Reimund und Ellen Roßmeißl fühlen sich auch im Winter auf dem Seiffener Campingplatz wohl. Temperaturen bis minus 20 Grad Celsius verkraftet der Wohnwagen des Hamburger Ehepaars ohne Probleme.
Foto: Jan Görner
Keine Schneegarantie für zeitig reservierende Urlauber
Manche Gäste suchen unterdessen gerade die Ruhe im Januar - egal, wie das Wetter ausfällt
Marienberg. In den Beherbergungshäusern der Region geht es nach dem Jahreswechsel allgemein wieder etwas ruhiger zu. Doch die nächste Herausforderung hat sich bereits angekündigt. Ende Januar beginnen in Berlin und im Bundesland Brandenburg die Winterferien, die sich zuerst mit Buchungen und schließlich mit der Anreise von Urlaubern bemerkbar machen. Höher gelegene Hotels wie zum Beispiel in der Region um den Schwartenberg sind in Bezug auf Wintersportmöglichkeiten bisher leicht im Vorteil, weil dort ausreichend Schnee vorhanden ist.
Im Ferienpark Seiffen herrschte bis zum Ende der ersten Januarwoche noch reger Betrieb. Gegenwärtig gibt es dort laut Sabine Rudolph aber "eine Flaute". Sie kennt das aus anderen Jahren und meint: "Das ändert sich, wenn Ende Januar im Berliner Raum die Winterferien starten. Andere Bundesländer folgen, und so zieht sich der Ferienbetrieb bis in den März hinein." Aufgrund der Höhenlage bieten sich bereits jetzt verschiedene Möglichkeiten für den Wintersport. Die Tourist-Information Seiffen meldete am Dienstag unter anderem, dass die Schwartenberg-Loipe und die Loipe der Sportwelt mit Anschluss nach Kliny (Göhren) in Tschechien gespurt sind.
Zu Gast ist im Ferienpark Seiffen derzeit das Hamburger Ehepaar Reimund und Ellen Roßmeißl, das dort seit sieben Jahren zu den Dauercampern gehört. Beide genießen die Januar-Ruhe am liebsten bei Wanderungen. Das nasskalte und manchmal nebelige Wetter kennen sie aus ihrer Heimatstadt. Allerdings sind sie froh darüber, dass der Schnee im Moment alles bedeckt. Noch lieber ist Reimund Roßmeißl aber ein richtiger Winter mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Bestens gerüstet ist das Ehepaar: Sein Wohnwagen verträgt Temperaturen bis minus 20 Grad Celsius. Und dass er im Winter sein Wasser aus dem Sanitärbereich holen muss, stört Reimund Roßmeißl nicht. "Bewegung ist doch gut", meint er.
"Bei uns ist schon länger Winter", sagte Gunter Neuber, Inhaber des Hotels Berghof in Seiffen. "Weil wir Schnee haben, kommen auch Gäste." Das sind derzeit zwar zumeist Tagesausflügler, doch auch einige Urlauber, die die Ruhe lieben.
Eine zwölfköpfige Gruppe hat sich am Dienstag aus dem Feriendorf "Schwarzwassertal" in Pobershau verabschiedet - alles Mitglieder einer Familie, von der Großmutter bis zum Enkelkind. Statt Weihnachtsstress und großer Geschenke gab's vier Tage gemeinsamen Aufenthalt in den Ferienhäusern von Familie Arnold. Samt Lamawanderung, Wichtelabend und Kochen ganz in Familie. "So etwas erleben wir zunehmend", erzählt Gunter Arnold.
Im Feriendorf würden viele Stammgäste ihren Urlaub verbringen, mancher sei schon zum 20. Mal da. Die Pobershauer seien aufgrund ihrer Angebote nicht so sehr vom Wetter abhängig. Und die Gäste buchten oft langfristig. "Da weiß noch niemand, ob Schnee liegt", hat Gunter Arnold festgestellt.
In den Angeboten für Urlauber des Hotels Waldesruh in Lengefeld-Vorwerk spielt der Wintersport nicht die dominierende Rolle. "Wir liegen knapp 600 Meter über dem Meeresspiegel, da kann von Schneesicherheit keine Rede sein", sagt Inhaber Jörg Nieschalk. Aus dem Grund lautet ein Angebot von Januar bis März Mini-Winterurlaub, bei dem unter anderem einmal Badespaß im Freizeit- und Erlebnisbad Aqua Marien in Marienberg enthalten ist. Übernachtende Geschäftsleute und private Feiern überbrücken die Zeit, bis die Winterferien das Hotel wieder füllen.
Dezember, Januar und Februar seien die übernachtungsintensivsten Monate im Erzgebirge, weiß Jana Vierig, im Tourismusverband Erzgebirge zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. "Die Gäste buchen meistens ein Jahr im Voraus, und sie reisen trotzdem an, auch wenn das Wetter nicht mitspielt." Absagen hielten sich in Grenzen. Liege kein Schnee, nutzten die Besucher eben andere Angebote, wie Erlebnisbäder und Museen. Schätzungsweise 151.000 Übernachtungen kämen für den Januar im Erzgebirgskreis zusammen, das wäre eine Steigerung um ein bis zwei Prozent. (mit jag)


