Björn Browatzki (vorn) hatte großen Spaß beim Aufbau des Krötenzaunes an der Waldstraße zwischen Olbernhau und Pfaffroda. Seine Mutter Diana Browatzki (links) und ihre Freundin Eva Braun (Mitte) halfen ebenfalls gern mit. An dem Zaun lassen sich auch manchmal andere Tiere wie Haselmaus und Kreuzotter entdecken.
Foto: Jan Görner
Einsatz für die Erdkröte lohnt sich offenbar
Helfer bauen Zäune auf und berichten von gleichbleibender und gewachsener Population der Amphibien - In einer Nacht 700 Tiere gesammelt
Marienberg/Zschopau. Marienberg/Zschopau. Den Erhalt der Artenvielfalt in der Region hat sich Wilfried Reimann auf die Fahnen geschrieben. Für die Erdkröte setzt sich der Olbernhauer, Mitglied im Naturschutzbund (Nabu), Kreisverband Mittleres Erzgebirge, besonders ein. Mit weiteren Helfern, auch vom Förderverein Natura Miriquidica, hat der 74-Jährige auf einer Waldstraße zwischen Olbernhau und Pfaffroda auch in diesem Jahr einen etwa 250 Meter langen Krötenfangzaun aufgebaut, der die Tiere bei ihrer jährlichen Wanderung zum Laichgewässer vor dem Straßentod retten soll.
Wenn sich die Erdkröten nachts auf der Straße befänden, könnten vorbeifahrende Autos ganze Populationen vernichten, sagt Wilfried Reimann. Seit 1992 errichtet er den Zaun an dieser Stelle. Ein Engagement, das sich offenbar gelohnt hat. "Am Anfang sammelten wir 200 bis 300 Tiere, mittlerweile sind es pro Jahr 800 bis 1000."
Den Winter über verbringt die Erdkröte zum Beispiel unter Laub oder Wurzelhöhlen. Immer im Frühjahr nimmt sie nachts den Weg aus diesem Quartier zu ihrem Geburtsgewässer zum Laichen auf sich. Die Erdtemperatur muss dazu um die fünf Grad betragen, ein warmer Regen treibt die Tiere in Massen auf die Reise, so der Fachmann für Amphibien und Reptilien.
Jeden Morgen zwischen 7 und 8 Uhr läuft Reimann in diesen Tagen den Zaun entlang, sammelt die Tiere, die 10 bis 15 Jahre alt werden können, ein. "Das muss manchmal schnell gehen. Wenn die 30, 40 Kröten zu lange im Eimer liegen, bekommen sie Stress." Er bringe sie dann zu einem Teich. Auch Gymnasiasten würden ihm helfen und Kindergartenkinder sich das gern anschauen. Etwa drei Wochen lang stehe der Zaun. Die Rückkehr ziehe sich über den ganzen Sommer hin. "Die Zerschneidung der Landschaft durch Straßen und der Verkehr gefährden die Tiere sehr", weiß Reimann.
Erdkrötenmännchen (oben) und -weibchen.
Foto: Landratsamt
Mobile Zäune, insgesamt auf drei Kilometern Länge, errichtet auch die Kirchliche Erwerbsloseninitiative Zschopau seit Ende der 90er-Jahre. Mitarbeiter Mario Brückner (39) koordiniert den Aufbau an befahrenen Straßen in Marienberg, Pockau, Zöblitz, Großrückerswalde, Schlößchen, von Waldkirchen in Richtung Grünhainichen sowie von Gelenau nach Wilischthal. Um die Betreuung des letzteren Zaunes, der auf Weißbacher Flur liegt, kümmert er sich selbst.
"Jeden Morgen sammle ich dort die Erdkröten ein. An einem wärmeren Tag in diesem Jahr waren es 700. In kalten Nächten um die null Grad Celsius ist nicht viel los", berichtet er. Rund 2000 Tiere jährlich könne er vor dem Tod auf der Straße retten: "Der Einsatz lohnt sich, die Population zumindest an meinem Zaun ist nicht zurückgegangen." Im Schnitt würden an den Zäunen, die die Kirchliche Erwerbsloseninitiative Zschopau betreut, rund 7000 bis 8000 Tiere pro Jahr erfasst, ergänzt Udo Kolbe, Leiter der Abteilung Umwelt, Ländliche Entwicklung und Forst im Landratsamt.


