Die Geschwister Christina und Jonathan Weigelt haben hinter dem Steuer eines H 6 Platz genommen. Den lenkt normalerweise Matthias Müller, der ihn im Auftrag des Regionalverkehrs Erzgebirge nach Marienberg fuhr.
Foto: Jan Görner
Fleischer-Bus-Treffen in Marienberg: Historische Busse sorgen für Nostalgie
17 der insgesamt noch existierenden 25 Fahrzeuge sowie Mobile anderer Marken waren auf dem Markt zu finden
Marienberg. Jonathan Weigelt hatte Mühe, das riesige Lenkrad zu umfassen. Bewegen konnte er es nicht. Zu schwer für den Siebenjährigen. Die Aussicht von dort auf die vielen Oldtimer-Busse auf dem Marienberger Markt fand er aber toll. Wie seine Schwester Christina Weigelt fährt er jeden Tag im Bus zur Schule. "So alte Modelle sieht man selten", meinte die Achtjährige. Deshalb genossen die Pobershauer Geschwister das fünfte Fleischer-Bus-Treffen, das dieses Mal in der ehemaligen Kreisstadt stattfand.
Der Bus, in dem die Weigelts saßen, war zwar keiner aus der Geraer Busschmiede Fleischer, aber das störte sie nicht. Ihnen gefiel der 1958 in Werdau gebaute H 6 B. Matthias Müller aus Limbach-Oberfrohna fuhr ihn im Auftrag des Regionalverkehrs Erzgebirge nach Marienberg. "Das ist noch schwere Arbeit", sagte er. Mit diesen alten Bussen hat der Kraftfahrer seine berufliche Laufbahn begonnen. Heute fährt er den H 6 immer noch regelmäßig zu Sonderfahrten.
Die Modelle der Firma Fleischer gelten unter den Busfahrern, die in der DDR ausgebildet wurden, als etwas ganz Besonderes. "Derzeit sind noch 25 Fleischer-Busse zugelassen", sagte Kerstin Döhler. Mit ihrem Mann hat sie das Treffen vorbereitet. Immerhin 17 Exemplare waren auf dem Marienberger Markt zu sehen. Seit zehn Jahren finden die Treffen im Zweijahresrhythmus statt. Jedes Mal ist ein anderes Busunternehmen mit Fleischer-Bussen für die Organisation zuständig.
Eigentlich wollten es die Döhlers, deren Unternehmen in Altenhain ansässig ist, in Chemnitz organisieren. Dort fanden sie jedoch keinen geeigneten Platz. "Der Markt in Marienberg ist dafür perfekt", so die 52-Jährige. Schließlich ist das Quadrat weitläufig genug, und die rege nachgefragten Bustouren können dort ausgezeichnet ihren Anfang nehmen, wie Kerstin Döhler erklärte. Sie sieht in dem Treffen auch eine Chance für die Region. "Die Busunternehmer kommen aus ganz Ostdeutschland hierher, und vielleicht nimmt der eine oder andere von ihnen, nachdem er sich umgeschaut hat, Marienberg in seinen Katalog auf", meinte sie.
Die Besucher des Treffens nahmen nicht nur die Busse genau unter die Lupe und gingen mit ihnen auf Tour. Sie lauschten auch den Geschichten, die die Busfahrer und Unternehmer mit ihren Fahrzeugen erlebten. Überall kursierten Fotoalben mit Aufnahmen, die die Busse fern der Heimat oder während ihres Entstehungsprozesses zeigten. Hinter jedem verbirgt sich eine Geschichte. So war es zu DDR-Zeiten von Vorteil, bei der Bestellung eines Busses bestimmte Teile mitzubringen. "Ich kann mich noch daran erinnern, wie wir die Teile für die Busse zusammengetragen haben", so die Altenhainerin. Motoren, Getriebe, Fahrgestelle mussten die Auftraggeber in das Privatunternehmen bringen. Dort haben die Fleischer-Spezialisten alles zusammengefügt und die Karosserie aufgebaut. "Wir haben damals sogar Mitarbeiter unserer Firma für den Zusammenbau nach Gera abgestellt, damit die Arbeit schneller ging", erzählte Kerstin Döhler. Das Treffen in Marienberg wertete sie als vollen Erfolg.

