Ausgebrannte Scheune Nach dem Brand wurde am Montag aufgeräumt. Heureste aus dem ausgebrannten Gebäudekomplex wurden auf die Felder gebracht.

Foto: Jan Görner

Marienberg: Polizei glaubt nach jüngstem Brand nicht mehr an Zufall

Beamte gehen von Brandstiftung aus

Marienberg. Spielt sich in Marienberg gerade eine Brandserie ab, die womöglich auf den gleichen Verursacher zurückgeht? Diese Frage beschäftigt zwei Tage, nachdem an der Reitzenhainer Straße ein Kälberstall in Flammen aufging, nicht nur die Anwohner und Feuerwehrleute in der Stadt. Fest steht: Wie bei den anderen drei größeren Feuern, die sich seit Ende Mai in der Stadt ereignet haben, geht die Polizei auch hier von Brandstiftung aus.

Der Vorfall in der Nacht zu Sonntag, bei dem knapp 120 Helfer gegen die Flammen gekämpft, 30 Kälber gerettet und sich um die zehn Bewohner eines angrenzenden Hauses gekümmert hatten, bildet den vorläufigen traurigen Höhepunkt einer Reihe von Einsätzen: Am Pfingstmontag brannte der Dachstuhl des hinteren Gebäudes der Altstadtkaserne an der Töpferstraße. Am Abend des 20. Juni ging ein Schuppen auf einem Gartengrundstück an der Johann-Ehrenfried-Wagner-Straße in Flammen auf, 35 Zuchthühner im Stall daneben verendeten. Und erst Sonntag vor einer Woche brannte die Außenseite einer Scheune eines Unternehmens am Goldkindstein. All die Brandorte befinden sich im südwestlichen Teil von Marienberg, liegen nicht einmal zwei Kilometer auseinander. Im jüngsten Fall wird erneut ein technischer Defekt ausgeschlossen. Zu dem Feuer im Kälberstall ermittelt die Kripo wegen "schwerer Brandstiftung", bestätigt Polizeisprecherin Heidi Hennig.



Zur Frage, ob die Brände etwas miteinander zu tun haben, ob gar die gleichen Personen dahinter stecken könnten, hält sich die Polizei bedeckt. "Wir können einen Zusammenhang nicht ausschließen. Doch es gibt keine eindeutigen Hinweise", sagt Heidi Hennig. Gemeindewehrleiter Frank Racz, der den Einsatz am Kälberstall geleitet hatte, wird da schon deutlicher. "Das kann nicht normal sein. Meine persönliche Meinung ist: Da zündelt einer." Auch die Marienberger Feuerwehrleute würden es längst aussprechen: "Das kann kein Zufall sein." Vor allem, dass die beiden jüngsten Fälle sich in einer Samstagnacht ereignet haben, gibt Racz zu denken. Auch als Ende Juni am Hotel Drei-Brüder-Höhe ein Papiercontainer in Flammen aufging - der Fall ist bei der Polizei bislang als Sachbeschädigung registriert -, war es Samstag kurz vor Mitternacht. "Man macht sich schon Gedanken, wenn das nächste Wochenende ansteht."

Bei der Ruine des Kälberstalls gingen am Montag die Aufräumarbeiten weiter. Das verbrannte oder nass gewordene Heu wurde auf die Felder gebracht und dort verstreut. Stallleiter Markus Uhlig ist erleichtert, dass kein Lebewesen zu Schaden kam: "Doch wir wissen nicht, wohin mit dem Futter, das noch auf den Feldern steht." Mitarbeiterin Stephanie Walzel, die mit den Feuerwehrleuten die Kälber aus dem Stall trieb, erinnert sich mit Schrecken an die Nacht: "Es fehlte nicht viel und die Tiere wären qualvoll erstickt." Sie ist sich sicher, dass das Feuer nicht zufällig entstand: "Ich hoffe, der Brandstifter bekommt seine gerechte Strafe." (mit jag)

Aufruf

Die Polizei bittet Zeugen, die in der Nacht zu Sonntag rund um den Stall verdächtige Personen oder Fahrzeuge beobachtet haben, sich zu melden, Ruf 037356060. Besonders werden die Insassen jenes Autos gesucht, die vermutlich die Feuerwehr informiert haben.

 
erschienen am 16.07.2012 ( Von Kathrin Weigert )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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