Am Eingangstor des ehemaligen Freibads, durch das heute nur noch Bagger und Lastwagen fahren, wurden schwarze Bänder angebracht.
Foto: Kristian Hahn
Menschen trauern um Freibad Mooshaide
An der Freizeitanlage, die derzeit abgerissen wird, formiert sich der Protest der Marienberger
Marienberg. Beinahe im Minutentakt kommen an diesem frühen Donnerstagabend Menschen an den Zaun des früheren Freibads Mooshaide. Kaum einer von ihnen will seinen Namen in der Zeitung lesen, doch die Meinungen gehen in eine Richtung: "Wir wollten uns das einfach noch einmal anschauen. Ich war als Kind oft hier. Es tut weh, das jetzt zu sehen", sagt ein 37-Jähriger. Ein 40-jähriger Marienberger kritisiert: "Jahrelang wurde am Bad nichts gemacht, aber das Geld für den Abriss ist da." Und ein 37-Jähriger aus Marienberg, der mit seiner Freundin gerade aus dem Urlaub gekommen war und sich noch schnell ein Bild von der Lage vor Ort machen wollte, meint: "Ich bin wütend, wie das abgelaufen ist. Die Stadt hätte eher über Alternativen nachdenken sollen. Meine Eltern haben hier Stunden geleistet. Es ist krass zu sehen, dass schon fast alles weg ist."
"Was machen jetzt die Kinder?"
Seit gut zwei Wochen wird das Freibad abgerissen. "So viele Emotionen habe ich bei einem Abriss noch nie erlebt", erzählt ein Arbeiter der dort tätigen Firma, der seit vielen Jahren in dieser Branche tätig ist. Neben dem Eingangstor stehen Blumen in einer Vase sowie Grablichter, am Zaun rund um das Gelände wurden schwarze Bänder aufgehängt. Auch ein Plakat mit der Aufschrift "Dies ist das Werk von Oberbürgermeister T. Wittig" hängt an den Holzlatten.
Jürgen Schaarschmidt ist an diesem Abend zwar nicht extra deswegen zur Baustelle gekommen. Er hat in der Nähe einen Kleingarten. Dennoch ärgert sich der 59-Jährige: "Es ist wirklich schade. Früher bin ich nach der Arbeit hier kurz reingesprungen. Was machen jetzt die vielen Kinder?` Die können doch nicht mit dem Rad zum Rätzteich fahren."
Plattform für alle
Nicht nur direkt am Zaun drücken die Menschen aus, was sie von dem Abriss halten. Inzwischen wurden in der Stadt Aufkleber verteilt, die auf eine Internetseite im sozialen Netzwerk Facebook verweisen. Dort tauschen sich Nutzer über den Abriss aus und stellen sowohl aktuelle Fotos als auch Bilder aus der Vergangenheit seit der Eröffnung des Bades 1963 ein. 157 Personen hatten sich bis zum Redaktionsschluss am Freitagabend mit dieser Seite vernetzt.
Allerdings gingen die Aktivitäten nicht direkt von der Bürgerinitiative "Freibad Mooshaide 1963" aus, betont ein Mann, dessen Name der Redaktion bekannt ist. Er lädt regelmäßig Fotos auf Facebook hoch und sagt: "Wir stimmen uns untereinander nicht ab. Die Seite ist eine Plattform für alle, die ihre Trauer und ihre Wut über den Abriss ausdrücken wollen und die nicht möchten, dass das Freibad in Vergessenheit gerät." Er räumt aber ein: "Schade, dass erst jetzt eine größere Menge ihren Unmut äußert. Das hätte schon vor einem Jahr passieren sollen."
Auch an den Mitgliedern des Stadtrates und der Stadtverwaltung geht der Protest nicht vorbei. "Ich habe Verständnis dafür", sagt Wolfgang Härtel (CDU), der aber betont, dass der Beschluss des Stadtrates Bestand habe. "Das war auch für uns keine einfache Entscheidung."

