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Seit 1977 zeichnet Günter Helzig (l.) als Schriftführer des Posaunenchores für die Chronik verantwortlich und bereitet mit Chorleiter Christfried Borowski das Festkonzert zum Ephoralen Posaunentreffen in der Großolbersdorfer Kirche vor.

Foto: Matthias Degen

Chronik eines Klangkörpers: Posaunenchor feiert 70-Jähriges

In Großolbersdorf werden aus Anlass des Geburts- tages des Ensembles am Sonntag rund 100 Bläser aus dem mittleren Erzgebirge erwartet.

Von Matthias Degen
erschienen am 21.04.2017

Grossolbersdorf. Nicht allzu oft nimmt Günter Helzig die alten Dokumente zur Hand. Bis in die Nachkriegszeit reichen die tagebuchähnlichen Unterlagen des Großolbersdorfer Posaunenchores zurück. Tuba spielt der 65-Jährige und führt seit 1977 als Schriftführer die Chronik der Kirchenmusiker, die in diesem Jahr auf ihr 70-jähriges Bestehen zurückblicken können.

Anfangs noch mit altdeutscher Handschrift verfasst und heute reich bebildert, beginnt sie von einer Zeit der Orientierungslosigkeit zu erzählen. Nach den Schrecken des Krieges und in der sich anschließenden Armuts- und Hungerszeit fanden viele Menschen den Weg in die Kirchen. Entsprechend hoch war die Bereitschaft der Gläubigen, sich im Dienste des Herrn einzubringen und den Gottesdienst auch musikalisch zu begleiten.

In Großolbersdorf fasste Hans Schier die Initiative. Der damalige Diakon und Gemeindekatechet hatte in seiner Heimatstadt Dresden Flügelhorn gelernt und versammelte 1947 fünf junge Männer um sich. "Keiner von ihnen konnte ein Instrument spielen, doch binnen weniger Wochen hatte es ihnen Hans beigebracht", weiß Christfried Borowski zu berichten und spricht von einer musikalischen Herausforderung, die den jungen Leuten damals gelungen sei.

Noten für Trompete, Zugposaune und Tenorhorn lagen auf den Notenständern. "Den Bass musste Gottfried Haase auf einem Bombardon, Vorläufer der Tuba, lernen", berichtet der 66-Jährige. Seit 2011 fungiert er als musikalischer Leiter des Posaunenchores. Nach nur 14 Übungsstunden gab es das erste öffentliche Konzert zur Johannesfeier 1947 mit einfachen Choralsätzen auf dem Großolbersdorfer Friedhof.

Die musikalische Bereicherung des Kirchendienstes war viele Jahre lang der eigentliche Anspruch an die christlichen Laienkünstler. Später kamen öffentliche Auftritte in der Adventszeit, zum Volkstrauertag und in sozialen Einrichtungen hinzu. Repressalien seitens der SED-Führung sah sich der Großolbersdorfer Posaunenchor unter dem Dach der Kirche zu keiner Zeit ausgesetzt. Erst ab 1953 mussten musikalische Darbietungen in staatlichen Institutionen wie Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen offiziell genehmigt werden. "Doch da gab es nie Probleme." Das verhaltene Stillschweigen entsprach auch in Großolbersdorf dem Harmoniebestreben staatlicher Stellen gegenüber der Kirche. Höhepunkte waren deshalb auch die jährlich stattfindenden Posaunenfeste, zu denen sich die Großolbersdorfer mit den Chören des Kirchenbezirkes zum gemeinsamen Spiel trafen. Mit 20 Musikern führt der Posaunenchor heute die Tradition seiner Gründungsmitglieder fort. Die Grundschüler Jonas Weber und Jakob Haase gehören zum hoffnungsvollen Nachwuchs und üben außerhalb der regelmäßigen Proben montags im Saal des Pfarrhauses auf ihren Instrumenten.

Das Repertoire ist so vielseitig geworden wie der Anspruch an die musikalische Qualität auch. Bei bis zu 40 Auftritten im Jahr sei man vom Quartett bis zum achtstimmigen Komplettsatz notensicher und werde am kommenden Sonntag einmal mehr den Beweis antreten. Denn dann treffen sich rund 100 Bläser aus dem mittleren Erzgebirge zum Ephoralen Posaunentreffen in der Großolbersdorfer Kirche und geben mit den Gastgebern ein Geburtstagskonzert. Bei Gottfried Haase und Johannes Leiteritz dürfte dieser Tag für besondere Aufregung sorgen. Die beiden Ehrengäste sind die letzten noch lebenden Gründungsmitglieder des Großolbersdorfer Posaunenchores.

Das Ephorale Posaunentreffen findet am Sonntag in der Großolbersdorfer Kirche statt. Beginn der Zusammenkunft ist 14 Uhr. Ab 12 Uhr erklingt im Ort sowie in Hopfgarten, Hohndorf und Scharfenstein ein Grußblasen der Jubilare.

 
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