Frank Rottluff vom Oberbergamt Freiberg erkundet den Hohlraum unter der Pobershauer Turnhalle.
Foto: J. Görner
Gestein wird zweischichtig aus dem Berg geholt
Arbeiten an Hohlraum unter gesperrter Pobershauer Turnhalle in vollem Gange - Sicherung steht zunächst im Vordergrund
Pobershau. Pobershau. An dem Bergbauhohlraum unter der Turnhalle in Pobershau gehen die Sicherungsarbeiten gut voran. Das hat Frank Rottluff, zuständiger technischer Sachbearbeiter beim Sächsischen Oberbergamt Freiberg vor Ort, bestätigt.
Derzeit befördern Mitarbeiter der beauftragten Bergbau und Tiefbau GmbH Oelsnitz (BTOe) loses Gestein aus dem Hohlraum ans Tageslicht. Dabei sind sie mit Vorschlag- und elektronischem Pickhammer sowie Schaufeln im Einsatz. Ziel ist es, dass die aus Sicherheitsgründen gesperrte Turnhalle zu Schuljahresbeginn wieder für die Benutzung frei gegeben werden kann. "Deshalb wird in zwei Schichten gearbeitet", erläutert Rottluff.
Die Sportstätte war gesperrt worden, nachdem Anfang Mai der Hohlraum unter einer Ecke des Gebäudes entdeckt worden war. "Wir sanieren seit einem Jahr den Walfisch Stolln als zentralen Entwässerungsstollen in Pobershau. Dabei sind wir auf einen rund 50 Kubikmeter großen Abbau hinter der Schule gestoßen - beeindruckend groß: Wir können mit der Lampe immer nur einen Teil ausleuchten", berichtet Rottluff. Im Hohlraum sei erkennbar gewesen, dass sich Lockermassen weiter in Richtung Tagesoberfläche ziehen. Deshalb erkundeten die Experten den Bereich mit Bohrungen, wobei sie auf den Hohlraum unter der Halle trafen. Die Mitarbeiter der BTOe gruben einen 8,50 Meter tiefen Schacht und sicherten diesen mit Stahlträgern und Spritzbeton. Unter Tage stellten sie fest, dass ein Teil des Abbaus 5 Meter lang, 1 bis 1,50 Meter breit und 5,50 Meter hoch ist. Er verläuft in südwestlicher Richtung auf den großen Hohlraum zu, reicht bis an das Fundament der Halle heran und liegt voller Geröll. "Sicher geht dieser Hohlraum bis zum großen weiter", meint Rottluff. Etwa 20 Meter beträgt der Abstand zwischen beiden. Bis eine Verbindung hergestellt ist, kann es bis Jahresende dauern.
Zunächst stehe jetzt die Sicherung im Vordergrund, damit kein Gestein nachbricht, der Schutz der Arbeiter gewährleistet ist und die Turnhalle wieder benutzt werden kann. Deshalb wird das erste Stück des Ganges mit Beton und Stahl befestigt. Erst dann wird weiterer lockerer Gneis herausgeräumt und auch ein zweiter Teil des Hohlraums, der in Richtung Rathausstraße verläuft, erkundet. Zur dauerhaften Verwahrung soll alles einmal mit Beton ausgefüllt werden. Die Kosten dafür bewegen sich im sechsstelligen Bereich, so Rottluff.
Unbekannt ist, aus welchem Jahrhundert der Abbau des Erzgangs Kapphahner Flügel stammt. "Es wäre selten, wenn wir im Archiv darauf stießen. Vielleicht finden wir auch Ausbauholz, anhand dessen Alter man sich an einen Zeitpunkt herantasten könnte", so Rottluff. Wahrscheinlich sei aber, dass an der Stelle Silbererz abgebaut wurde.


