Auch bei Jörg Neubauer, Geschäftsführer der Erzgebirgs-Fisch GbR Hallbach, kommt zu Silvester Karpfen auf den Tisch. Daneben empfiehlt der Händler und Züchter hausgemachte Fischsoljanka.

Foto: Kristian Hahn

Karpfen gehört zu Silvester "irgendwie dazu"

Fischart ist zum Jahreswechsel Nummer eins - Auch andere Sorten werden beliebter

Marienberg. Fischhändler und -züchter in der Region haben in diesen Tagen alle Hände voll zu tun. Denn bei vielen Erzgebirgern kommt traditionell zu Silvester Fisch auf den Tisch.

"Die älteren Generationen schwören auf Karpfen", weiß Tino Kaden von der gleichnamigen Fisch-Manufaktur, die nach eigener Aussage größter Hersteller von Fisch-Feinkostprodukten im mittleren Erzgebirge ist. Kaden verkauft Frischfisch, räuchert, beizt, mariniert und konserviert aber auch. Über Weihnachten und Silvester gingen so viele Karpfen an den Kunden, wie sonst im gesamten übrigen Jahr: eine ganze Tonne. Die größten Tiere wiegen stolze neun Pfund. "Neben dem Karpfen werden aber von Jahr zu Jahr mehr edlere Sorten und -produkte nachgefragt", berichtet der Marienberger. Seine Angebotspalette reicht deshalb von Bachsaiblingen und Zander über Heilbuttfilets bis zu Matjesheringen. "Ich esse selbst jeden Tag Fisch", verrät Kaden. Zu Silvester kommt bei ihm Karpfen auf den Tisch - gebraten statt blau.

Ein Zulieferer von Kaden ist Matthias Mehner vom Fischereibetrieb in Schönbrunn. Er sieht einen allgemeinen Trend hin zu mehr Fisch auf den Tischen: "Die Nachfrage zu Weihnachten und Silvester hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen." Die letzten zwei Dezembertage seien die "Hauptkampftage" im gesamten Jahr. "Da geht es straff zur Sache." Die klassischen Fischarten, Forelle und Karpfen, würden nach wie vor am häufigsten in den Einkaufskörben zappeln. Im Kommen sei der Stör. "Dessen Fleisch ist sehr derb und er hat keine Gräten." Mehner selbst bevorzugt Karpfen und Lachsforelle. "Mit Käse und Ketschup überbacken und mit Spagetti schmeckt es besonders gut und wird im Tessin so gegessen."

Soljanka und Sushi statt "blau" Dass es nicht immer Karpfen blau sein muss, weiß auch Jörg Neubauer, Geschäftsführer der Erzgebirgs-Fisch GbR mit Stammsitz in Hallbach. Er bietet seit gut einem Jahr Fischsoljanka an und findet viele Abnehmer für die Fertigsuppe in Gläsern. "Karpfen ist vielfältig verwendbar - als Karpfen blau, frittiert, gebacken oder als Grundlage für Sushi", berichtet Neubauer, der in seinem Betrieb sowohl Karpfen und Forellen züchtet, als auch Welse und Hechte anbietet sowie Fisch räuchert. Während übers Jahr die Forelle das Rennen mache, sei der Karpfen zu Silvester "die Nummer eins". Vier Tonnen verkauft der Betrieb davon zum Jahreswechsel. Klar, dass auch bei Neubauers zu Silvester Karpfen auf den Tisch kommt: "Das gehört irgendwie dazu."

Frank Helmert, der mit seinem Bruder Michael den Lebensmittelhandel Landkauf in Niederlauterstein und Zöblitz betreibt, registriert übers Jahr eine gesunkene Nachfrage nach Karpfen. Dann sind die Bratheringe das Standbein der Gebrüder. "Dafür kommen die Leute extra aus Chemnitz und Annaberg und schleppen ganze Kisten weg." Ganz anders zu Silvester: "Da ist der Karpfen eine große Tradition im Erzgebirge", bestätigt auch er. Deshalb wird der Betrieb Dienstag und Mittwoch wieder auf dem Marktplatz von Marienberg lebendigen Karpfen und Forellen samt Wurzelwerk und Meerrettich anbieten - wie in den vergangenen 17 Jahren. Obwohl sich viele jüngere Leute heute nicht mehr die Mühe zum Zubereiten machten: "Sie schieben lieber ein Fischfilet in die Backröhre".

 
erschienen am 29.12.2008 ( Von Franziska Muth und Sandra Häfner )
 
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