Etwa 1,20 Meter hoch stand das Wasser zur Flut 2002 bei Andreas Glöckner im Keller seines Hauses an der Olbernhauer Straße.
Etwa 1,20 Meter hoch stand das Wasser zur Flut 2002 bei Andreas Glöckner im Keller seines Hauses an der Olbernhauer Straße.

Foto: Jan Görner

Hochwasserschutz in Pockau: Baubeginn steht kurz bevor

Fast zehn Jahre nach der letzten verheerenden Überschwemmung stehen die Bauarbeiter an der Flöha in den Startlöchern

Pockau. Immer, wenn es stärker regnet, steht Ruth Sachse am Fenster und schaut gebannt auf die Flöha, die hinter dem Haus an der Olbernhauer Straße in Pockau vorbeifließt. "Wir warten, dass endlich etwas für den Hochwasserschutz getan wird. Es wird Zeit", sagt die 73-Jährige. Bei der Flut 2002 stand das Wasser der Flöha zwei Meter hoch in ihrem Haus, vom Schuppen im Garten war nur noch das Dach zu sehen. Dort wurden jetzt drei Bäume markiert, die demnächst gefällt werden. Insgesamt soll auf den Grundstücken an der Olbernhauer Straße an etwa 40 Bäumen die Säge angelegt werden.

Damit wird der Bau neuer Hochwasserschutzanlagen entlang der Flöha vorbereitet. Wann genau die Bäume gefällt werden, ist noch nicht klar. Noch wartet die Landestalsperrenverwaltung (LTV) auf den Planfeststellungsbescheid für die Hochwasserschutzmaßnahmen. Spätestens Ende März soll das Verfahren bei der Landesdirektion Chemnitz abgeschlossen sein. Der Beschluss ist die Baugenehmigung, erläutert Britta Andreas von der LTV.

Nach Ausschreibung und Auftragsvergabe könnten Mitte des Jahres die Bauarbeiten beginnen. Schon vorher sollen die Bäume fallen - wenn nötig mit einer "Genehmigung zum vorzeitigen Baubeginn", sagt Andreas. Ralf Lerchner, bei der LTV verantwortlich für das Projekt Flöha, rechnet damit, dass Ende Februar, Anfang März die Bäume gefällt werden. Viel später geht es auch gar nicht. Im März beginnt die Vegetationszeit, in der Bäume nicht angetastet werden dürfen.

1,8 Millionen Euro wird der Bau der Hochwasserschutzanlagen an der Flöha kosten. Am linken Ufer soll eine 270 Meter lange Schutzmauer entstehen. Gerechnet von der Gewässersohle, wird diese 2,50 bis 3,30 Meter hoch. In der Nähe der Asphaltmischanlage soll auf 220 Metern ein Deich gebaut beziehungsweise Gelände aufgefüllt werden. Weiter flussabwärts wird am rechten Flöhaufer in Höhe des Busbetriebs Schreiter eine Mauer zum Teil erhöht und um 70 Meter verlängert. Am Zusammenfluss von Flöha und Schwarzer Pockau, an der die Bauarbeiten frühestens 2013 beginnen, sollen die jeweiligen Anlagen durch einen Deich verbunden werden.

Ralf Lerchner rechnet mit einer Bauzeit von einem Jahr. Das bedeute aber nicht, dass im Sommer 2013 die Arbeiten beendet sind. "Es reicht ein regnerischer Sommer. Wenn der Wasserstand zu hoch ist, können wir nicht arbeiten." Zudem müssten Fischschonzeiten beachtet werden.

Sechs Privatpersonen und mehrere öffentliche Träger haben gegen die Vorhaben an der Flöha Einwände erhoben. Unter anderem der Förderverein Natura Miriquidica und der Naturschutzbund Nabu bezogen Stellung. "Wir befürchten, dass sich die Maßnahmen negativ auf den Naturhaushalt des Flusses auswirken", sagt Kay Meister, Vorsitzender des Fördervereins. Vögel könnten nur schwer in den glatten Betonmauern nisten. Durch die Einengung des Flussbettes würde die Hochwassergefahr sogar steigen. "Inwieweit unserer Stellungnahme entsprochen wurde, erfahren wir erst, wenn der Bescheid da ist."

Auch Andreas Glöckner, der an der Olbernhauer Straße wohnt, ist skeptisch: "Der Hochwasserschutz hätte viel früher und viel einfacher gelöst werden können." Er fordert, die brachliegende Fläche auf der anderen Uferseite abzusenken und frei zu räumen. Ob das umgesetzt wird, dazu wollte sich Ralf Lerchner von der LTV mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht äußern.

 
erschienen am 31.01.2012 ( von kathrin Weigert )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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