Kritik an Plänen zum Hochwasserschutz

Anwohner wehren sich gegen Bändigungspläne für die Schwarze Pockau

Pockau. Die Pläne der Landestalsperrenverwaltung (LT`V) zum Hochwasserschutz an der Schwarzen Pockau in Pockau stoßen nicht überall auf Zustimmung. Wenn am 31. Juli die Frist für Einwendungen endet, werden unter anderem Briefe von Gunter Keller und Gerd Glöckner bei der zuständigen Landesdirektion in Chemnitz vorliegen.

Gunter Keller sorgt sich um die Auswirkungen auf das Ortsbild. Dass zum Beispiel am Bergschlösschen auf das bestehende Gelände eine bis zu 1,60 Meter hohe Mauer gesetzt werden soll, hält er für unangemessen. "Vielerorts wird der Blick total verbaut", kritisiert Keller. "Damit geht ein Stück Pockau verloren." Er betont, dass der Ort zwar einen Hochwasserschutz brauche. "Aber mein Eindruck ist: Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen." Auch die Art der Baumaßnahmen stößt den Ingenieur, der nicht direkt an dem Fluss wohnt, auf. "Mitunter sind das Schwergewichtsmauern, die mit riesigem Materialeinsatz eingebaut werden", bemängelt Gunter Keller. "Winkelstützwände oder Fertigteile würden da reichen."

Ob die Kritik berechtigt ist, muss in den nächsten Monaten die Landesdirektion in Chemnitz abwägen. Dort läuft das Planfeststellungsverfahren. Bis Dienstag kann jeder, der seine Belange durch das Vorhaben berührt sieht, dort oder bei der Gemeinde Pockau seine Bedenken anmelden. Nur wer das bis dahin getan hat, kann im weiteren Verlauf des Verfahrens noch Einfluss nehmen.

Bis Mittwoch lagen der Landesdirektion neun Einwendungen vor. Wie viele bisher bei der Gemeinde eingegangen sind, in der die Pläne für einen Monat ausgelegt wurden, war aus dem Rathaus nicht zu erfahren. Das Interesse jedenfalls war groß: "Fast alle Bürger, deren Grundstücke an der Pockau liegen, sowie vier Nichtanlieger haben sich die Unterlagen angesehen", sagt Silke Steinert vom Bauamt. Auch die Gemeinde wird sich zu den Plänen äußern. Bürgermeister Heiko Friedemann (CDU) betont aber, dass man sich ein Stück weit auf die Planer verlassen müsse, die in Pockau den Schutz vor dem "HQ 100"-Ereignis umsetzen - also eine Flut, die statistisch alle 100 Jahre auftritt. "Die Berechnungen basieren auf Modellen. Wenn die Mauern 1,50 Meter hoch sind, dann ist das so. Da kann ich nicht sagen, mir gefallen 1,40 Meter hohe Mauern aber besser."

Gerd Glöckner haben unterdessen die Pläne für den Überlaufgraben bei der Ullmann-Brücke zu einem Einwand bewogen. Den Kanal unweit der Staatsstraße 223, die dort über den Fluss führt, will die LTV schließen. "Das kann ich nicht nachvollziehen. Bei Hochwasser leitet der Flutkanal zusätzlich Wasser ab. Wenn es den Graben nicht mehr gibt, kann die Kreuzung schnell unter Wasser stehen", warnt Glöckner. Die LTV verteidigt die Pläne. "Das Problem ist der rückwärtige Einstau. Wenn der Kanal bei Hochwasser in Betrieb ist, sind die Gebäude dahinter gefährdet", erklärt Frank Hunger, Betriebsteilleiter bei der LTV in Rauenstein. Laut Berechnungen könne der Graben zudem bei einer Flut den Wasserstand der Pockau nur um 20 Zentimeter verringern. Nun ist dort vor den Häusern eine bis zu 1,30 Meter hohe Mauer geplant. Trotz der Kritik sei die LTV dankbar für Hinweise, sagt Hunger. "Lieber jetzt als wenn danach gegen den Beschluss geklagt und der Bau verzögert wird."

 
erschienen am 26.07.2012 ( Von Kathrin Weigert )
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