Ina Hirche aus Dresden trat in der Marienberger Baldauf-Villa als Augusta Anna Constantia von Friesen auf. Dort gaben sich unter anderem auch Zar Peter I. und Kurfürst Friedrich August von Sachsen ein Stelldichein.
Foto: Jan Görner
Gesamter Hofstaat zieht sich in die warme Baldauf-Villa zurück
Nasskaltes Wetter beschränkt Osterflanieren in Marienberg auf das Innere des Hauses
Marienberg. Seine Majestät Zar Peter I. hat sich nach Sibirien versetzt gefühlt, als er am Ostersamstag an der Marienberger Baldauf-Villa aus seiner Kutsche stieg. Schneeflocken wirbelten um ihn herum. Die Kälte ließ ihn mit den Zähnen klappern. Und so etwas zu Ostern! Zusammen mit anderen Vertretern der europäischen Hocharistokratie wollte er durch die Große Kreisstadt flanieren. Daraus wurde jedoch nichts. Schließlich wollte sich seine Hochwohlgeboren weder Kleider verderben noch Stiefel beschmutzen.
Der Zar heißt in Wirklichkeit Reinhard Lauterbach. Bei der Kutsche, aus der er stieg, handelt es sich um seinen 18 Jahre alten Fünfer BMW. Zähneklappern und geplatztes Osterflanieren waren jedoch echt. Bereits zum zweiten Mal gastierte die Arbeitsgemeinschaft (AG) Barock in Marienberg und bot ihr buntes Programm oder besser zwei unterhaltsame Lehrstunden zum Thema Barock. Das Vermitteln der authentischen Lebensumstände dieser Zeit bei Hofe bildet den zentralen Hintergrund der AG. So zeigten sich die etwa 20 Mitglieder allesamt in historischen Roben. Die Mätresse des Kurfürsten von Sachsen und Königs von Polen Friedrich, August Maria Aurora Gräfin von Königsmarck, erklärte, welch hohen Einfluss sie bei Hofe und damit auf die Politik des Landes hatte. In ihre Robe war die Dresdnerin Ines Lauterbach geschlüpft. Einen Hauch des höfischen Luxus versprühte Angelika Grunwald als Tänzerin Acasya. Während sie in der Baldauf-Villa ihre Tücher durch die Luft wirbelte, wirbelten draußen dicke Schneeflocken durch die Luft. Welche Musik die Damen und Herren einst bei Hofe erfreute, vermittelte den etwa 30 Besuchern Hofsängerin Regine Baronesse de Moretti mit Liedern wie "Ännchen von Tharau". Deren Robe trug Regina Schwabe aus Dresden. Andere Mitglieder der AG zeigten typisch barocke Tänze.
Aus der Region Marienberg zählte Sabine Marz zum Hofstaat der Herrschaften. Allerdings entschied sie sich am Morgen gegen die ursprünglich ausgesuchte Robe á la Polonaise. "Darin hätte ich wahrscheinlich gefroren", sagte die Lengfelderin. Sie trug deshalb eine selbst gemachte sogenannte Redingote - eine mantelähnliche Reisekombination aus Wolle.

