Schneidermeister Markus Seiler nimmt letzte Handgriffe am Bergkittel vor. Etwa drei Tage dauert die Fertigung des Kleidungsstücks - nicht mitgerechnet die Herstellung der Effekten.
Foto: Jan Görner
Marienberger Schneiderei fertigt Festkleidung des Bergmanns
Bergkittel besticht mit schlichtem Schwarz
Marienberg. Wie sie es hinbekommen, dass die Effekten, also aufgenähte Applikationen, auf dem schwarzen Bergkittel derart exakt und wie von unsichtbarer Hand befestigt sitzen, verraten Klaus-Jürgen Seiler und sein Sohn Markus nicht. "Man muss auch ein paar Geheimnisse haben", sagt der Inhaber der Marienberger Firma Trachten-Seiler. Diese widmet sich unter anderem dem Maßschneidern von historischen Uniformen, die Bergknapp- und Bergbrüderschaften tragen. Und eben auch der Herstellung des Freiberger Bergkittels, der auf den ersten Blick schwarz und schlicht wirkt und seine Details erst auf den zweiten Blick preisgibt.
Vorbild ist Trachtenordnung
Beim Bergkittel handele es sich um die Festkleidung des Bergmanns, erläutert Klaus-Jürgen Seiler. In seinem Atelier werde diese nach der Trachtenordnung vom 18. Januar 1934 gefertigt. "Getragen wird sie bei Versammlungen und Festlichkeiten." So wie bei der Marienberger Bergparade, bei der viele Gäste in dem schwarzen Kittel erschienen sind. Doch auch Studenten tragen sie, etwa bei Prüfungen. Nicht zu vergessen Besucher von montanwissenschaftlichen Tagungen, leitende Mitarbeiter an Universitäten, an denen es eine Ausbildung auf dem Gebiet des Bergbaus gibt, und von Bergbaufirmen: "Wer etwas auf sich hält, trägt einen Bergkittel." Und der wird ihm individuell auf den Leib geschneidert.
In der DDR wurde das Festgewand nicht getragen, erzählt Klaus-Jürgen Seiler: "Damals gab es eine spezielle Wismut-Festkleidung." Seit Beginn der 1990er-Jahre habe sich das geändert, und seit jener Zeit fertige der Drei-Mann-Betrieb den Kittel. Entstanden sei dieser einst aus der Arbeitstracht des Bergmanns.
Der Bergkittel verfügt zum Beispiel über eine Pelerine, die früher dem Schutz vor Wasser diente. In der Festtracht erfüllt sie diese Funktion natürlich nicht mehr. Sie wurde stilisiert und müsse - zumindest beim Freiberger Bergkittel - zehn Bögen haben, erläutert Klaus-Jürgen Seiler. Eine Brustleiste, gestaltet mit Effekten, erinnert weiterhin an die Taschen, die sich früher am Arbeitskittel befanden.
Der Stoff, aus dem der Kittel besteht, ist entweder schwarzes Tuch, Kaschmir, Leinwand oder Kammgarn. "Alles wertvolle Stoffe. Wir verwenden Lodentuch, weil die Effekten, die meist aus Samt sind, dort gut hervorkommen", berichtet Klaus-Jürgen Seiler. Fast drei Tage sitze er an einem Bergkittel, meint Markus Seiler. Nicht gerechnet dabei die Herstellung der Effekten. Die Handarbeit hat dementsprechend ihren Preis, den die beiden Marienberger Meister nicht genau verraten - im mittleren dreistelligen Bereich liege er.
Zum Bergkittel, den Klaus-Jürgen Seiler zufolge mittlerweile auch Frauen tragen, zählt weiteres Zubehör. Da wären das weiße Hemd, die schwarze Krawatte mit eingewebtem Eisen und Schlägel und eine schlichte schwarze Hose. Gelegentlich wird heute auch ein Schachthut getragen.
Vereine als Kunden
Die Spezialisierung auf Bergmannstrachten hat es mit sich gebracht, dass die Seilers sachsen- und deutschlandweit unterwegs sind. "Wir haben viele Vereine als Kunden, etwa eine Knappschaft im Saarland", so Klaus-Jürgen Seiler. Und: Die Spezialisierung sichere der Firma das Überleben, denn im Alltag lasse sich kaum noch jemand Maßkleidung anfertigen: "So können wir die Nase über Wasser halten."


