Mit Sorge beobachten Dagmar Drechsel und Veronika Grahnert (von links) sowie deren Enkelin Angelina auf der Bundesstraße 174 durch Reitzenhain vorbeifahrende Lastkraftwagen.
Foto: Kristian Hahn
In Reitzenhain regt sich Widerstand gegen LKW-Verkehr
Debatte um Umgehungsstraße geht weiter
Reitzenhain. Vor 2013 wird es wohl keine Entscheidung dazu geben, welche Variante einer Umgehungsstraße in Reitzenhain gebaut wird. So lautet jedenfalls die Auskunft von Abteilungsleiter Volkmar Köhler vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr. Zwei Frauen aus dem reichlich 300 Einwohner zählenden Ort wollen den Forderungen der Lärm geplagten Anwohner Nachdruck verleihen und haben sich an zwei Minister gewandt.
Seit der Öffnung des Grenzüberganges für den Lkw-Verkehr Ende 2007 rumort es in dem Marienberger Ortsteil. Die Reitzenhainer machen sich um die Entwicklung ihres von anhaltender Abwanderung geprägten Dorfes und die stark frequentierte B 174 Sorgen. Veronika Grahnert und Dagmar Drechsel wollen, dass der Lkw-Verkehr aus Reitzenhain verschwindet. Grahnert kann sich gar eine Blockade der Bundesstraße 174 vorstellen. "Da würde die Fahrzeugschlange schnell bis nach Dresden reichen", sagt sie, schränkt aber auch ein: Natürlich müsse man sich erst einmal erkundigen, wie so etwas überhaupt rechtlich möglich sei.
Derzeit befindet sich nach Angaben Köhlers die Planung noch immer im Status der Vorplanung. Das heißt, es werden verschiedene Varianten einer Umgehung untersucht. "Besonders die Bewertung der Umweltbelange gestaltet sich an diesem Projekt problematisch und wird die nächsten Monate in Anspruch nehmen."
Die B 174 sei für den Pkw-Verkehr gebaut worden und halte wahrscheinlich dem Druck der Lkw nicht stand, sagt Veronika Grahnert. In diesem Jahr hätten die Mitarbeiter der Straßenmeisterei die Schlaglöcher schon viermal geflickt. Es würden Verkehrsschilder aufgestellt, jedoch seien die Schlaglöcher zum fünften Mal aufgebrochen und noch größer als vorher.
Die lange Gerade vom ehemaligen Grenzübergang durch den gesamten Ort und umgekehrt sei eine Rennstrecke und werde größtenteils auch so benutzt. "In Stoßzeiten ist es schwer, die Straße zu Fuß zu überqueren oder das Grundstück mit dem Pkw zu verlassen. Kinder und alte Menschen müssen an die Hand genommen werden, weil es für sie zu gefährlich ist, die Straße allein zu überqueren. Mit dem Fahrrad können wir ebenfalls nicht auf der B 174 fahren, da es wegen der Lkw zu eng ist.
Wir müssen dafür die Sperrflächen oder den Fußweg nutzen", berichtet Veronika Grahnert über Einschränkungen im Ort. Dagmar Drechsel hat sowohl an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer als auch an den sächsischen Wirtschaftsminister Sven Morlok geschrieben und auf die Situation in dem Ort aufmerksam gemacht: das hohe Verkehrsaufkommen, den Lärm, brenzlige Verkehrssituationen, den Straßenzustand. "Sollte eine Umgehung noch lange auf sich warten lassen, muss die Ortsdurchfahrt schnellstmöglich in einen akzeptablen Zustand gebracht und dann auch erhalten werden", fordert Dagmar Drechsel. Möglicherweise könnten ein Flüsterasphalt, eine Geschwindigkeitsbegrenzung oder die Erhebung einer Maut-Gebühr die Situation entschärfen.
Antwort hat Dagmar Drechsel inzwischen aus dem sächsischen Ministerium erhalten. Das Erheben von Mautgebühren sei in Reitzenhain nicht möglich, schreibt Abteilungsleiter Bernd Sablotny. Zwar gebe es grundsätzlich auch auf Bundesstraßen die Möglichkeit. Die unter anderem erforderlichen Voraussetzungen, dass die Straße mindestens vierstreifig ausgebaut sein muss und eine Anbindung an eine Bundesautobahn besteht, seien bei der B 174 jedoch nicht erfüllt. Die Ortsumgehung ist laut Sablotny in den vordringlichen Bedarf eingeordnet. Die Planungen würden "im Rahmen bestehender Möglichkeiten" weitergeführt. Konkrete Termine könne er aber nicht nennen. Mit der Reduzierung von drei auf zwei Fahrstreifen in der Ortsdurchfahrt sei bereits eine Entspannung der Verkehrssituation erreicht worden.
"Wir haben den Anfang gemacht, jetzt muss etwas passieren", meint Veronika Grahnert. Erst sei die Umgehung versprochen worden und dann Ruhe eingekehrt. Reitzenhainer seien schließlich schon einmal auf die Straße gegangen.


13:24 Uhr
satzing: Das Thema B174 ist das eine, das mittlerweile viele Sattelzüge über die schmalen Strassen der Orte Steinbach, Arnsfeld und Mildenau von und zur Grenze kriechen, ist einen weiterer wichtiger Punkt zum Thema. Die Strassen sind teilweise schon eine Zumutung, es gibt eine richtige Engstelle in Arnsfeld, das Überholen bis Annaberg (25km) ist fast unmöglich und man muss aufpassen, das man selbst mit PKW nicht zerquetscht wird. Wenn es ein Konzept geben soll, dann ein richtiges!