Celina Haase und Lisa-Marie Gerlach versorgen gemeinsam Leon Uhlig und Nico Kaden (von links), die bei den Blaulichttagen schwer verletzte Unfallopfer mimen.
Foto: Jan Görner
Kinder üben mit Blaulicht und Filmblut
Rund 90 Mitglieder der Jugendwehren und des Jugendrotkreuzes nahmen an den 6. Blaulichttagen teil
Marienberg. Die Sirene heult. 90 Kinder stürmen in die ihnen zugewiesenen Rettungsfahrzeuge. Dann erfüllen viele schrillende Martinshörner die Marienberger Luft. In Windeseile jagen die Mobile mit Blaulicht vom Marienberger Gerätehaus auf das Gelände der Firma Scherdel. Was so ernst klingt, war nur eine Übung. Das war der Höhepunkt der diesjährigen Blaulichttage in Marienberg, an denen sich 90Akteure der Jugendfeuerwehren Marienberg, Niederschmiedeberg und Großrückerswalde sowie Jugendrotkreuzler aus Marienberg, Pockau, Olbernhau, Zschopau und Großolbersdorf beteiligten. Vor den Augen ihrer Familien zeigten die kleinen Helfer, was sie bereits alles gelernt haben.
Dabei sah das Szenario täuschend echt aus: Dicke Rauchschwaden quollen aus einem Gebäude. Kurze und laute Kommandos folgten. Kinder rollten Schläuche aus und kuppelten sie an die Verteiler an. "Wasser marsch!", tönte es aus der Einsatzleitung. Ein Team aus zwei Jungen stürmte bewaffnet mit dem Strahlrohr das Gebäude. Andere schleppten oder begleiteten mit schlimmen Verletzungen bemalte Kinder heraus. Mädchen und Jungen vom Jugendrotkreuz schienten derweil simulierte Knochenbrüche und verbanden mit Filmblut geschminkte Gesichter.
Die Eltern, Großeltern und Geschwister der Kinder und Jugendlichen standen staunend daneben. Claudia Haase hatte ihre Tochter Celina entdeckt: "Ich hätte nicht gedacht, dass sie so gut Verbände anlegen kann." Gleich neben Celina Haase kniete Lisa-Marie Gerlach. Ununterbrochen redete sie mit einem der scheinbar Verletzten, um ihn so von dem Geschehen und den Schmerzen abzulenken. Lisa-Maries Vater, Thomas Gerlach, war stolz auf sie: "Sie hat schon so viel gelernt."
Stolz war auch Silvio Finger, einer der Koordinatoren der Blaulichttage: "Die Kinder haben sich sehr gut geschlagen." Der 24-Jährige arbeitet ehrenamtlich als Kreisjugendleiter im DRK Mittleres Erzgebirge und ließ die 7- bis 14-Jährigen an diesem Wochenende ihr Können unter Beweis stellen. So lernten die Kinder und Jugendlichen nach und nach, als Team zu funktionieren. "Genau das wollen wir mit den Blaulichttagen erreichen", sagte Silvio Finger. Auf der anderen Seite sei die Veranstaltung für die jungen Leute ein absoluter Höhepunkt: Sie übernachten gemeinsam im Gerätehaus, spielen miteinander, treiben Sport und lernen voneinander.
Derzeit hat das Jugendrotkreuz Mittleres Erzgebirge etwa 100 Mitglieder. Zu den Jugendfeuerwehren dieser Region gehören laut René Ackermann, dem stellvertretenden Kreisbrandmeister, etwa 600 junge Leute. Beide Zahlen sind seit Jahren konstant.


