Jugendklub-Besucher in Pfaffroda können sich warm anziehen

Heiz- und Stromkosten haben in der Gemeinde erneut Diskussionen ausgelöst - Jugendliche sehen den Grund nicht nur bei sich

Pfaffroda. Zur jüngsten Gemeinderatssitzung hatte Bürgermeister Reiner Lippmann (CDU) einige Zahlen mitgebracht, die die Aufwendungen der Gemeinde für ihre Jugendklubs verdeutlichen. Seit dem Jahr 2004 hat Pfaffroda knapp 123.000 Euro für die vier Einrichtungen ausgegeben. "Die größten Brocken sind die Strom- und Heizkosten für Hallbach und Dittmannsdorf", kritisierte Lippmann. So werden für Hallbach dieses Jahr Bewirtschaftungskosten von 5700 Euro, für Dittmannsdorf in Höhe von gut 3400 Euro fällig. Dörnthal und Pfaffroda liegen zum Teil mehrere Tausend Euro darunter. Zwar räumte der Bürgermeister ein, dass die Zahlen nicht vergleichbar seien, weil es zum Beispiel in Dörnthal keinen eigenen Stromzähler gebe. "Aber ich habe die Zahlen trotzdem mitgebracht, um mal eine Diskussion zu beginnen. Wir leisten uns einen unheimlich hohen Standard. Das kann so nicht weitergehen."

Und die Diskussion im Gemeinderat folgte. "Das ist ein Unding", schimpfte Peter Müller (Bürgerinitiative Dörnthal und Haselbach). "Ich möchte das Elternhaus sehen, dessen Kinder derart Geld verbraten dürfen." Frank Ehnert (CDU) sagte: "Die Feuerwehr muss über Ausgaben auch Rechenschaft ablegen." Reiner Lippmann regte einen Heizkostenzuschuss von 1000 Euro pro Jugendclub an. "Ich habe die Tabelle vor zwei Jahren schon mal veröffentlicht, und es hat sich nichts getan. Dann müssen es die jungen Leute eben auf einem anderen Weg spüren." Hauptamtsleiterin Dagmar Emmrich wurde noch deutlicher: "Wir haben an die Vernunft appelliert, aber diese Hoffnung haben wir vor zwei Jahren aufgegeben. Die Zeit der netten Diskussionen ist vorbei."

"Es ist eine Frechheit, uns zu unterstellen, wir würden absichtlich die Heizung zu lange laufen lassen oder zu weit aufdrehen", empört sich Georg Klemm aus dem Hallbacher Klub. "Ich habe eine gute Erziehung genossen. Wir machen so etwas nicht mutwillig." Auch Daniel Lohse vom Dittmannsdorfer Klub sagt: "Da würden wir uns ja selbst schaden", räumt aber ein: "Wir hatten voriges Jahr einen hohe Strom- und Heizkostenrechnung. Das war unsere Schuld und eine Ausnahme."

Georg Klemm beklagt, dass der Hallbacher Klub schlecht gedämmt sei. "Anstatt sich über die hohen Heizkosten zu beschweren, hätten für weniger Geld längst neue Fenster eingebaut werden können", sagt der 22-Jährige. Klemm arbeitet in einem Stahlbaubetrieb und hat angeboten, sich um günstige Fenster zu kümmern und diese auch selbst einzubauen. Wenn der Heizkostenzuschuss kommt, sieht Daniel Lohse für Dittmannsdorf dagegen nur eine Konsequenz: "Den Differenzbetrag können wir nicht erbringen. Wir müssten dicht machen."

Die Jugendbeauftragte von Pfaffroda, Katrin Viertel, hofft auf einen Kompromiss: "Ich bin dafür, wenn sich die Gemeinde mehr Struktur wünscht. Aber das muss gemeinsam mit den Jugendlichen ausgehandelt werden. Sie sollten nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden."

 
erschienen am 22.11.2011 ( Von Kathrin Weigert )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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