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Schülersprecherin Jenny Neumann (15) findet es gut, dass Eltern jetzt dieNoten ihrer Kinder im Internet kontrollieren können. Die Trebra-Oberschule hat 200 Euro für die Anschaffung der Software bezahlt.

Foto: Foto: Jan Görner

Eltern kontrollieren Schulnoten im Netz

Die Trebra-Oberschule in Marienberg hat eine neue Software. Der Hersteller garantiert Datenschutz. Doch es gibt Zweifler.

Von Christoph Pengel
erschienen am 21.03.2017

Marienberg. Die Tage sind vorbei, in denen Schüler ihre Noten verheimlichten, indem sie Unterschriften fälschten. Zumindest an der Heinrich-von-Trebra-Oberschule in Marienberg ist das seit diesem Schuljahr nicht mehr möglich. Eine neue Software versetzt Eltern in die Lage, die Noten ihrer Kinder online einzusehen. "Wir sind ganz begeistert davon", sagt Wolfgang Härtel, der Leiter der Schule.

Das funktioniert so: Wenn Lehrer die Leistung eines Schülers beurteilen, tragen sie die Note nicht nur ins Klassenbuch ein, sondern auch in das neue Computerprogramm. Eltern nehmen dann Einsicht auf einer Internetseite, indem sie ein individuelles Passwort eingeben. So können sie jederzeit den Zensurenstand in allen Fächern nachvollziehen. Der Vorteil ist laut Härtel, dass Eltern sehen, wo sich ihr Kind verbessern kann - oder muss, falls die Versetzung auf dem Spiel steht. Seine Einrichtung ist im Erzgebirgskreis eine der ersten, die so ein System nutzen. Der Bildungsagentur sind jedenfalls keine anderen öffentlichen Schulen bekannt. Das Greifenstein-Gymnasium in Thum, eine Schule in freier Trägerschaft, praktiziert allerdings seit einigen Jahren ein ähnliches Modell.

Jenny Neumann, Schülersprecherin der Trebra-Oberschule, ist von dem System überzeugt. Gute Schüler, zu denen sie sich selbst zählt, hätten kein Problem mit der neuen Transparenz. Weniger gute Schüler empfänden es jedoch manchmal als unangenehm. Ein Übermaß an Kontrolle kann sie darin aber nicht erkennen. Schließlich mussten Schüler ihre Noten schon immer ihren Eltern vorlegen. Benno Schwarz, der Elternvertreter, lobt das System als "direkt und zeitnah".

Anderswo hadern Pädagogen noch mit den neuen Möglichkeiten. "Ich bin ein Freund direkter sozialer Kommunikation", sagte zum Beispiel Robby Buttke, der Leiter des Marienberger Gymnasiums, als er vor einigen Wochen gefragt wurde, ob er sich vorstellen könnte, so eine Software an seiner Einrichtung einzuführen. Zudem äußerte er datenschutzrechtliche Bedenken: "Was passiert, wenn etwas nach außen dringt?" Als Schulleiter wäre er dann verantwortlich und müsste sich vor den Eltern rechtfertigen.

Solche Vorfälle, wie Buttke sie beschreibt, habe es bisher nicht gegeben, sagt Holger Dietzsch, Geschäftsführer der Fuxmedia GmbH in Dresden. Seine Firma entwickelte die Software, die derzeit - neben der Trebra-Schule - zirka 15 Schulen in Sachsen nutzen. Was den Datenschutz angeht, sagt Dietzsch: "Wir wissen, dass es Bedenken gibt." Deshalb würden Programmierer an neuen Sicherheitsupdates arbeiten. Darüber hinaus werde gerade ein System mit Transaktionsnummern (Tan) getestet. Das Prinzip ist vom Online-Banking bekannt: Zusätzlich zum Passwort müssen Nutzer bei jedem Zugriff ein weiteres Kennwort eingeben. Diese Tan ist ausschließlich für einen Vorgang gültig.

Für Verona Fuchs, die Leiterin des Olbernhauer Gymnasiums, kommt ein Online-Noten-System zurzeit nicht infrage. "Wir erziehen Schüler zur Selbstständigkeit", sagt sie. Eltern, die sich dennoch über den Notenstand ihrer Kinder informieren wollen, könnten jederzeit Kontakt mit den Lehrern aufnehmen, auch ohne Software. Den Datenschutz-Aspekt will Verona Fuchs nicht beurteilen, weist aber auf ein anderes Problem hin: den personellen Aufwand. "Wozu sollte ich weitere Arbeit für die Lehrer produzieren?"

Trebra-Schulleiter Härtel räumt ein, dass die "doppelte Buchführung" gerade am Anfang Lehrern Mühe bereitete: "Aber dieser Aufwand wird dadurch wettgemacht, dass sie beim Erstellen der Zeugnisse weniger Arbeit haben." Die Zeugnisse können einfach ausgedruckt werden, ähnlich wie Kontoauszüge.

Rolf Otto, der Leiter des Zschopauer Gymnasiums, sieht derzeit keinen Anlass, den Eltern einen Online-Zugang zu den Noten zu verschaffen. Er stellt das Vertrauensverhältnis zwischen ihnen und den Kindern in den Vordergrund: "Die Technik steht an zweiter Stelle." Doch wenn der Datenschutz gewährleistet ist und sich die Technik irgendwann flächendeckend verbreiten sollte, gebe es keinen Grund sich davor zu verschließen.

 
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