die Unterlagen nachzureichen. Dann wird die Bauaufsicht in Freiberg den Antrag weiterbearbeiten. Gunar Lantzsch macht keinen Hehl daraus, dass die Zeit knapp wird. "Jeder Monat, der vergeht, ist ein Problem." Denn erst mit der Baugenehmigung könne die Agrargenossenschaft Fördermittel für Investitionen in den Stallbau beantragen, wozu auch das Güllebecken zähle. "Bei Fördermitteln gilt das Prinzip: Wer zuerst kommt, kriegt am meisten." Sollte die Genehmigung erteilt werden, rechnet Lantzsch dennoch nicht vor der zweiten Jahreshälfte 2013 mit dem Baubeginn.

 
erschienen am 21.06.2012 ( Von Kathrin Weigert )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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