Marcel Zeun und die anderen Auszubildenden bei der Arbeit im Wald Bei jedem Wetter sind Marcel Zeun und die anderen Auszubildenden bei der Arbeit im Wald. Unter Anleitung von Ausbilder Henry Döring (links) fällt der Lehrling im strömenden Regen Bäume.

Foto: Jan Görner

Ein Traumberuf zwischen Natur und Mathematik

44 junge Leute absolvieren sachsenweit erstes Forstwirtlehrjahr

Marienberg/Olbernhau. Es regnet in Strömen, doch die angehenden Forstwirte im Forstrevier Olbernhau schert das wenig. Unter den Augen von Forstwirtschaftsmeister Henry Döring fällen sie Bäume, vor allem Buchen. "Schwachholzernte - die starken Bäume kommen in der Ausbildung später", sagt er. Bis Mai sind die Auszubildenden in der praktischen Phase, dann geht es ins Internat ins vogtländische Morgenröthe-Rautenkranz: Dort stehen unter anderem Fachrechnen, Wirtschafts- und Gemeinschaftskunde sowie Umweltschutz auf dem Programm. "Eine 5 oder 6 in Mathe auf dem Zeugnis ist ungünstig. Es sind Rechenkünste gefordert, wenn ich einen Zaun baue", sagt Pressesprecher Thomas Köhler über eine Voraussetzung für den Beruf. Auch beim Gifteinsatz in der Borkenkäferbekämpfung gilt: Mathekenntnis ist gefragt.

Doch im Moment sind die praktischen Fähigkeiten der Lehrlinge gefragt: Sie ernten Holz, pflanzen, bauen Zäune, reparieren Kanzeln und Hochsitze und fahren nach Dresden, um sich die Submission hochwertiger Hölzer anzuschauen.

Nicht alle Auszubildenden sind familiär vorbelastet, was die Berufswahl angeht, so wie der Augustusburger Marcel Zeun: Vater, Onkel und Opa - alle beim Forst. Gänzlich ohne Vorwissen waren aber auch andere Lehrlinge nicht: Sie absolvierten etwa ein Freiwilliges Ökologisches Jahr oder mehrere Praktika.

Zunächst seien die Berufsaussichten im Forst gar nicht gut gewesen. Er habe Tischler gelernt und auch als solcher gearbeitet, erzählt Marcel Zeun: "Ich wollte unbedingt etwas mit Holz machen." Dann änderte sich die Situation, und er wechselte in seinen Traumberuf. Henry Döring bestätigt die Tendenz. Erstmals habe der Sachsenforst 2011 14 ausgelernte Forstwirte befristet eingestellt, in den Jahren zuvor seien es immer fünf gewesen. Auch die Geschäftsleitung des Sachsenforsts bescheinigt Forstwirten sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt, sowohl im Sachsenforst selbst als auch bei privaten Forstdienstleistungsunternehmen.

Die Auszubildenden haben, was ihre Zukunft angeht, ganz unterschiedliche Vorstellungen. Diese reichen vom Maschinenführer in Schweden über den Forstwirt in heimischen Wäldern bis hin zum studierten Forstwissenschaftler im höheren Dienst. Letztere Laufbahn strebt Florian Gerz aus Limbach-Oberfrohna an. Bildungswege wie die von Marcel Zeun und Florian Gerz seien gar nicht selten, sagt Thomas Köhler.

Der Forstbezirk Marienberg kann ständig 15 Lehrlinge ausbilden - in jedem der drei Lehrjahre fünf. "Bisher haben wir es immer geschafft, mit fünf Auszubildenden zu starten. Es passiert natürlich, dass der eine oder andere aus verschiedenen Gründen abbricht", so der Pressesprecher. Auch Mädchen ziehe es in den Beruf. Moderne Technik, aber auch neue Erkenntnisse in der Arbeitsergonomie leisten dem Vorschub: "Früher haben wir doch alles mit Kraft gemacht." Körperlich anspruchsvoll bleibe der Beruf allemal, und die Bewerber würden im Vorfeld intensiv auf ihre Tauglichkeit überprüft.

Im Forstbezirk Marienberg existieren insgesamt drei Ausbildungsreviere: Olbernhau, Hirschberg und Zöblitz. Diesen sind Ausbilder zugeordnet, die Forstwirtschaftsmeister. Die praktische Ausbildung der angehenden Forstwirte erfolgt unterdessen nicht nur in den Revieren. In Olbernhau, der Außenstelle des Forstbezirks, befinden sich in einem Nebengebäude unter anderem auch eine Metall- und eine Holzwerkstatt.

Nicht nur der Staatsbetrieb Sachsenforst bildet Forstwirte aus. Außer in neun Forstbezirken lernen Jugendliche derzeit auch in einem privaten und einem kommunalen Unternehmen.

 
erschienen am 23.01.2012 ( Von Babette Zaumseil )
 
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